Skepsis, aber noch keine Krisenstimmung

Stuttgart  Die Arbeit der Wirtschaftsministerin rückt in der Krise in den Fokus. Nicole Hoffmeister-Kraut setzt auf Chancen des Strukturwandels.

Von Ulrike Bäuerlein

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Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU), Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg. Foto: dpa

Diese Meldungen haben Nicole Hoffmeister-Kraut, Wirtschaftsministerin von Baden-Württemberg, gerade noch gefehlt. Der Präsident des baden-württembergischen Handelsverbands spricht von einer "äußerst dramatischen Lage" der Branche aufgrund des Lockdowns, mehr als die Hälfte der Betriebe fürchte um ihre Existenz. Ebenfalls am Mittwoch fordert die Landtags-SPD den Rücktritt der Ministerin als Folge des Debakels um den baden-württembergischen Expo-Pavillon auf der Weltausstellung in Dubai, das den Steuerzahler 15 Millionen Euro kostet.

Zwei Monate vor der Landtagswahl weidet SPD-Fraktionschef Andreas Stoch genüsslich aus, dass eine CDU-Ministerin die Verantwortung dafür trägt. "Wie soll eine Wirtschaftsministerin, die keinerlei Kontrolle über das eigene Haus hat, angeschlagene Unternehmen aus der Krise führen? Baden-Württemberg kann sich in der aktuellen Situation keine hilflose Wirtschaftsministerin leisten", poltert Stoch.

Besorgte Bürger

Auch die Bürger in Baden-Württemberg blicken besorgt auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land. Denn zu den unwägbaren allgemeinen Folgen des Lockdowns und des Strukturwandels in der Automobilindustrie kommen Bedenken der Menschen über ihre persönliche Lebenssituation. Wie sicher sind die Arbeitsplätze? Sind die Lebensqualität und die gefühlt gute wirtschaftliche Lage in Gefahr? Die Stimmung trübt sich ein - obwohl das Vertrauen in die Wirtschaftskraft des Landes nach wie vor groß ist. Dies geht aus dem aktuellen BaWü-Check des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Tageszeitungen hervor, der sich in seinem dritten Teil nun mit der Sicht der Bürger auf die Wirtschaft befasst hat.

"Die Sorge der Menschen ist berechtigt", sagt die Wirtschaftsministerin tags zuvor im Gespräch mit unserer Zeitung. "Wir stecken mitten in großen wirtschaftlichen Umbrüchen. Nicht nur bei der Autoindustrie bis hin zur Elektromobilität, sondern auch bei der Digitalisierung. Das ist das eigentliche Thema."

Ministerin macht Mut

BaWü-Check

Der BaWü-Check ist eine gemeinsame Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, an der sich auch die Heilbronner Stimme beteiligt.

Dennoch sieht die Ministerin nicht schwarz. Im verarbeitenden Gewerbe und im Automobil- und Zulieferersektor sei die Auftragslage stabil, im Maschinenbau gebe es sogar eine Aufbruchsstimmung. "Insgesamt sollten wir keine Angst vor dem Strukturwandel machen. Er eröffnet auch viele Chancen. Baden-Württemberg hat schon vieles durchgestanden und es immer wieder geschafft, sich neu aufzustellen. Darauf setze ich", sagt Hoffmeister-Kraut.

Gewinner und Verlierer werde es aber geben. "Um den stationären Einzelhandel, um die Schausteller, die Messe-, Veranstaltungs- und Reisebranche mache ich mir derzeit die größten Sorgen. Mit jeder weiteren Woche des Lockdowns verlieren wir im schlimmsten Fall weitere Betriebe, auch wenn wir, so gut es geht, finanziell helfen", so Hoffmeister-Kraut.

 

 

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