Millionen für Erforschung von Corona-Folgeerkrankungen

Stuttgart  Die Landesregierung will die Erforschung der Corona-Langzeitfolgen stärker fördern. Dazu sollen Genesene befragt werden, deren Infektion mindestens sechs Monate zurückliegt. Hierfür sollen für ein Jahr knapp 2,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt werden.

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Schwere Langzeiterkrankungen nach einer Corona-Infektion müssen oft mit Hilfe einer umfassenden Reha behandelt werden.

Foto: dpa

Das Land will nach Informationen der "Heilbronner Stimme" in die Erforschung der Folgeerkrankungen von Covid-19 investieren. Knapp 2,3 Millionen Euro möchte die grün-schwarze Landesregierung hierfür bereitstellen. Dies geht aus einer Kabinettsvorlage von Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hervor. Der Ministerrat will die Investition in seiner Sitzung am Dienstag beschließen.

Kooperation der medizinischen Fakultäten

Das Geld fließt in das Projekt mit dem Titel "Erforschung von Post-Covid-19-Erkrankungen - Charakterisierung eines neuen Krankheitsbildes und Entwicklung einer Grundlage für therapeutische Interventionen". Dieses wird von den medizinischen Fakultäten der Universitäten Freiburg, Heidelberg, Tübingen und Ulm in Kooperation mit den vier Universitätskliniken in Baden-Württemberg gemeinsam durchgeführt. Das Vorhaben verfolge "primär das Ziel der Erfassung der Häufigkeit und Charakteristika von Post-Covid-19-Syndromen", erklärt Bauer in der Kabinettsvorlage. Momentan sei die wissenschaftliche Datenlage limitiert und medizinisch validierte Langzeitdaten gebe es kaum, so die Grünen-Politikerin.

Erkrankte sollen online befragt werden

Laut dem Konzept Bauers sollen zunächst in einer Online-Befragung Erwachsene zwischen 18 und 65 Jahren interviewt werden, die Corona hatten. Es sollen nur Personen teilnehmen, deren Erkrankung sechs bis zwölf Monate zurückliegt. In der Folge sollen dann Gruppen bestehend aus Personen mit und ohne Folgeerkrankungen gebildet werden. Nach speziellen Untersuchungen sollen Beratungs- und Therapieangebote geschaffen werden zur Behandlung von Patienten mit dauerhaften Corona-Folgeerkrankungen. Auch ein überregionales Kompetenzzentrum ist geplant.

Das Projekt ist auf ein Jahr angelegt. Es soll aus bisher nicht verwendeten Mitteln der Zukunftsoffensive III des Landes finanziert werden.

Mehr als 470.000 Genese im Südwesten

In Baden-Württemberg sind seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr als 470.000 Menschen nach einer Corona-Erkrankung wieder genesen. Die Erforschung über die langfristigen Folgen soll jetzt verstärkt in den Vordergrund gerückt werden. "Nach einer aktuellen Schätzung des Bundes kämpft jeder zehnte Erkrankte mit Spätfolgen unterschiedlicher Schwere", erklärt eine Sprecherin des Landesgesundheitsamts. Da es für Folgeerkrankungen keine Meldepflicht gebe, sei "die Zahl der Betroffenen oder der sich in Behandlung befindlichen Patienten nicht bekannt", so die Sprecherin weiter.

Langzeitfolgen können vielfältig sein

Langzeitfolgen einer Corona-Infektion können vielfältig sein. Dazu gehören Symptome wie ständige Erschöpfung, Atemnot, neurologische Störungen bis hin zu Übelkeit und Erbrechen. Diese Erkrankungen werden dann als Long Covid bezeichnet. Die Sprecherin: "Ein hohes Alter scheint das Auftreten von Long Covid zu begünstigen. Zu den Langzeitfolgen nach Covid-19 bei Kindern und Jugendlichen ist aufgrund der geringen Anzahl Erkrankter bisher wenig bekannt."


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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