Manuel Hagel ist der Hoffnungsträger der CDU

Stuttgart  Der 33-Jährige ist neuer CDU-Fraktionsvorsitzender, Wolfgang Reinhart wechselt ins Justizministerium.

Von Peter Reinhardt

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Vor fünf Jahren war Manuel Hagel noch Neuling in der CDU-Landtagsfraktion, nun ist er ihr Vorsitzender.

Foto: dpa

Demütig zeigt sich Manuel Hagel nach seinem überzeugenden Sieg. "Ich bin dankbar für das große Vertrauen und die Geschlossenheit", verneigt sich der 33-Jährige nach der Wahl zum neuen Vorsitzenden der CDU-Fraktion im baden-württembergischen Landtag. Er habe Respekt vor der Aufgabe. 40 Abgeordnete haben für ihn gestimmt, nur zwei nicht. Am Tag nach seinem 65. Geburtstag hebt Vorgänger Wolfgang Reinhart hervor, der Generationswechsel sei im Einvernehmen erfolgt: "Es ist wichtig, dass wir den Aufbruch nutzen."

Hagel ist der Hoffnungsträger der Christdemokraten nach der verlorenen Landtagswahl. Als er vor fünf Jahren als Neuling in den Landtag kam, machte ihn CDU-Landeschef Thomas Strobl überraschend zu seinem Generalsekretär. Der junge Direktor einer Sparkasse hatte ihn im Wahlkampf beeindruckt. Mit dem Aufstieg zum Fraktionschef rückt er nun aus der Führungsreserve in die erste Reihe.

Ein paar Duftmarken hat sich Hagel für seinen ersten Auftritt nach der Wahl überlegt. "Wir wollen nicht morgen im Gestern verharren", fordert er indirekt einen politischen Neuanfang. Die CDU müsse "raus aus der eigenen Echokammer, rein in neue Lebenswirklichkeiten". Man sei nicht mehr überall so verankert, wie es für eine Volkspartei notwendig wäre. Konkreter wird der Shootingstar der CDU vorerst nicht.

 

Hagel ist gelernter Bankkaufmann und war von 2014 bis 2016 Filialchef der Sparkasse in Ehingen (Alb-Donau-Kreis). Mit 18 trat er in die CDU ein, wurde 2016 bei der Landtagswahl mit 36,2 Prozent Stimmenkönig seiner Partei. Das konnte er gegen den Trend im März 2021 mit 35,6 Prozent wiederholen.

Der junge Generalsekretär ist ein gewiefter Taktiker. Beim bitteren Streit zwischen Strobl und Kultusministerin Susanne Eisenmann um die Spitzenkandidatur hat er moderiert. Den Wahlkampf bereitete er gemeinsam mit Eisenmann vor. Als es dann holperte, machte er nach innen früh die unterschiedlichen Einschätzungen deutlich. Die junge Mannschaft in der CDU-Landesgeschäftsstelle ließ sich sogar in einer Studie bescheinigen, ihr Digitalwahlkampf habe eine noch schlimmere Schlappe verhindert.

Unterschriften

In den Wirren des Wahlsonntags und danach, als Eisenmann die Verantwortung für das Desaster übernahm, hielt Hagel sich geschickt im Hintergrund. Seine Leute organisierten eine Unterschriftenaktion gegen Reinharts Plan, sich am Tag nach der Wahl für zwei Jahre im Amt des Fraktionschefs bestätigen zu lassen. Unter dem Eindruck der Liste mit 25 Namen setzte sich Reinhart an die Spitze der Bewegung und ließ sich nur bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen im Amt bestätigen.

Als Fraktionsvorsitzender gehörte Reinhart bei den Gesprächen mit den Grünen natürlich zur Runde der Chefunterhändler, ebenso wie Hagel. Den Generationswechsel in der Fraktion beschreibt der 65-Jährige jetzt als logisch: "Die Mischung macht es. Wir bilden ein Team von jungen Füchsen und alten Hasen."

Wechsel

Es gilt als sicher, dass Reinhart ins Justizministerium wechselt. Amtsinhaber Guido Wolf ist zwar fünf Jahre jünger, hat sich aber dem Vernehmen nach durch unabgesprochene Sondierungen mit SPD und FDP ins Aus manövriert. Als gesetzt gelten für die Ministermannschaft Strobl im Innenressort und für Landwirtschaft Amtsinhaber Peter Hauk. Jeder in dem Männertrio ist 60 oder älter. Damit Strobl trotz der schwächeren Position gegenüber den Grünen noch zwei Frauen auf der Regierungsbank platzieren kann, muss wohl eigens ein Ministerium geschaffen werden. Aufmerksam wurde registriert, dass Fraktionsgeschäftsführerin Nicole Razavi gestern mit Reinhart und Hagel auf dem Podium saß. Die 55-Jährige gilt als Favoritin für ein Digitalisierungsministerium, das allerdings erst die Zustimmung der Grünen braucht.

Es ist weit gekommen mit der CDU in ihrem Stammland. 2006 war sie mit 44,2 Prozent noch knapp an der absoluten Mehrheit der Mandate vorbeigeschrammt. 15 Jahre später ist die Partei auf 24,1 Prozent geschrumpft und auf das Wohlwollen der Grünen angewiesen. Mit Geschlossenheit will Hagel an alte Erfolge anknüpfen: "Ich will nach innen zusammenführen und nach außen zusammen führen."


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