Lehrer und Erzieher werden früher geimpft

Stuttgart  Das Land Baden-Württemberg will nach den Öffnungen von Grundschulen und Kitas das Personal besser vor dem Coronavirus schützen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sieht noch Klärungsbedarf.

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Impfstoff von Biontech/Pfizer ist für alle Altersklassen erlaubt, von Astrazeneca nur für unter 65-Jährige.

Foto: dpa

Grundschulen sind schrittweise wieder im Präsenzbetrieb - und auch die Kitas haben offen. Noch bevor es auf Bundesebene eine Regelung gibt, hat Baden-Württembergs Sozialminister Manne Lucha (Grüne) angekündigt, wegen der Öffnungen Lehrer und Erzieher bei den Corona-Impfungen vorzuziehen - sie sollen in die zweite Gruppe aufrücken. Seit Montag können sie Impftermine vereinbaren. Lehrer und Erzieher würden an vorderster Front stehen, wenn Schulen und Kitas jetzt öffnen würden, begründet Lucha die Entscheidung.

Keine Unterschiede bei den Beschäftigten

Doch wie sollen die Impfungen ablaufen? Die Lehrer und Erzieher können ab sofort ihren Impftermin in einem für sie günstig gelegenen Impfzentrum ganz regulär über die Telefonhotline 116 117 oder online unter www.impfterminservice.de buchen. Festgelegte Mengen für sie gibt es nicht. Impfberechtigt sind alle Lehrer und Erzieher, es gibt keine Unterscheidung zwischen Schularten oder der Art der Tagesbetreuung.

Land setzt auf Impfstoff Astrazeneca

Möglich wurde das Vorziehen der Impfungen durch die erhöhte Verfügbarkeit des Impfstoffes Astrazeneca, der in Deutschland nur bei Menschen unter 65 Jahren verimpft wird. "Bis Mitte März wird Baden-Württemberg rund 450.000 Impfdosen Astrazeneca erhalten, so dass wir den unter 65-Jährigen aus den Stufen 1 und 2 ein Impfangebot machen können", erklärt eine Sprecherin des Sozialministeriums. Erste Impfungen der zweiten Gruppe soll es schon Anfang März geben. Die Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Monika Stein, sieht Klärungsbedarf.

"Die Schulen warten noch auf Informationen, wie das umgesetzt werden kann. Ich hoffe, dass alle sehr schnell Impftermine angeboten bekommen", sagt sie gegenüber unserer Zeitung. So lange nicht alle Lehrkräfte Impfangebote erhalten hätten, müsse die Landesregierung "den Turbo bei den weiteren Schutzmaßnahmen einschalten". Wichtig seien hier "Schnelltests auch für Schülerinnen und Schüler sowie endlich mehr Personal, damit die Schulen die nächsten 20 Schulwochen gut bewältigen können", erklärt Stein.

Öffnungen verlaufen holprig

Erste Rückmeldungen vom Tag der Öffnung von Grundschulen und Kitas zeigten, "dass nicht überall genug für die Sicherheit getan wurde, Gruppen zu groß sind und es für die Lehrkräfte nicht möglich war, vor Unterrichtsbeginn Schnelltests zu machen", erläutert Stein.

"Eine vorzeitige Impfung ist auch wichtig im Hinblick auf eine Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht, der für die Schülerinnen und Schüler von enormer Bedeutung ist", sagt auch Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU). Sie hatte zuvor bereits darauf gedrängt, Lehrer und Erzieher früher als ursprünglich geplant zu impfen.

Probleme bei Terminvergabe

Allerdings gab es am Montag noch Schwierigkeiten bei der Vergabe der Impftermine. "Wie schon für tausende impfberechtige Seniorinnen und Senioren in den vergangenen Wochen heißt es deshalb heute für Lehrkräfte und das Kita-Personal: Telefon-Frust pur. Sie werden über die Impfhotline abgewiesen und kommen ihrer Impfung auch über die Internetplattform keinen Schritt näher", übt SPD-Landtagsfraktionschef Andreas Stoch Kritik.

"Sollte Minister Lucha wieder einmal vorschnell in der Presse einen Erfolg verkündet haben, dessen wirksame Umsetzung noch gar nicht gesichert ist, dann übersteigt die Serie der Pannen und Fehlinformationen so langsam das Maß des Erträglichen", sagt auch FDP-Politiker Jochen Haußmann.

Aktuell in Baden-Württemberg geimpfte Personen

Bis einschließlich 21. Februar 2021 wurden nach Angaben des Sozialministeriums in Baden-Württemberg 412.902 Personen erstmals geimpft. 213.854 haben bislang die Zweitimpfung erhalten.

 


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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