Baden-Württemberg verbessert seine Klimabilanz

Stuttgart  Gebäude und Dienstreisen: Die Landesverwaltung von Baden-Württemberg hat ihre Treibhausgasemissionen seit 2010 um mehr als 40 Prozent reduziert. Allerdings gibt es im Mobilitätssektor noch viel zu tun.

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Das Parlamentsgebäude in Stuttgart gehört zu den Liegenschaften des Landes. Insgesamt sind die Treibhausgasemissionen bei den rund 7800 Landesgebäuden rückläufig.

Foto: dpa

Die Richtung stimmt: Zwischen den Jahren 2010 und 2018 hat Baden-Württembergs Landesverwaltung laut einem Bericht von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) die Treibhausgasemissionen um mehr als 40 Prozent reduzieren können. Mit der Klimabilanz, die der Heilbronner Stimme bereits vorliegt, will sich der grün-schwarze Ministerrat am Dienstag befassen.

Das Land hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2040 die Landesverwaltung weitgehend klimaneutral zu organisieren, also CO2 -Emissionen an anderer Stellen wieder einzusparen oder zu kompensieren.

Im Jahr 2014 hatte die damals noch grün-rote Landesregierung erstmals eine Bilanz über die Treibhausgasemissionen seit dem Jahr 2010 präsentiert. Aktuell sind beim Land rund 300.000 Personen beschäftigt, deren Dienstreisen in die Bilanz einfließen - genauso wie die Treibhausgasemissionen der aktuell rund 7800 Gebäude, die das Land betreibt. Das Umweltministerium präsentiert die Zahlen eines Jahres zur CO2-Bilanz erst immer zeitverzögert. So liegt das Ergebnis für 2019 erst im Frühjahr 2021 vor.

Liegenschaften mit dem größten Anteil

"Mit einem Anteil von rund 80 Prozent machen die Liegenschaften den größten Anteil der Emissionen innerhalb der Landesverwaltung aus", schreibt Untersteller in der Kabinettsvorlage für die heutige Sitzung. Bei den Landesgebäuden konnte er das Ziel, die CO2-Emissionen um 40 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 zu reduzieren, bereits erreichen.

Daher hat das Land die Zielmarke für seine Liegenschaften nach oben korrigiert: Bis 2030 sollen die Landesgebäude im Vergleich zu 1990 mindestens 65 Prozent weniger CO2 ausstoßen, bis 2040 mindestens 80 Prozent und bis 2050 mehr als 90 Prozent. Im Gegensatz zu den Gebäuden ist die Umweltbilanz im Mobilitätsbereich - also der Ausstoß in Folge von Dienstreisen - negativ. Dies liegt unter anderem an den Flugreisen.

Entwicklung bei Flugreisen

So legten Baden-Württembergs Landesbedienstete 2018 im Flugzeug insgesamt mehr als 120,5 Millionen Kilometer zurück. 2013 waren es noch knapp 72,7 Millionen. "Die Flug-Emissionen sind gegenüber dem ersten Jahr der Erfassung von rund 15 000 Tonnen im Jahr 2013 über rund 18 000 Tonnen im Jahr 2015 auf über 23 000 Tonnen im Jahr 2018 gestiegen", schreibt Untersteller in dem Papier.

Über 90 Prozent der erfassten Dienstflüge wurden von Mitarbeitern von Hochschulen gebucht. Untersteller verweist jedoch darauf, dass die Entwicklung den allgemeinen Trend eines erhöhten Flugverkehrs der vergangenen Jahre widerspiegeln würde. Im Südwesten wird für Flugreisen von Landesbediensteten bereits seit 2008 eine Klimaabgabe erhoben.

Situation bei Fahrzeugflotten

Weil die Landesliegenschaften über die Jahre immer weniger Treibhausgasemissionen produziert hatten, stieg der prozentuale Anteil des Mobilitätssektors parallel dazu sukzessive an. Dies gilt nicht nur für Flugreisen, deren Anteil an den Gesamtemissionen sich zwischen 2013 und 2018 fast verdreifacht hatte und auf 5,5 Prozent anstieg, sondern auch für Dienstreisen mit dem Auto. Hier wurden von Landesbediensteten im Jahr 2018 etwas mehr als 45 700 Tonnen CO2 ausgestoßen - ein ähnlicher Wert wie in den Jahren zuvor. Dies machte 2018 einen Anteil an den Gesamtemissionen in Höhe von mehr als zehn Prozent aus - dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren.

Wie umweltfreundlich das Bahnfahren ist, zeigt ein Blick auf den Emissionswert aus dem Jahr 2018: Lediglich 383 Tonnen wurden durch Fahrten von Landesbediensteten ausgestoßen.

Untersteller sieht Verbesserungsbedarf

Untersteller sieht die Landesregierung bei ihrer eigenen Klimabilanz auf einem guten Weg. Allerdings ist er mit dem Verkehrssektor unzufrieden. Hier würden die Emissionen "nicht in erforderlichem Umfang sinken", so Untersteller.


Kommentar: Durchwachsen

Wer von anderen etwas einfordert, sollte zunächst vor der eigenen Türe kehren. Dieser Volksweisheit wird die grün-schwarze Landesregierung beim Klimaschutz nur zum Teil gerecht.

Zwar weist die CO2-Bilanz der Landesverwaltung generell einen positiven Trend auf. Dies liegt aber ausschließlich daran, dass bei den rund 7800 landeseigenen Gebäuden Energie- und Klimaschutzkonzepte vorangetrieben wurden. Das war es dann aber auch schon mit den Erfolgen, denn bei den Reisen der Bediensteten kommt das Land nicht voran. Zum einen stockt die Erneuerung der Dienstflotte mit umweltfreundlicheren Autos. So gelingt es mit Blick auf die E-Mobilität nicht, die Ladeinfrastruktur in den Landesgebäuden schnell genug auszubauen. Zudem sind die Landesbediensteten – die Daten wurden vor der Corona-Krise erhoben – immer mehr geflogen, was die Treibhausgasbilanz in diesem Sektor komplett verhagelte. Hier wurde zu selten die Frage gestellt, ob jeder Flug innerhalb von Deutschland oder Europa tatsächlich nötig ist.

Hätten die Landesbediensteten nicht verstärkt die Bahn als umweltfreundliches Verkehrsmittel wählen können? Doch was sonst von der grün-schwarzen Regierung propagiert wird, scheint noch nicht in jede Amtsstube der Südwest-Verwaltung vorgedrungen zu sein.

 


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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