Labore gehen auf Virus-Mutanten-Jagd

Berlin/Stuttgart  Das Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg ist seit Kurzem für Nachweise fit. Systematische Untersuchungen von Coronavirus-Proben sollen folgen, um auch unbekannte Varianten zu identifizieren.

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Den genauen Virustyp in einer Corona-Probe nachzuweisen, ist nicht in jedem Labor möglich. Im Landesgesundheitsamt in Stuttgart wurde jetzt aufgerüstet.

Foto: dpa

Weltweit wurden bereits etliche Veränderungen des Coronavirus erfasst. Nun sollen auch in Deutschland Proben stärker als bisher auf den genauen Virustyp untersucht werden, teilte das Bundesgesundheitsministerium mit. Diese sogenannten Sequenzierungen wurden bisher im Vergleich zu anderen Ländern wie Großbritannien oder Dänemark nur selten gemacht.

Auch sind nicht viele Labore dafür ausgerüstet - etwa die der Landesgesundheitsämter (LGA) sind es oftmals nicht. Baden-Württemberg ist nach Angaben von Gesundheitsminister Manne Lucha eines der ersten Bundesländer, die nun Sequenzierungen in ihrem LGA-Labor machen können. Bis vor einigen Tagen mussten Virus-Proben im Verdachtsfall noch an die Charité Berlin geschickt werden.

Labor benötigt Vorlauf

Grundsätzlich waren die Voraussetzungen für Sequenzierungen im LGA in Stuttgart zwar schon früher vorhanden, teilte ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage mit. Ein Labor benötige aber etwas Vorlaufzeit, um die Nachweise zu etablieren. So sei das LGA beispielsweise auf spezifische Materialien und Dienstleistungen von Drittanbietern angewiesen. Bis alles startklar war, dauerte es zehn Werktage, so der Sprecher.

Derzeit werden hauptsächlich Proben von Verdachtsfällen untersucht. Damit sind Personen mit Covid-19-typischen Symptomen gemeint, die sich in Gebieten mit nachgewiesenen Virus-Mutationen wie Großbritannien aufgehalten haben oder Kontakt zu einem mit einem mutierten Virus Infizierten hatten. Bisher sind im LGA in Stuttgart nach Behördenangaben rund 20 Proben auf Mutationen hin untersucht worden. Mit mehr Routine bei der Diagnostik werde die Zahl steigen. Auch an Unikliniken sollen zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Darüber hinaus wird im LGA daran gearbeitet, die Methodik zur Untersuchung des kompletten Genoms, also des Erbguts, einer Corona-Probe zu nutzen, heißt es in einer Pressemitteilung. So könnten durch systematische Untersuchungen auch bislang unbekannte Mutationen nachgewiesen werden.

Das ist derzeit noch nicht möglich, weil die sogenannte Vollgenom-Sequenzierung in medizinisch-diagnostischen Laboratorien keine Routine ist, erklärt ein LGA-Sprecher. Daher seien die entsprechenden Geräte in der Regel nicht vorhanden. Das LGA arbeite daran, das zu ändern.

Genaue Virustypen identifizieren

Labore und Einrichtungen, die Sequenzierungen bereits vornehmen, sind inzwischen per Verordnung verpflichtet, die erhobenen Daten an das Robert-Koch-Institut zu übermitteln und bekommen dafür eine Vergütung. Labore, die Corona-Tests auswerten, aber selbst keine Gen-Analyse durchführen, sollen einen Teil ihrer Corona-Proben an Speziallabore schicken und bekommen dafür die Versandkosten erstattet. Ziel ist es, laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, dass mindestens fünf Prozent aller Positivtests in Deutschland auf den genauen Virustyp untersucht werden.

Hintergrund sind Befürchtungen über die Verbreitung neuer Virusvarianten wie etwa in Großbritannien oder Irland. Am Klinikum Garmisch-Partenkirchen wurde zuletzt zum Beispiel eine wahrscheinlich völlig neue Variante des Coronavirus entdeckt. Genauere Ergebnisse werden aber erst Ende nächster Woche erwartet.

Ist Impfung auch gegen Mutationen wirksam?

Derzeit gehen Mediziner davon aus, dass der Impfstoff auch gegen die bisher bekannten Virus-Mutationen wirksam ist. Eine davon ist die Variante mit der Bezeichnung B.1.1.7. Sie wurde erstmals im September 2020 in Großbritannien nachgewiesen. Nach bisherigen Erkenntnissen ist die Variante B.1.1.7 deutlich ansteckender als das ursprüngliche SARS-CoV-2 Virus. Es gibt nach aktueller Datenlage aber keine Hinweise darauf, dass die Varianten aus Großbritannien oder Südafrika (B.1.351) schwerere Verläufe von Covid-19 auslösen oder die typischen Symptome einer Infektion beeinflussen. In Baden-Württemberg trat die Virusmutante B.1.1.7 erstmals am 24. Dezember 2020 auf. Am 11. Januar 2021 wurde auch die Variante B.1.351 bei einer Familie, die am 13. Dezember 2020 aus Südafrika nach Baden-Württemberg eingereist war, nachgewiesen.

 


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Katharina Müller

Katharina Müller

Autorin

Katharina Müller arbeitet seit Januar 2019 bei der Heilbronner Stimme und kümmert sich in der Regionalredaktion um Themen aus dem nördlichen Landkreis. Zuständig ist sie für Bad Friedrichshall, Neckarsulm, Neuenstadt, Langenbrettach, Hardthausen und Jagsthausen.

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