Katastrophen-Warnsystem soll besser werden

Stuttgart/Region  Baden-Württemberg will die Bürger besser vor Umweltkatastrophen schützen und das Warnsystem weiterentwickeln. Dies kündigte Innenminister Thomas Strobl (CDU) am Dienstag in Stuttgart an. Damit sollen die Lehren gezogen werden aus der Flutkatastrophe vor zwei Monaten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

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Strobl erklärte, das Land wolle die Einführung eines Monitoringsystems prüfen. Örtliche Daten - also beispielsweise zur Topographie oder zur Zusammensetzung der Erde - sollen in das System eingepflegt werden, damit bei Unwetterkatastrophen bessere Prognosen getroffen werden können.

"Wie viel Regen soll wo fallen. Das wollen wir unter anderem über das Monitoringsystem ermitteln", so Strobl. Mit der Datenbasis könne dann die Bevölkerung genauer informiert werden. "Das nächste Unwetter kommt bestimmt - und das oft schneller, als man denkt", sagte der CDU-Politiker.

Bei den Warnungen vor drohenden Umweltkatastrophen setzt das Land auf einen breiten Mix. Neben dem bundesweiten Warnsystem Mowas, der Warn-App Nina oder den klassischen Medien sollen die Kommunen auch neue Sirenen aufbauen. Das Land wolle in diesen Tagen hierzu neue Förderrichtlinien erarbeiten, erklärte Strobl.

Baden-Württemberg stehen aus dem Förderprogramm des Bundes elf Millionen Euro zur Verfügung, mit denen die Anschaffung von Sirenen in Städten und Gemeinden unterstützt werden können. "Reicht die Förderung des Bundes nicht aus, wird das Land selbst etwas tun", kündigte Strobl an.

Übungen mit der Bevölkerung

Weiter will das Land mit der Bevölkerung das Verhalten in Krisensituation trainieren. "Ab dem kommenden Jahr sind Katastrophenschutz-Übungen geplant", so Strobl. Außerdem soll der Katastrophenschutz auch in den Schulen in Zukunft eine Rolle spielen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte am Dienstag, er habe Strobl und Kultusministerin Theresa Schopper (Grüne) aufgefordert, ein Konzept für die Schulen vorzulegen. Damit wolle man auch erreichen, dass die Schüler ihr Wissen über das Verhalten in Notsituationen in ihre Familien tragen würden. Dies sei gerade in Migrantenfamilien wichtig, weil diese oft schlecht erreicht würden, so Kretschmann.

"Wie will sich die Landesregierung denn jemals ein Bild über die Auswirkungen des Förderprogramms für die Sirenen machen und die richtigen Schlüsse ziehen, wenn noch nicht einmal die aktuelle Anzahl der Sirenen im Land bekannt ist", kritisierte der kommunalpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Klaus Ranger.

Aufstockung der Zuschüsse gefordert

Man sei froh über die vorhandenen Sirenen, sagte Marc Hoffmann, Leiter des Amts für Sicherheit und Ordnung im Landratsamt Heilbronn. Die herkömmlichen Geräte könnten allerdings nur Warntöne abgeben, keine Sprachnachrichten verbreiten. "An einem Modernisierungsprogramm", so Hoffmann, "wären wir sehr interessiert". Derzeit liefen Gespräche mit den Städten und Gemeinden. Wünschenswert sei, dass Bund und Land das angekündigte Förderprogramm noch aufstockten, so der Amtsleiter.

Auch die Pläne für ein verbessertes Niederschlags-Monitoring unterstütze er, sagte Hoffmann.

Im Stadt- und Landkreis Heilbronn wurde das Sirenennetz nicht aufgegeben, wie das in vielen anderen Regionen der Fall war. In Heilbronn gibt es 91 Sirenen, in den 46 Kreiskommunen sind es 216 Standorte. Der Hohenlohekreis zählt noch 68 Sirenen. Sie dienen ausschließlich zur Alarmierung der Feuerwehr. 


Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Hettich

Alexander Hettich

Stellvertretender Leiter der Regionalredaktion

Alexander Hettich ist stellvertretender Leiter der Regionalredaktion. Er arbeitet seit 2003 bei der Heilbronner Stimme, berichtet über Verkehrsthemen, über Kommunalpolitik und Heilbronn.

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