Freibäder dürfen theoretisch bald öffnen

Stuttgart  In Baden-Württemberg können Bäder und Therme ab dem 6. Juni wieder öffnen, so heißt es zumindest von der Lenkungsgruppe der Landesregierung. Die Kommunen sehen sich wegen der Kurzfristigkeit vom Land unter Druck gesetzt.

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Foto: mhp/stock.adobe.com

Bäder, Thermen und Badeseen in Baden-Württemberg können ab dem 6. Juni öffnen. Dies hat die Corona-Lenkungsgruppe der Landesregierung entschieden. Wegen der Pandemie war bislang unklar, bis wann die Freizeiteinrichtungen geschlossen bleiben müssen.

Vorgaben für Öffnungen

Die Öffnungen sollen aber nur unter strengen Hygienevorgaben und mit einem detaillierten Betriebskonzept erlaubt werden. In diesem müssen unter anderem die maximale Anzahl der Gäste im gesamten Bad und in einzelnen Becken sowie die Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorschriften geregelt sein. Unter Einhaltung der Vorgaben können auch Badeseen den Betrieb wieder aufnehmen.

Voraussetzung ist aber, dass Zugangskontrollen umgesetzt werden. Gibt es keine Kontrollmöglichkeiten an Eingängen, sollen an den Seen die allgemeinen Abstandsregeln gelten. Öffnen dürfen auch Heil- und Hotelbäder. Saunen dürfen ebenfalls ab 6. Juni wieder betrieben werden, Dampfbäder jedoch noch nicht.

Tourismusminister Guido Wolf (CDU) weist aber darauf hin, dass es in diesem Sommer keine normale Badesaison geben werde. "So lange es keinen Impfstoff gibt, ist stets nur Badebetrieb unter Einschränkungen möglich", sagt Wolf. Aber auch ein eingeschränkter Badebetrieb trage erheblich dazu bei, dass sich das Tourismusland Baden-Württemberg schneller erholen könne.

Auf Mitwirkung der Bürger angewiesen

Aus dem Beschluss der Lenkungsgruppe geht hervor, dass Bäder bei einer Nichteinhaltung der Vorgaben wieder schließen müssen. In dem Papier der Lenkungsgruppe, das der Heilbronner Stimme vorliegt, heißt es, ein Bäderbetrieb sei mit Blick auf die Infektionsgefahr nur auf der Basis der Eigenverantwortung der Besucher durchführbar. "Ohne die Mitwirkung der Bürger zur Einhaltung der Infektionsschutzvorgaben müssen die Bäder geschlossen bleiben beziehungsweise wieder geschlossen werden", steht in dem Schreiben.

Baden-Württembergs Gemeindetag kritisiert, das Land würde die Kommunen bei der geplanten Öffnung der Bäder zeitlich unter Druck setzen. "Wie bei anderen Corona-Verordnungen zuvor ist das alles wieder sehr kurzfristig", sagt Sprecherin Kristina Fabijancic-Müller mit Blick auf die Umsetzung der strengen Vorgaben.

Ab Freitag treten im Südwesten zudem etliche Corona-Neureglungen in Kraft. So dürfen Hotels und Pensionen wieder öffnen. Hotels müssen ihre Spa- und Bäderbereiche jedoch bis 6. Juni geschlossen halten. Auch Campingplätze dürfen wieder allgemein öffnen. Bisher waren sie nur für Dauercamper zugänglich.


Kommentar von Michael Schwarz: Ohne Ordnung

Es ist durchaus ein politischer Erfolg, dass sich die gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie für die Bevölkerung in Baden-Württemberg sehr im Rahmen gehalten haben. Allerdings herrscht bei den Lockerungen der Maßnahmen inzwischen ein Verordnungs-Chaos, das schnell beendet werden muss.

Jüngstes Beispiel ist die Öffnung der Bäder und Thermen ab frühestens 6. Juni. Verkündet wurde die politische Einigung am Donnerstagmorgen – ohne eine entsprechende Verordnung, nach der sich die kommunalen Träger richten können. Wie schon zuvor bei den Schulen, Kitas oder Gaststätten bleibt vor Ort viel zu wenig Zeit, um sich auf die Öffnungen vorzubereiten. Dies wäre aber dringend nötig, da für alle Bereiche wegen der strengen Infektionsschutzvorgaben regionale Konzepte erarbeitet werden müssen. So bleiben auch bei den Freibädern viele Fragen offen.

Wie viele Besucher dürfen zugelassen werden? Wie wird mit sanitären Einrichtungen und Umkleidekabinen umgegangen? Wird zusätzliches Personal wegen der strengen Vorgaben nötig sein? Ein anderes Ärgernis ist, dass zum wiederholten Male Konzepte nicht stimmig sind. Hotels dürfen am Freitag öffnen, ihre Spa- und Bäderbereiche erst in acht Tagen. Macht das Sinn? Die Vorgaben müssen besser durchdacht werden. So kann es nicht weitergehen.


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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