Dreikampf um den Stuttgarter OB-Posten

Stuttgart  Im zweiten Wahlgang der OB-Wahl in Stuttgart haben drei Männer die besten Chancen. CDU-Kandidat Frank Nopper, der im ersten Wahlgang die meisten Stimme erhielt, gilt als Favorit. Doch vor allem der 30-jährige Marian Schreier könnte für eine Überraschung sorgen.

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Am Sonntag wird darüber entschieden, wer als neuer OB ins Stuttgarter Rathaus einzieht. Foto: dpa

Die Wahl des nächsten Stuttgarter Oberbürgermeisters ist eigentlich spannend. Beim ersten Wahlgang erreichte keiner der Bewerber eine absolute Mehrheit. Und weil sich die Kandidaten von Grünen und SPD inzwischen zurückgezogen haben, ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen möglich - mit prognostizierten Vorteilen für den CDU-Bewerber. Bei nüchternem Blick mag sich aber keine wirkliche Spannung aufbauen, weil die Kandidaten für den Posten des Rathauschefs in der Landeshauptstadt vor allem eines sind: unbekannt und blass.

Ein Rennen zwischen drei Männern

Im zweiten Wahlgang an diesem Sonntag wird nun entschieden, wer im Januar Nachfolger des amtierenden Oberbürgermeisters Fritz Kuhn (Grüne) wird. Neun Kandidaten treten noch mal an - das Rennen werden jedoch drei Männer unter sich ausmachen.

Die besten Karten hat laut aller Prognosen Frank Nopper, der für die CDU antritt. Der Backnanger Oberbürgermeister, Jurist, 59 Jahre alt und seit 18 Jahren Rathauschef in der 37 000-Einwohner-Stadt, kam im ersten Wahlgang am 8. November auf 31,8 Prozent der Stimmen. Dies war ein deutlicher Vorsprung auf die völlig enttäuschende Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle, die nur 17,2 Prozent erreichte.

Grünes Desaster

Dass die Grünen in Stuttgart so Schiffbruch erlitten hatten, ist eines der großen Themen der OB-Wahl. Stuttgart gilt als Grünen-Hochburg, in der die Partei in den vergangenen Jahren auf eine strukturelle Mehrheit bauen konnte, schließlich hatte Kuhn vor acht Jahren als erster Grüner den Chefsessel einer deutschen Landeshauptstadt erobert. Auch im Gemeinderat haben die Grünen die meisten Sitze. Doch dann kam die überraschende Erklärung Kuhns im Januar dieses Jahres, er wolle nicht mehr antreten. Da Kuhns Amtszeit nicht gerade als glanzvoll gilt, sahen viele Grüne zunächst die Möglichkeit für einen Neustart. Doch nachdem die gesammelte Parteiprominenz wie der Bundestagsabgeordnete Cem Özdemir und die Landtagspräsidentin Muhterem Aras einen Kandidatur ablehnten, schickte die Partei mit Kienzle die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte in den Ring - mit bekanntem Ausgang.

Am Sonntag können jetzt noch Marian Schreier und Hannes Rockenbauch CDU-Mann Nopper den Sieg streitig machen. Schreier tritt trotz seines SPD-Parteibuches als unabhängiger Kandidat an, weil die Stuttgarter Sozialdemokraten zunächst auf ihren Gemeinderatsfraktionschef Martin Körner setzten. Nach 9,8 Prozent im ersten Wahlgang zog er sich aber lieber zurück.

Schreier legt bei Umfragen zu

Als härtester Verfolger Noppers gilt Schreier. In der jüngsten Umfrage der Universität Hohenheim kommt der 30-jährige Bürgermeister des 5000-Einwohner-Städtchens Tengen im Hegau weit über 30 Prozent. Schon im ersten Wahlgang konnte Schreier mit seiner Digital-Kampagne ohne Parteiunterstützung respektable 15 Prozent erreichen "Ich bin der Meinung, dass die Wähler sich ein progressives Angebot in der politischen Mitte wünschen", sagt Schreier - und positioniert sich zwischen dem konservativen CDU-Kandidaten Nopper und dem dritten im Bunde der Aussichtsreichen, S-21-Gegner-Aktivist und SÖS/Linken-Stadtrat Hannes Rockenbauch (40), der am 8. November mit 14 Prozent noch auf Augenhöhe mit Schreier lag.

Stimmenmehrheit entscheidend

Bereits nach dem ersten Wahlgang versuchten sich Kienzle, Schreier, Rockenbauch und Körner auf einen linken Kandidaten zu einigen, um Nopper zu verhindern. Doch der Versuch scheiterte - und Schreier und Rockenbauch treten noch mal an. Am Sonntag gibt es zumindest einen sicheren Sieger, schließlich reicht schon die relative Mehrheit. Das heißt: Wer die meisten Stimmen erhält, gewinnt.

 

Geld im Wahlkampf

Für Diskussionen im Vorfeld der Wahl sorgte die Kampagnenfinanzierung der einzelnen OB-Kandidaten. CDU-Bewerber Frank Nopper hatte ein Budget in Höhe von rund einer halben Million Euro zur Verfügung. Der unabhängige Bewerber Marian Schreier hingegen sammelte alleine über Crowdfunding für seinen Wahlkampf mehr als 100.000 Euro. Für Kontroversen sorgten vor allem Unterstellungen, Schreier würde sich von einer Bürgerinitiative oder einer Werbeagentur aus der Schweiz finanzieren lassen. 


Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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