Ex-Fußballer bei Demo: Corona-Maßnahmen «völlig überzogen»

Stuttgart (dpa)  Bei der Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart hält Ex-Fußball-Nationalspieler Thomas Berthold eine Rede. Der frühere Weltmeister möchte, dass dieser Auftritt nicht sein letzter in diesem Kontext war.

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Ex-Fußballer Thomas Berthold spricht auf einer «Querdenken»-Demo in Stuttgart.

Der frühere Fußball-Weltmeister Thomas Berthold hat einen Auftritt als Redner bei einer Demonstration in Stuttgart mit seiner kritischen Haltung zu den Corona-Schutzmaßnahmen begründet. Die Maßnahmen seien «völlig überzogen», sagte der 55-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Es war eine Herzensangelegenheit für mich, diese Plattform zu nutzen und Dinge zu sagen, die mir seit längerem durch den Kopf gehen. Ich wollte dort den Menschen Dinge mitteilen, die ich wahrnehme und auf dem Herzen habe.» Er wolle «selbstbestimmt und ohne Angst» leben.

In seiner Rede bei der Veranstaltung «Querdenken 711» erklärte Berthold unter anderem, dass sein Vertrauen in die politische Führung bei «unter Null» angekommen sei. Die Teilnehmer der Kundgebung forderten ein Ende der vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen, mit denen die Gefahr einer Übertragung des Coronavirus reduziert werden soll. Die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern, die Polizei zählte mehrere Hundert. Die «Querdenken»-Proteste stehen unter anderem wegen der Teilnahme von Verschwörungstheoretikern und Rechtspopulisten in der Kritik.

In den sozialen Netzwerken erntete Berthold für seinen Auftritt Reaktionen von Häme bis Zuspruch: «Thomas Berthold stand ja früher schon selten richtig im Raum», schrieb ein Twitternutzer mit Anspielung auf dessen Fußballkarriere. Andere Nutzer attestierten ihm etwa Zivilcourage.

Er wolle «definitiv» auch bei der «Querdenken»-Demonstration am 29. August in Berlin auftreten, sagte Berthold der dpa. «Die Initiative braucht eine mediale Plattform. Es geht darum, dass wir Dinge hinterfragen und nicht alles staatstreu eins zu eins glauben.» Er sprach sich für die Gründung einer neuen Partei aus. Er habe aber selbst keine Intention, politisch aktiv zu werden. «Ich habe nur angeregt, dass wir Menschen brauchen, die dem Volk dienen. Wir brauchen Menschen in unserer Regierung, die ausgebildet sind für Ihr Ressort und Expertise mitbringen.»

Der 55 Jahre alte Berthold spielte in seiner Karriere unter anderem für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern und den VfB Stuttgart. Der Verteidiger absolvierte 62 Länderspiele, 1990 wurde er mit dem deutschen Nationalteam Weltmeister in Italien. Nach seiner Laufbahn war Berthold unter anderem als Manager von Fortuna Düsseldorf und für mehrere Fernsehsender sowie Zeitschriften als Experte tätig.

Sollte seine öffentliche Positionierung berufliche Konsequenzen für ihn haben, sei ihm dies egal, sagte Berthold: «Wenn es so sein sollte, wäre das schade, dann bin ich aber bereit, die Konsequenzen zu tragen», betonte er. «Wenn der ein oder andere Programmdirektor oder Redakteur sagt, das können wir nicht vertreten, akzeptiere ich das natürlich. Auch dann geht das Leben weiter.»


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