BaWü-Check: Bürger im Land sind wieder optimistischer

BaWü-Check  Beim BaWü-Check der baden-württembergischen Zeitungsverlage zeigt sich eine bessere Stimmung in der Bevölkerung. Die Minister der Landesregierung sind in der Bevölkerung kaum bekannt. Nur Ministerpräsident Winfried Kretschmann bildet eine Ausnahme.

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Die Bürger in Baden-Württemberg blicken wieder zuversichtlicher in die Zukunft als noch vor einigen Monaten. Das ist ein zentrales Ergebnis des aktuellen BaWü-Checks, den das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage durchgeführt hat. Demnach schauen 45 Prozent der Bevölkerung mit Hoffnungen auf die kommenden zwölf Monate. Mit Skepsis blicken 27 Prozent in die Zukunft, mit Befürchtungen 15 Prozent.

 

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Corona-Lockerungen machen sich bemerkbar

Verantwortlich für dieses Ergebnis sind den Forschern zufolge vor allem die mit den sinkenden Corona-Infektionszahlen verbundenen Lockerungen und der Fortschritt der Impfkampagne. Im Oktober 2020 waren lediglich 30 Prozent hoffnungsvoll gestimmt, während 33 Prozent skeptisch und 25 Prozent mit Befürchtungen nach vorne blickten. Für die repräsentative Umfrage befragte Allensbach von 30. Juni bis 7. Juli, also vor der Flutkatastrophe im Westen, 1021 Bürger ab 18 Jahre.

Bezahlbarer Wohnraum ist das wichtigste Thema

Das wichtigste Thema für die Bürger im Land ist derzeit bezahlbarer Wohnraum. 66 Prozent gaben an, dass dies die wichtigste Aufgabe für die neue Landesregierung sein sollte. Es folgen die Bekämpfung der Corona-Pandemie (58 Prozent), die Verbesserung der digitalen Ausstattung der Schulen (53 Prozent), die Bekämpfung von Kriminalität und der Schutz vor Verbrechen (52 Prozent) sowie die Förderung von Umwelt- und Klimaschutz (51 Prozent).

Weniger Wert legen die Befragten auf die finanzielle Förderung von Sport und Vereinen (21 Prozent) und auf die Unterstützung von Theatern, Museen und anderen kulturellen Einrichtungen (18 Prozent). Bemerkenswert für das Autoland Baden-Württemberg: Nur 16 Prozent der Bevölkerung sehen es als wichtige Aufgabe der Landesregierung an, die Autoindustrie dabei zu unterstützen, umweltfreundlichere Autos zu bauen. Die große Mehrheit ist der Meinung, dies sollte die Branche selbst erledigen - ohne staatliche Hilfe.

Schuldenbremse soll beibehalten werden

Zum heiß diskutierten Thema Schuldenbremse haben die Bürger eine klare Meinung. 61 Prozent sprechen sich dafür aus, die Schuldenbremse beizubehalten, nur 19 Prozent befürworten ihre Abschaffung. Bei der Beurteilung der neuen Landesregierung gehen die Meinungen auseinander. 35 Prozent finden die Fortsetzung der grün-schwarzen Regierung gut, 31 Prozent hätten lieber eine Ampel aus Grünen, SPD und FDP gehabt. Einem weiteren Drittel ist es egal.

Überhaupt fällt bei der Umfrage ein großes Desinteresse an der Landespolitik und den Personen auf. Zwar punktet Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit hohen Bekanntheitswerten - 92 Prozent der Befragten haben schon einmal von ihm gehört oder gelesen. Doch danach kommt lange nichts. Der Heilbronner Thomas Strobl (CDU), Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident, ist nur 58 Prozent der Bürger im Land ein Begriff. Es folgen Sozialminister Manne Lucha (Grüne) mit 42 Prozent und Verkehrsminister Winfried Herrmann (Grüne) mit 36 Prozent. Die neuen Ministerinnen Marion Gentges (CDU), Nicole Razavi (CDU) und Thekla Walker (Grüne) landen mit 7, 7 und 8 Prozent abgeschlagen auf den hinteren Plätzen.

Kaum Vertrauen in die versprochene Modernisierung der Verwaltung

Große Erwartungen haben die Bürger offenbar nicht an die neue Regierung. Dass der in der Corona-Pandemie viel kritisierte Sozialminister Manne Lucha weitermachen darf, ist 75 Prozent egal, 14 Prozent hätten sich hier einen Wechsel gewünscht. Nur 29 Prozent trauen der Landesregierung zu, die versprochene Modernisierung der Verwaltung hinzubekommen. 40 Prozent trauen ihr das nicht zu, 31 Prozent haben dazu keine Meinung.

Bürger haben sich noch kein gesichertes Urteil über die Landesregierung gebildet

"Viele Bürger haben sich noch kein gesichertes Urteil über die neue Landesregierung gebildet", lautet das Fazit der Forscher. Dies biete ihr die Chance, die Bürger bei ihrer Politik mitzunehmen. Zugleich stehe die Landespolitik vor der Herausforderung, "dass ihr anders als der Bundespolitik von weiten Teilen der Bevölkerung nur selten große Aufmerksamkeit entgegengebracht wird".

 

BaWü-Check

Der BaWü-Check ist eine gemeinsame Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, an der sich auch die Heilbronner Stimme beteiligt.

 

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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