BaWü-Check: Gemischtes Urteil über die Landesregierung

Region  Im BaWü-Check lobt die Mehrheit der Bürger in Baden-Württemberg das Krisenmanagement in der Corona-Pandemie, sieht aber auch Kritikpunkte. Mit Ausnahme von Ministerpräsident Winfried Kretschmann sind viele Landespolitiker in der Bevölkerung wenig bekannt.

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Abgeordnete sitzen im Plenarsaal: Das vergleichsweise geringe Interesse der Bürger an Landespolitik spiegelt sich im Bekanntheitsgrad der Politiker wider. Foto: Archiv/dpa

Die Baden-Württemberger stellen der grün-schwarzen Landesregierung mehrheitlich ein gutes Zeugnis aus, wenn es um die Bewertung des Krisenmanagements in der Corona-Pandemie geht. 54 Prozent der Befragten attestieren der Landesregierung hier gute oder sehr gute Arbeit, wie aus dem fünften und letzten BaWü-Check vor der Landtagswahl am 14. März hervorgeht. Dazu befragte das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der baden-württembergischen Zeitungsverlage Ende Februar 1002 Personen im Land.

Kritik an der Effizienz staatlichen Handelns in der Pandemie

Allerdings gibt es auch zahlreiche Kritikpunkte, insbesondere, was die Effizienz staatlichen Handelns in der Pandemie angeht. So sehen die Befragten Probleme beim Digitalunterricht an den Schulen (69 Prozent), bei der Auszahlung von Wirtschaftshilfen (68 Prozent) und bei der Vergabe von Impfterminen (65 Prozent). Viele Bürger im Südwesten vermissen zudem eine staatliche Anlaufstelle für Kritik und Anregungen zur Corona-Politik. 50 Prozent der Befragten gaben an, sich in dieser Situation ohnmächtig zu fühlen.

Gefragt nach der Gesamtbilanz der grün-schwarzen Landesregierung fällt das Urteil der Bürger deutlich schlechter aus als jenes für das Krisenmanagement. Nur 32 Prozent nennen die Arbeit der Landesregierung erfolgreich, 26 Prozent sehen sie als nicht erfolgreich an, und 42 Prozent zeigten sich unentschieden. Die aktivste Oppositionsarbeit bescheinigen die Befragten der SPD (25 Prozent), die AfD kommt auf elf Prozent und die FDP auf neun Prozent.

 

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Das vergleichsweise geringe Interesse der Bürger an Landespolitik spiegelt sich im Bekanntheitsgrad der Politiker wider. Hier liegt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) mit einer Bekanntheit von 92 Prozent weit vorn. Die CDU-Spitzenkandidatin und derzeitige Kultusministerin Susanne Eisenmann kennen dagegen nur 63 Prozent der Befragten. Es folgen Innenminister Thomas Strobl (CDU) mit 59 Prozent und Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) mit 39 Prozent. SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch ist nur 30 Prozent ein Begriff, noch unbekannter sind Hans-Ulrich Rülke (FDP) mit 22 Prozent und Bernd Gögel (AfD) mit zwölf Prozent.

Auch bei der Popularität der Landespolitiker gibt es große Unterschiede. Während von denjenigen, die Winfried Kretschmann kennen, 72 Prozent eine gute Meinung vom Ministerpräsidenten haben, sind es bei Thomas Strobl nur 46 und bei Susanne Eisenmann sogar nur 32 Prozent. Auch hier schneidet AfD-Kandidat Gögel mit 27 Prozent am schlechtesten ab.

Bekämpfung der Pandemie gilt Bürgern als wichtigste Aufgabe

Die Allensbacher Forscher fragten die Bürger auch danach, was ihnen an politischen Aufgaben für die Zukunft des Landes besonders wichtig ist. Hier liegt die Bekämpfung der Corona-Pandemie mit 67 Prozent an erster Stelle, gefolgt von der Forderung, genügend bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Auch die finanzielle Unterstützung der Wirtschaft in der Krise (64 Prozent), die bessere digitale Ausstattung der Schulen (58 Prozent), flächendeckend schnelles Internet (54 Prozent) und die Förderung von Umwelt- und Klimaschutz (52 Prozent) sind den Baden-Württembergern sehr wichtig. Dass das Thema Arbeitslosigkeit mit nur 36 Prozent weit hinten liegt, ist für die Demoskopen ein Indiz dafür, dass "die große Mehrheit der Bürger bisher wirtschaftlich von den ökonomischen Kollateralschäden der Krise nicht unmittelbar betroffen ist".

Tageszeitungen haben für viele einen hohen Stellenwert

Als Informationsquelle sind die regionalen Tageszeitungen für viele Bürger weiterhin unverzichtbar. So gaben 37 Prozent der Befragten an, täglich oder fast täglich eine regionale Tageszeitung zu lesen, weitere 29 Prozent tun dies ab und zu. Nur 13 Prozent lesen nie ein Regionalblatt. Diejenigen, die regelmäßig zur Zeitung greifen, stellen ihr weit überwiegend ein gutes Zeugnis aus. 74 Prozent bewerteten die Zeitung positiv, nur 17 Prozent äußerten sich kritisch. Generell ist festzustellen, dass ältere Menschen eher Zeitung lesen als jüngere. Zudem stellen die Forscher fest, dass sich das Informationsverhalten "entstetigt und Information immer stärker zufalls- und ereignisgetrieben erfolgt und wesentlich selektiver" ist als vor 10 oder 20 Jahren. 

BaWü-Check

Der BaWü-Check ist eine gemeinsame Umfrage der baden-württembergischen Tageszeitungen, an der sich auch die Heilbronner Stimme beteiligt.



Jürgen Paul

Jürgen Paul

Teamleiter Autorenteam Politik/Wirtschaft Regional

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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