Baden-Württemberg überschreitet Warnwert für Neuinfektionen

Stuttgart/Heilbronn (dpa/lsw)  Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Baden-Württemberg steigt immer weiter. Nun hat der Südwesten einen wichtigen Corona-Grenzwert landesweit gerissen. Nirgends in Baden-Württemberg liegt die Zahl der Neuinfektionen so hoch wie in Heilbronn.

Email
Manne Lucha sitzt bei einer Pressekonferenz.

In Baden-Württemberg ist der kritische Wert von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Tagen landesweit überschritten. Wie das Landesgesundheitsamt am Mittwoch in Stuttgart mitteilte, liegt der Wert für den Südwesten bei 53,4. «Die landesweiten Zahlen sind besorgniserregend. Wir sind mitten in der zweiten Welle. Jetzt kommt es darauf an sie schnell zu brechen. Diesen Kraftakt können wir nur gemeinsam schaffen», sagte Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne).

Die Landesregierung habe in den vergangenen Tagen die notwendigen Verordnungen erlassen und schärfere Maßnahmen ergriffen. «Aber das alleine reicht nicht. Alle Bürgerinnen und Bürger müssen jetzt Verantwortung übernehmen. Das heißt konkret: Kontakte mindestens um die Hälfte reduzieren, auf nicht notwendige Reisen verzichten und die Abstands- und Hygieneregeln konsequent einhalten.»

Laut dem Gesundheitsamt sind in Baden-Württemberg insgesamt 63 118 Menschen mit dem Coronavirus infiziert - 1438 mehr als am Vortag. Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen stieg dabei um 4 auf 1950. Als genesen gelten den Angaben zufolge 49 767 Menschen.

Am höchsten war der Wert im Südwesten weiterhin in Heilbronn: Er kletterte auf inzwischen 123,2. Am Dienstag lag der Wert noch bei 115,3. Während in und nach den Sommerferien viele Reiserückkehrer das Virus in die Stadt getragen hätten, spiele diese Gruppe zurzeit kaum mehr eine Rolle, sagte eine Sprecherin der Kommune. «Nach wie vor ist das Infektionsgeschehen in Heilbronn diffus», fügte sie am Mittwoch hinzu. Allerdings würden «zahlreiche familiäre Häufungen» auftreten. Eine Rolle dürften demnach auch Berufspendler spielen, die «die Infektion von Kommune zu Kommune weitertragen.»

Die Landesregierung hatte die Bürger im Südwesten eindringlich zur Vermeidung von Kontakten aufgerufen. Die Bürger müssten nun diszipliniert sein, sonst werde man auf einen Lockdown zurückgreifen müssen mit enormen Kollateralschäden, warnte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) am Dienstag in Stuttgart. Man habe nicht mehr viele Dinge im Köcher bis zu dieser großen Maßnahme, sagte er mit Blick auf Beschränkungen.

Zur Eindämmung der Pandemie gelten im ganzen Land seit Montag strengere Regeln. Dazu gehören eine erweiterte Maskenpflicht sowie verschärfte Kontaktbeschränkungen - und zwar unabhängig davon, ob die jeweilige Stadt oder der Landkreis die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb einer Woche überschreitet. Privat wie öffentlich dürfen sich nur noch maximal zehn Menschen treffen - es sei denn, sie leben in höchstens zwei unterschiedlichen Haushalten.


Kommentar hinzufügen