Baden-Württemberg startet doch nicht früher in die Weihnachtsferien

Stuttgart/Region  Eigentlich war der frühe Start in die Weihnachtsferien längst beschlossene Sache. Nun weicht Baden-Württemberg vom Bund-Länder-Beschluss ab. Die Präsenzpflicht für den Unterricht wird teilweise ausgesetzt.

Von Simon Gajer und dpa

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Die Weihnachtsferien in Baden-Württemberg starten trotz der Corona-Pandemie nun doch wie ursprünglich vorgesehen erst am 23. Dezember. Das teilte das Staatsministerium am Dienstag mit. Für die Klassen 1 bis 7 sei vorher regulärer Präsenzunterricht an den Schulen vor Ort vorgesehen. Die Präsenzpflicht sei für den Unterricht am 21. und 22. Dezember allerdings ausgesetzt. Eltern könnten ihre Kinder zuhause lassen, wenn sie die Tage vor Weihnachten für die Minimierung der Kontakte nutzen wollen. Schüler ab Klasse 8 sollen im Fernunterricht unterrichtet werden.

Auf diese Regelung habe er sich mit Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) geeinigt, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die Schulen, die an den letzten beiden Schultagen vor Weihnachten bewegliche Ferientage einsetzen, seien von der Regelung nicht betroffen.

 

Reaktionen aus Heilbronn

„Das ist lächerlich und peinlich“, sagt Christoph Eberlein, Vorsitzender des Heilbronner Elternbeirats. „Das ist Chaos hoch 70.“ Er kritisiert die Landespolitik. Man könne doch nicht erst sagen, dass die Ferien verlängert werden, und es dann doch alles lassen wie geplant. Eberlein erinnert an eine Bildungsdemo im Sommer: Damals hätte man gefordert, dass Eltern „Bildung mit Plan“ bräuchten. Das gelte immer noch.

Harald Schröder, Vertreter der Lehrergewerkschaft GEW in der Region, übt ebenfalls scharfe Kritik. Kultusministerin Susanne Eisenmann habe sich gegen den Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann durchgesetzt. „Ihr sturer Kopf hat sich durchgesetzt“, sagt er. Lehrer gingen schon jetzt am Stock. „Sie wären froh, hätten sie zwei Tage längere Ferien.“ Harald Schröder: „Ich bin sprachlos.“

Für Zarah Abendschön-Sawall, Sprecherin der Initiative „Familien in der Krise“, kommt die Kehrtwende nicht überraschend. Die Schwaigernerin verfolgt die Strategie Eisenmanns, und sie kann mit der „pragmatischen Herangehensweise“ leben. „Ich kann mit der Entscheidung mitgehen.“

In der praktischen Umsetzung dürfte es schwierig werden, dass die älteren Schüler per Homeschooling erreicht werden sollen. Darauf weist Marco Haaf hin, der die Direktoren in der Region vertritt. Von den Schulen aus per Videokonferenz die Kinder erreichen: Das werde an manchen Schulstandorten zu Uploadproblemen führen.

Kretschmann spricht von gutem Kompromiss

Kretschmann bezeichnete die Pläne als „guten Kompromiss“. Denn bei vorgezogenen Ferien habe man auch die Frage bedenken müssen, wer sich um die Kinder und Jugendlichen kümmere, die nicht von ihren Eltern betreut werden könnten, sagte Kretschmann. „Das ging nicht ohne Betreuung.“ Außerdem sei es wichtig, dass Menschen in wichtigen Berufen weiter arbeiten könnten.

Damit widerspricht Baden-Württemberg einer Vereinbarung zwischen Bund und Ländern, die die Regierungschefs vergangene Woche getroffen haben. Ministerpräsident Kretschmann hatte eigentlich bereits vor der Absprache mit seinen Länderkollegen für vorgezogene Weihnachtsferien plädiert. Damit Kontakte vermieden werden, sollten die Weihnachtsferien bereits am 19. Dezember starten.

Kultusministerin Eisenmann hatte sich zuvor gegen die Verlängerung der Weihnachtsferien gestemmt, weil sich das Problem der Betreuung nicht auflösen lasse. „Wir ziehen als Land Baden-Württemberg die Weihnachtsferien nicht vor“, sagte sie der „Schwäbischen Zeitung“. Aber man handle, um Schülerbewegungen und damit Kontakte zu reduzieren.

Wir haben unsere Leser nach ihrer Meinung zum Thema gefragt

An dieser Stelle wollten wir von unseren Lesern wissen, wie sie mit der Situation umgehen. Hier sind ihre Antworten:


Simon Gajer

Simon Gajer

Autor

Simon Gajer kam im Jahr 2000 erstmals zur Heilbronner Stimme. Nach seinem Volontariat und einem Jahr als freier Journalist in den USA ist er seit Herbst 2003 zurück in der Region: Zurzeit sucht er nach spannenden Themen im nördlichen Landkreis Heilbronn, vor allem aus den Städten Neckarsulm, Möckmühl und Neudenau.

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