Sorge zu groß: Kitas und Grundschulen bleiben wegen Corona zu

Stuttgart/Region  In Baden-Württemberg bleiben die Kitas und Grundschulen wegen der hohen Corona-Infektionszahlen weiter geschlossen. Hierbei gab es jedoch einen Konflikt zwischen Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) und Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU).

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Die Stühle in den Klassenzimmern der Südwest-Grundschulen bleiben weiter auf den Tischen stehen − mindestens noch bis noch bis Ende Januar.

Foto: dpa

Es war ein Konflikt auf offener Bühne: Schon kurz nachdem Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verkündete, dass die Kitas und Grundschulen im Südwesten wegen des nach wie vor starken Infektionsgeschehens weiter bis mindestens Ende Januar geschlossen bleiben sollen, ging CDU-Kultusministerin Susanne Eisenmann auf offener Bühne auf Distanz.

"Ich hätte mir eine differenziertere Entscheidung gewünscht", sagte Eisenmann, die nach der Landtagswahl im März dieses Jahres gerne als Regierungschefin Kretschmann beerben möchte. Doch zunächst gilt: Der Ober sticht den Unter. Und so machte Kretschmann von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch und entschied, dass Schulen und Kitas weiter nicht öffnen dürfen.

Zahlen weiter auf hohem Niveau

"Die Infektionen sind nach wie vor auf einem hohen Niveau", begründete Kretschmann seine Entscheidung. So sei der durchschnittliche Inzidenzwert pro Woche in den vergangenen sieben Tagen in den Stadt- und Landkreisen seit Anfang Januar wieder angestiegen. Hinzu kämen die Mutationen des Virus aus Großbritannien und Südafrika. "Hier wissen wir nicht, was noch auf uns zukommt", so der Grünen-Politiker. Gleichwohl sei ihm bewusst, welche Folgen dieser Beschluss habe: Kinder fehle es an Struktur, Alltag und an sozialen Kontakten - und vor allem für berufstätige Eltern bedeute die gleichzeitige Betreuung des Nachwuchses erheblichen Stress. "Trotzdem habe ich die Bitte an die Eltern, ihre Kinder zu Hause zu behalten", so Kretschmann.

Eisenmann kritisiert Kretschmann

Eisenmann hingegen trat wohl mit geballter Faust in der Tasche an das Rednerpult. Schon mit ihrem ersten Satz drückte sie ihre Verärgerung aus. "Der Ministerpräsident hat heute Morgen entschieden, Kindern keine Perspektiven über den Lockdown hinaus zu bieten", sagte die CDU-Politikerin zum Einstieg. Was würde passieren, wenn die Infektionszahlen in den nächsten Wochen nicht sinken würden? "Ich hatte vorgeschlagen, zunächst mit den Kitas und den ersten beiden Grundschulklassen zu beginnen", so Eisenmann. Danach hätten die Dritt- und Viertklässler in einem zweiten Schritt wieder mit dem Präsenzunterricht starten können. Doch leider sei diese Entscheidung "heute nicht möglich gewesen", drückte die Ministerin ihren Ärger erneut aus.

Kretschmann: Lockdown vermutlich noch länger

Kretschmann wiederum erklärte, er rechne generell damit, dass der Corona-Lockdown über den Januar hinaus gehen werde - und es auch noch zu Verschärfungen komme. "Wir müssen davon ausgehen, dass wir den Lockdown verlängern müssen", sagte der Grünen-Politiker. Wegen der angespannten Lage wolle er bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) darauf drängen, die für den 25. Januar geplante Videokonferenz von Bund und Ländern auf die nächste Woche vorzuziehen. Dort wolle er sich für "weitere schärfere Maßnahmen einsetzen". Dies sei nötig, weil bei den Infektionszahlen noch kein Abwärtstrend zu erkennen sei.

Kretschmann erklärte, man müsse vor allem den Kindern in der Krise eine Perspektive bieten. Zumindest bei dieser Aussage sagte Eisenmann, sie unterstütze diese. Allerdings wird im Kultusministerium auch auf die Situation in anderen Ländern verwiesen.

Situation in anderen Ländern

Und in der Tat gibt es Unterschiede: In Bremen zum Beispiel wird Schülern schon jetzt ab der ersten Klasse wieder die Teilnahme am Präsenzunterricht ermöglicht. Das Gleiche gilt für Mecklenburg-Vorpommern oder Hessen. Selbst Nordrhein-Westfalen lässt sich die Hintertüre offen, noch vor dem Ende des offiziellen Lockdowns in die Schulen zurückzukehren.

Während Grünen-Bildungsexpertin Sandra Boser den Schul- und Kita-Beschluss im Südwesten lobte, sah CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart Eisenmann nicht als beschädigt an - und äußerte sich eher zurückhaltend zu dem Vorgehen. Reinhart: "Wenn das so entschieden wurde, tragen wir das mit."

 

 


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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