Apotheker: Probleme bei Corona-Impfnachweis

Stuttgart  Der Südwest-Verband der Apotheker kritisiert, die Einführung des Corona-Impfnachwiese sei überstürzt. Er befürchtet, dass das Personal an seine Grenzen stößt. Zudem erklärt die grün-schwarze Landesregierung, sie wolle die Maskenpflicht lockern.

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Der gelbe Impfpass soll bald der Vergangenheit angehören. Ab sofort haben Bürger die Möglichkeit, Corona-Impfnachweise zunächst bei den Apotheken abzuholen. Mit den Nachweisen können anschließend digitale Ausweise erstellt werden.

Foto: dpa

In Baden-Württemberg werden seit diesem Montag Corona-Impfnachweise ausgestellt. Sie sind in den Impfzentren sowie in den Apotheken erhältlich. Wer beide Impfungen in einem der Impfzentren verabreicht bekommen hatte, erhält den Nachweis nach Angaben eines Sprechers der Stuttgarter Sozialministeriums in den nächsten Wochen per Post zugeschickt. Wer beim Hausarzt geimpft worden ist, muss sich hingegen zunächst an eine Apotheke wenden.

Ansturm wird befürchtet

Für die Apotheken im Südwesten ist der organisatorische Aufwand groß - es wird in den nächsten Tagen ein Ansturm erwartet. "Das Angebot wird es jedoch zunächst nicht überall geben. Am Start wird der Impfnachweis vermutlich nur in jeder zweiten oder dritten Apotheke erhältlich sein", erklärt Franck Eickmann, Sprecher des Landespothekerverbands.

 

Im Südwesten gibt es insgesamt rund 2500 Apotheken. Eickmann kritisiert, dass die Apotheken vor Ort erst am vergangenen Freitag über das Verfahren bei der Ausstellung des Impfnachweises informiert worden seien.

Verband: Information zu spät

"Das war wieder sehr spät. Wir können die Eile nicht nachvollziehen", so Eickmann. Für die Apotheken bestehe jetzt zusätzlicher Personalbedarf. Dieser müsse erst organisiert werden. Zudem gebe es mancherorts auch technische Probleme. Daher appelliert der Verband an die Bürger, nicht gleich an den ersten Tagen den Impfnachweis in der Apotheke abzuholen. Der gelbe Impfpass gelte schließlich weiterhin uneingeschränkt, heißt es auch im Sozialministerium. Deswegen bestehe hier kein Zeitdruck.

Generell können Menschen sich für jede Corona-Impfung in den Südwest-Apotheken einen Nachweis ausstellen lassen. "Sie erhalten für jede Impfung ein Zertifikat", erklärt Eickmann. Den Nachweis über die Erstimpfung sei zum Beispiel für Menschen sinnvoll, die einen Urlaub in Österreich planen würden. Dort gebe es bereits mit einer Impfung Erleichterungen - im Gegensatz zu Deutschland.

Forderung der SPD

Wer sich einen Corona-Impfnachweis holt, erhält ein Zertifikat mit einem QR-Code. Mit diesem kann dann mit dem Smartphone über die Covpass-App oder die Corona-Warn-App der Nachweis eingelesen und gespeichert werden. Auch der Ausdruck alleine ist als Nachweis gültig. "Sozialminister Lucha muss sicherstellen, dass der Versand der Impfnachweise des Landes unkompliziert und zügig erfolgt", fordert der SPD-Landtagsabgeordnete Jonas Weber.

Der Impfnachweis ist generell kostenlos. Die Apotheken erhalten die Kosten vom Bund ersetzt. Für den Postweg der Südwest-Impfzentren hat das Land einen Dienstleister beauftragt.

Maskenpflicht soll gelockert werden

Derweil ist auch in Baden-Württemberg mit Blick auf die sinkenden Corona-Infektionszahlen eine Debatte über die Lockerung der Maskenpflicht entbrannt. Regierungssprecher Arne Braun bestätigte gegenüber der Heilbronner Stimme, dass die grün-schwarze Landesregierung die Maskenpflicht lockern und dazu innerhalb der nächsten 14 Tage die Corona-Verordnung überarbeiten wolle. Laut Braun ist eine neue Systematisierung geplant. So solle bei der Maskenpflicht etwa zwischen Innenräumen und Außenbereichen unterschieden werden. Weitere Themen seien die Maskenpflicht im ÖPNV und in den Schulen, so Braun weiter. Über Details müsse jedoch in der grün-schwarzen Koalition erst noch verhandelt werden.

Kritik von Opposition

Die Opposition im Landtag macht derweil Druck. "Ich fordere die Landesregierung auf, endlich deutliche Öffnungsschritte zurück zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung zu gehen", erklärt FDP-Gesundheitspolitiker Jochen Haußmann. AfD-Politiker Rainer Balzer fordert derweil die Aufhebung der Maskenpflicht an Schulen.

Skepsis bei CDU

In der CDU besteht noch Skepsis, ob solche Öffnungsschritte schon jetzt sinnvoll sind. "Wir dürfen keinesfalls den Eindruck erwecken, dass die Pandemie vorbei ist", sagt Fraktionschef Manuel Hagel. Er macht sich für ein vorsichtiges Vorgehen stark. Bei niedrigen Inzidenzen seien Öffnungen erst draußen, dann drinnen möglich.


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Michael Schwarz

Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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