Aktivistin al-Hathlul bekommt Bertha-und-Carl-Benz-Preis

Mannheim/Riad (dpa/lsw)  Die in Saudi-Arabien inhaftierte Frauenrechtsaktivistin Ludschain al-Hathlul ist mit dem Bertha-und-Carl-Benz-Preis der Stadt Mannheim ausgezeichnet worden. Das bestätigte ein Stadtsprecher am Sonntag. «Ludschain Al-Hathlul hat maßgeblich dazu beigetragen, dass saudische Frauen seit Juni 2018 einen Führerschein beantragen und Autofahren dürfen», hieß es in der Erklärung der Jury. Das habe Frauen zahlreiche neue Perspektiven eröffnet.

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Al-Hathlul hatte sich in der Vergangenheit für das Ende des Frauenfahrverbots in dem islamisch-konservativen Königreich eingesetzt und sich trotz geltender Verbote hinters Steuer gesetzt. Saudische Sicherheitskräfte hatten die Aktivistin im Mai 2018 festgenommen. Die genauen Vorwürfe gegen sie sind unklar.

«Sie hat sich in außergewöhnlicher Weise für Werte eingesetzt, die für die Stadt Mannheim in ihrem Selbstverständnis als weltoffene Stadt, in der alle unabhängig von Herkunft, Religion und Geschlecht am gesellschaftlichen Leben teilhaben sollen, von besonderer Bedeutung sind», sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD) im Vorfeld der Auszeichnung.

Kurz übergab den Preis am Sonntag an Ludschain Al-Hathluls Schwestern, die aus Brüssel zugeschaltet wurde. Die Laudatio hielt die Fernsehjournalistin Dunja Hayali.

Der Bertha-und-Carl-Benz-Preis wird alle zwei Jahre verliehen und soll an die Leistung des Ehepaars Benz erinnern. Er ist mit 10 000 Euro dotiert. Bertha Benz gilt als Automobil-Pionierin: Im August 1888 unternahm sie die erste Fernfahrt mit dem damals neuen Fortbewegungsmittel. Ganze zwölf Stunden brauchte sie für die 106 Kilometer lange Strecke von Mannheim nach Pforzheim. Damit verhalf sie nicht nur ihrem Mann Carl Benz zum Durchbruch, sondern auch dem Automobil.


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