Zum siebten Mal 2018 - Neuer Feinstaubalarm in Stuttgart

Stuttgart  Wegen des sonnigen Wetters am Wochenende herrscht in Stuttgart erneut Feinstaubalarm. Es fehlt unter anderem Regen, der die Luft reinwäscht. Wenn die Sonne im Sommer aber wieder intensiver und länger scheint, kann auch sie dem Feinstaub den Garaus machen.

Von Fabian Albrecht, dpa

Feinstaubalarm
In Stuttgart kam es in letzter Zeit immer öfter zu einem Feinstaubalarm. Foto: Sina Schuldt/Archiv

 In Stuttgart gilt zum siebten Mal in diesem Jahr Feinstaubalarm. Seit Freitagabend herrscht bereits ein Betriebsverbot für Kamine, die nur aus Gemütlichkeit betrieben werden. Seit diesem Samstag um Mitternacht sind zudem Autofahrer aufgerufen, ihren Wagen stehen lassen.

Da die Luft von der schwachen Sonnenstrahlung an der Erdoberfläche nicht ausreichend aufgeheizt wird, findet außerdem kaum ein Austausch zwischen den verschmutzten Luftschichten am Boden und der wärmeren und daher höher liegenden Frischluft statt. Schadstoffe wie Feinstaub können dann nicht abziehen und sammeln sich am Boden.

Warum die Luft im Sommer besser ist

Feinstaubalarm wird in Stuttgart seit Anfang 2016 immer von Mitte Oktober bis Mitte April ausgelöst. Aber warum gerade dann?

Das hat mehrere Gründe: Einer davon ist, dass im Winter mehr geheizt und Auto gefahren und dadurch die Luft verschmutzt wird. Ein weiterer Grund ist dem Deutschen Wetterdienst (DWD) zufolge der geringe Luftaustausch im Winter durch sogenannte Inversionswetterlagen. Die höheren Luftschichten sind dabei demnach wärmer als die unteren. Da warme Luft leichter ist als kalte, bleibt die schmutzige kalte Luft am Boden und die sauberere warme in den höheren Schichten der Atmosphäre. Der Stuttgarter Kessel verstärkt diesen Effekt zusätzlich.

In Inversionswetterlagen kann Feinstaub nur durch Niederschläge abtransportiert werden. Da es bei „schönem Wetter“ nicht regnet, wird es bei Inversionswetterlagen oft als Grund für den Feinstaubalarm angegeben. Wenn die Sonne im Sommer dann aber intensiver und länger scheint, erwärmt sie die Erdoberfläche und damit auch die Luft am Boden. Die aufgeheizte Luft wird dadurch wärmer als die höher gelegene Luft, so dass sie aufsteigt und frische, kalte Luft aus der Atmosphäre absinkt. Dadurch zirkuliert die Luft und kann Abgase und die leichten Feinstaubpartikel abtransportieren.

Geringere Belastung auch durch chemische Reaktion

Darüber hinaus, erklärt Luftchemiker Stefan Gilge vom DWD, ist im Sommer auch die Belastung durch Stickoxide deutlich geringer als im Winter. Grund dafür ist neben dem höheren Luftaustausch eine chemische Reaktion. Verschiedene Stoffe in der Atmosphäre, etwa Ozon, reagieren dabei mit Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) über mehrere Schritte zu Salpetersäure. Die wird dann, zum Beispiel durch Regen, aus der Atmosphäre entfernt.

Da zum Beispiel Ozon mit Hilfe von Sonnenlicht gebildet wird, ist die Konzentration von Ozon im Sommer, wenn die Sonne länger und intensiver scheint, deutlich höher als im Winter. Dadurch können dann auch mehr Stickoxide abgebaut werden. „Im Winter kann die Belastung mit NO2 bis zu viermal so hoch sein wie im Sommer“, sagte Gilge. Zwar sei eine zu hohe Ozonbelastung auch nicht gesund. „Aber bei der Ozon-Problematik ist man schon besser vorangekommen, als beim Stickoxidproblem“, sagte der Chemiker.