Warum 2018 mehr Straftäter im Land verurteilt wurden

Stuttgart  Die Statistik zur Strafverfolgung zeigt im Jahr 2018 eine Auffälligkeit: In Baden-Württemberg wurden deutlich mehr Straftäter verurteilt als in den Jahren zuvor. Woran liegt das?

Von Peter Reinhardt
Mehr Straftäter verurteilt
150 neue Richter und Staatsanwälte haben laut Justizminister Guido Wolf zu mehr Verurteilungen beigetragen. Foto: dpa

Seit zehn Jahren steigt der Anteil der Nichtdeutschen unter den von Gerichten verurteilten Straftätern. Im vergangenen Jahr hatten 41,2 Prozent der in Baden-Württemberg Verurteilten keinen deutschen Pass. 2008 hatte diese Quote mit 25,1 Prozent ihren tiefsten Stand der vergangenen 20 Jahre erreicht. "Zu berücksichtigen ist dabei, dass unter den Zuwanderern der Anteil junger Männer überdurchschnittlich hoch ist", sagt Justizminister Guido Wolf (CDU). Auch die jungen Deutschen würden "bei Straftaten überproportional in Erscheinung treten".

In der Statistik gibt es im Jahr 2018 eine Auffälligkeit

Bei der Bewertung des hohen Anteils von Ausländern verweist Carmina Brenner, die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, auf Straftaten, die Deutsche gar nicht begehen können. Die Urteile wegen Verstößen gegen das Ausländergesetz sind um ein Drittel auf 1500 gestiegen. Außerdem gehen in die amtliche Statistik auch die Schuldsprüche gegen Kriminelle ein, die zum Beispiel eigens für ihre Raubzüge einreisen.

In der Strafverfolgungsstatistik hat es 2018 eine Trendwende gegeben: Erstmals seit 14 Jahren zeigt sich mit einer Zunahme der Verurteilten um 4,1 Prozent auf 104.800 ein deutlicher Anstieg. Wolf spricht von einem "signifikanten Unterschied im Vergleich der vergangenen Jahre". Allerdings liegt die Zahl der verurteilten Straftäter deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. 2008 verhängten die Gerichte im Südwesten noch Urteile gegen 117.800 Menschen. 1998 waren es sogar 124.000.

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Mehr Richter und Staatsanwälte - mehr Verurteilungen

Wolf geht davon aus, dass in der amtlichen Statistik die Einstellung von 150 Richtern und Staatsanwälten Wirkung gezeigt hat: "Sicherlich hat das zum Anstieg der Verurteilungen im Jahr 2018 beigetragen." In großen Straftatengruppen würden erfahrungsgemäß mehr Kontrollen zu mehr gerichtlichen Verfahren führen. Als Beispiel nennt er den Anstieg der Drogendelikte um 7,7 Prozent auf 9900 Verurteilungen. Ähnliches gelte für Schwarzfahrer, die als Betrug und Untreue mit einem Plus von 7,5 Prozent in die Statistik eingehen.

Die meisten Verurteilungen gibt es regelmäßig für Vergehen im Straßenverkehr. Im vergangenen Jahr ist die Zahl um 7,5 Prozent auf 25.100 gestiegen. Bei mehr als zwei Fünftel der Fälle ging es um Trunkenheitsfahrten. Wobei hier Männer in den allergrößten Teil der Verurteilten stellen. "Saufen und Fahren scheint ein Männerproblem zu sein", fasste Chefstatistikerin Brenner die Zahlen zusammen.

Kleinkriminalität soll laut Wolf nicht bagatellisiert werden

Brenner weist darauf hin, dass die Zahl der Gerichtsverfahren durch viele Faktoren beeinflusst wird: Dies könnten Änderungen im Anzeigeverhalten sein, besondere Erfolge der Ermittler, Kriminalprävention, neue gesetzliche Vorgaben und der Wandel in der Sanktionierungspraxis sein. "Es ist wichtig, dass der vorgegebene Strafrahmen auch ausgeschöpft wird", betont Wolf. Forderungen aus den Reihen des Koalitionspartners Grüne nach Straffreiheit für Schwarzfahrer erteilt er eine glatte Abfuhr: "Es wäre eine Bankrotterklärung, wenn der Rechtsstaat Kleinkriminalität bagatellisieren würde."

Nur unterdurchschnittlich stieg die Zahl der verurteilten Gewalttäter um zwei Prozent auf 3760. Darunter wurden wegen Mord und Totschlag 108 Täter verurteilt (plus 20 Prozent. Wegen Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigungen ergingen 121 Urteile (plus zwölf Prozent). Um gut zehn Prozent ging dagegen die Zahl beim sexuellen Missbrauch von Kindern auf 195 zurück. Diesen Deliktbereich dominieren die Fälle schwerer Körperverletzung, die mit 2760 Verurteilten allerdings exakt auf Vorjahresniveau verharrten.

 

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