Grüne wollen Karlsruher Straßenbahnprojekt stoppen

Stuttgart/Karlsruhe (dpa/lsw)  Stuttgart/Karlsruhe - Die Grünen im Landtag wollen den fast 600 Millionen Euro teuren Umbau des Karlsruher Straßenbahnnetzes noch verhindern. Die sogenannte Kombilösung, nach der zwei Hauptstraßen für Auto- und Straßenbahnen untertunnelt werden sollen, sei angesichts klammer Haushalte nicht mehr zeitgemäß.


Stuttgart/Karlsruhe - Die Grünen im Landtag wollen den fast 600 Millionen Euro teuren Umbau des Karlsruher Straßenbahnnetzes noch verhindern. Die sogenannte Kombilösung, nach der zwei Hauptstraßen für Auto- und Straßenbahnen untertunnelt werden sollen, sei angesichts klammer Haushalte nicht mehr zeitgemäß. „Jetzt ist das Zeitfenster da, um das Vorhaben noch zu stoppen“, sagte die Karlsruher Landtagsabgeordnete Gisela Splett (Grüne) am Dienstag in Stuttgart mit Blick auf den offiziellen Baubeginn im Januar 2010. Kritik kam von Innenminister Heribert Rech (CDU). „Die Grünen gerieren sich immer mehr als Totengräber einer zukunftsweisenden und umweltschonenden Verkehrspolitik“, sagte er.

Das Land dürfe nicht 100 Millionen Euro in Karlsruhe verbuddeln, die an anderer Stelle gebraucht würden, ergänzte Spletts Landtagskollege Werner Wölfle mit Blick auf den Finanzierungsanteil Baden-Württembergs. Ein Ausbau des Nahverkehrs in Ulm, Heilbronn oder Freiburg sei dringender. Das Karlsruher Projekt hingegen sei eine „schlecht gemeinte und schlecht gemachte Kompensation für Stuttgart 21“, sagte Wölfle. Auch das umstrittene Milliardenprojekt in Stuttgart, bei dem der Bahnhof unter die Erde verlegt werden soll, wird von den Grünen abgelehnt.

Splett forderte die Landesregierung auf, eine erneute Nutzen- Kosten-Untersuchung für das Projekt zu erstellen, die auf aktuellen Kostenschätzungen basieren müsse. Die Grünen befürchten, dass die Stadt allein auf einem Großteil der Kosten sitzenbleibt. Der Bund hatte sich vorbehalten, die zugesagten 300 Millionen Euro bei erheblichen Kostensteigerungen zurückzuziehen.

Seit mehr als einem Jahrzehnt wird in Karlsruhe über die Pläne gestritten, den Schienenverkehr von der Haupteinkaufsstraße in den Untergrund zu verlegen, um damit einen „Verkehrsinfarkt“ in der Innenstadt zu verhindern. 1996 hatte es bereits einen Bürgerentscheid gegen das Projekt gegeben, 2002 einen dafür. Der Stadtbahntunnel soll nach aktuellem Plan 2016 fertiggestellt sein, die viel befahrene Kriegsstraße soll bis 2019 untertunnelt sein. Derzeit laufen erste Vorarbeiten des Bauprojekts.

(Internet: http://bit.ly/ustrab