Verein will das Surfen auf dem Neckar in Stuttgart ermöglichen

Stuttgart  Wellenreiten auf dem Neckar in Stuttgart: Surfer finden die Idee bestechend, die Stadt hat erhebliche Bedenken wegen der Wasserqualität. Gut möglich, dass die Sache bald Wellen bis vor Gericht schlägt. In Pforzheim geht es derweil mit dem Surfer-Projekt voran.

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Surfen im Neckar: Verein lässt nicht locker

So soll die Surferwelle am Neckar bei Stuttgart-Untertürkheim einmal aussehen.

Darstellung: Neckarwelle e.V.

"Das muss möglich sein", gibt sich Volker Sellmeier zuversichtlich. Er ist Vorsitzender des Vereins Neckarwelle, der einen Seitenarm des Neckars bei Stuttgart-Untertürkheim zum Surfer-Paradies machen will.

Durch Einbau einer technischen Konstruktion könnten Bretterfans hier auf einer 18 Meter breiten künstlichen Woge ihre Kunststücke vollführen. Die Idee ist populär. Als die Stuttgarter jüngst beim Bürgerhaushalt Projekte nennen sollten, die ihnen besonders am Herzen liegen, landete die Neckarwelle auf Platz eins - noch vor Schulsanierungen und der Verbesserung der Kinderbetreuung.

Proben zeigen Keimbelastung des Flusswassers

Bei der Stadt ist die Welle eher unten durch. "Wir sehen aktuell leider keine Chance für die Genehmigung der Neckarwelle in Stuttgart", heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion aus dem Rathaus. Das Landesgesundheitsamt hatte im Neckar Proben gezogen. Fazit: Die nach der Badewasserverordnung zulässigen Werte für Colibakterien und Enterokokken sind teils deutlich überschritten.

Die Keime können Darmerkrankungen oder Harnwegsinfekte auslösen. Die Stadt fürchtet das Haftungsrisiko, sollte ein Surfer erkranken, nachdem er Wasser geschluckt hat.

Verein setzt auf Vorsichtsmaßnahmen

Volker Sellmeier vom Verein Neckarwelle kritisiert: "Da wird mit zweierlei Maß gemessen." Bei Triathlon-Veranstaltungen "gehen Tausende im Neckar baden", die Teilnehmer lasse man vorher unterschreiben, dass sie auf eigene Verantwortung in den Fluss hüpfen. Auch hätten die Messwerte in vielen Fällen unter den Grenzen gelegen, so Sellmeier, der auch auf besondere Vorkehrungen setzt: "Die Surfer tragen Nasenklammern, wir wollen Frischwasserduschen bauen."

Auch sei die Nutzung Vereinsmitgliedern vorbehalten, also fitten Sportlern, die keiner Risikogruppe angehörten. Aus dem Rathaus heißt es dazu: "Die Stadt wäre verantwortlich für gesundheitliche Schäden, die durch diese Keime bei Nutzern der Neckarwelle entstehen." Die Haftung könne man auch nicht an Dritte weiterreichen.

Verein will notfalls klagen

Der Verein will im Herbst die sogenannte wasserrechtliche Genehmigung beim Stuttgarter Umweltamt beantragen. Selbst bei einer Ablehnung, "hätten wir einen offiziellen Bescheid und könnten klagen", zeigt sich Sellmeier entschlossen, vor Gericht zu ziehen. Die Surfer sind zuversichtlich, dass sie die veranschlagten 4,5 Millionen Euro für den Bau auftreiben könnten - nicht zuletzt durch Zuschüsse der Stadt.

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat sich auf die Fahnen geschrieben, den in Stuttgart meist trist als Industriekanal dahinfließenden Neckar erlebbar zu machen. Für Sellmeier und seine Mitstreiter passt die Welle da gut ins Konzept.

Blackforestwave in Pforzheim kommt voran

Deutlich weiter sind die Surfer in Pforzheim. Die Bauarbeiten für die künstliche Welle in einem Kanal nahe der Nagold laufen und sollten eigentlich schon abgeschlossen sein. Der Verein Blackforestwave und seine Unterstützer haben zuletzt umgeplant - wegen des großen Interesses, wie es heißt. Die Konstruktion im Kanal soll so umgebaut werden, dass sie mehr Surftage im Jahr ermöglicht. Aktuelle Wasserstandsmeldungen zum Projekt gibt es auf Nachfrage nicht. Auf der Facebook-Seite war zuletzt zu lesen: "Wir rechnen also fest damit, noch in diesem Jahr den Einbau der Holzkonstruktion vornehmen zu können."

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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