Unlautere Motive bei Kretschmann?

Stuttgart  Die SPD kritisiert, dass der Sohn von Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) in die Dialektinitiative der Landesregierung eingebunden ist. SPD-Fraktionsvize Sascha Binder kritisiert, Kretschmann würde seinem Sohn, der Sprachwissenschaftler ist, hier eine berufliche Plattform bieten.

Von Michael Schwarz
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (links, Grüne) und sein Sohn Johannes. Fotos: dpa

 

Die SPD im Stuttgarter Landtag wirft Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) vor, seinen Sohn Johannes Aufträge der Landesregierung zukommen zu lassen, damit dieser sich als Sprachwissenschaftler profilieren kann.

Unentgeltliche Tätigkeit von Johannes Kretschmann

In der Antwort auf eine Landtagsanfrage von SPD-Fraktionsvize Sascha Binder, die der "Heilbronner Stimme" vorliegt, erklärt Staatsministerin Theresa Schopper (Grüne), Johannes Kretschmann berate das Staatsministerium "im Rahmen einer Expertengruppe Dialekt zu den laufenden Maßnahmen der Dialektinitiative der Landesregierung". Die Tätigkeit sei unentgeltlich, stellt Schopper klar. Zu einer Expertenrunde am 28. Juni 2018 seien ihm lediglich die Reisekosten erstattet worden.

Moderation bei Dialekt-Veranstaltung

"Bei der Dialekttagung am 7. Dezember 2018 in Stuttgart moderierte Herr Johannes Kretschmann einen Thementisch. Auch hierfür erhielt er kein Honorar", nennt Schopper in der Antwort auf die Anfrage einen zweiten Termin, an dem Johannes Kretschmann in die Dialektinitiative involviert gewesen sei. Die Tagung der Landesregierung zur Gegenwart und Zukunft der baden-württembergischen Dialekte fand im Neuen Schloss in Stuttgart statt. Teilgenommen hatten Wissenschaftler, Künstler, Lehrer, Politiker - und auch Personen aus der Bürgerschaft.

Binder sieht Plattform für Profilierung

Binder kritisiert das Vorgehen des grünen Ministerpräsidenten. "Die Antwort auf meine kleine Anfrage bestätigt, dass Ministerpräsident Winfried Kretschmann seinem Sohn Johannes Kretschmann im vergangenen Jahr im Rahmen der Dialektinitiative der Landesregierung zweimal eine sehr prominente Plattform geboten hat, um sich als Sprachwissenschaftler profilieren zu können. Auch wenn seine Mitwirkung hier kostenlos - um nicht zu sagen umsonst - war, wurden ihm Chancen für das Netzwerken in eigener Sache geboten", erklärt Binder gegenüber der "Heilbronner Stimme".

Laut Binder solle gerade ein Ministerpräsident bei solchen Themen über jeden Verdacht erhaben sein. "Ob das plötzliche Interesse des Ministerpräsidenten am Dialekt tatsächlich der Identität des Landes dient oder lediglich familiär motiviert war, bleibt das Geheimnis des Ministerpräsidenten", sagt der Generalsekretär der Südwest-SPD.

Kontakte zu Johannes Kretschmann

Schopper erklärt in der Antwort auf die Anfrage außerdem, das Staatsministerium sei in den vergangenen acht Jahren bei fünf Reden im Austausch mit Johannes Kretschmann gestanden - darunter vier Fastnachts- und eine Dialektrede. "Auch dafür erhielt Herr Johannes Kretschmann kein Entgelt", so die Staatsministerin weiter. Dass es zu weiteren Einbindungen Kretschmanns Sohn gekommen sei, könne sie nicht bestätigen. "Gegebenenfalls bestehende Beziehungen anderer Stellen der Landesverwaltung mit Herrn Johannes Kretschmann seien dem Staatsministerium jedoch nicht bekannt", so Schopper.

Neue Werbekampagne des Landes

In der Landtagsanfrage hakt Binder beim Staatsministerium nicht nur wegen der Rolle von Kretschmanns Sohn in der Dialektinitiative nach, sondern er möchte auch wissen, wann der angekündigte englische Werbeslogan für Baden-Württemberg kommen soll. Winfried Kretschmann hatte kürzlich erklärt, einen neuen internationalen Slogan zu suchen. Dieser solle den bekannte Werbespruch "Wir können alles. Außer Hochdeutsch." künftig ergänzen.

Binder stellt in der Anfrage eine Reihe von Fragen: Welche Agentur entwirft den englischen Slogan? Welche Kosten fallen an? Schopper kann dazu keine genaueren Angaben machen. Binder bilanziert: "Mit Blick auf die Antworten auf meine Fragen nehmen wir zur Kenntnis, dass der Ministerpräsident nicht nur bei wichtigen politischen Fragen lediglich heiße Luft verbreitet, sondern auch bei einfachen Dingen wie bei einer Imagekampagne Luftschlösser baut."

 

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