Tonnenschwere Fracht erreicht ohne Polizei ihr Ziel

Region  Ein privates Unternehmen hat erstmals im Land einen Schwertransport abgesichert. Die Beteiligten ziehen eine positive Bilanz.

Von Jürgen Kümmerle
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Tonnenschwere Fracht erreicht ohne Polizei ihr Ziel

Ein Schwertransport schiebt sich am frühen Freitagmorgen durch Gerichtstetten. Angeführt wird er von einem privaten Unternehmen.

Foto: Jürgen Kümmerle

Premiere gelungen. In der Nacht auf Freitag rollte der erste überbreite Schwertransport ohne Polizeibegleitung durch Baden-Württemberg. Der Logistikexperte Setreo aus Oberkirch bei Offenburg sicherte den 4,99 Meter breiten und rund 110 Tonnen schweren Tieflader auf der Strecke zwischen Mannheim und dem Windpark in Gerichtstetten im Main-Tauber-Kreis ab. Die Fracht: ein Turmstück einer Windkraftanlage. "Das läuft einwandfrei. Mit der Firma kann man gut zusammenarbeiten", sagte Bernhard Döpfner vom Führungs- und Einsatzstab des Polizeipräsidiums Heilbronn. In deren Zuständigkeitsbereich fiel das Pilotprojekt.

Seit Jahren kämpft die Polizei für eine Entlastung. Schwertransporte zu begleiten, bindet Personal. Nach Angaben von Frank Belz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, sicherten die Beamten in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr insgesamt 12.011 Schwertransporte und waren dafür 54.139 Stunden im Einsatz. 44.722 Polizisten schoben Dienst. Durch die Übernahme privater Unternehmen könne sich die Polizei vermehrt um ihre ureigenen Aufgaben kümmern, wie die Kriminalitätsbekämpfung.

Matthias Klattig ist Betriebsleiter bei Setreo. Mit Begleitfahrzeugen sicherten seine Mitarbeiter die Straßen zwischen der A-81-Anschlussstelle Ahorn und dem Windpark in Gerichtstetten ab. "Wir haben im Vorfeld den Ablauf der Strecke und die Positionierung der Fahrzeuge geplant", sagte Klattig. Lasertechnik sei bei der Erfassung der unkomplizierten Route zum Einsatz gekommen. "Es ist zwar eine dunkle Strecke. Wir haben dafür aber wenig Verkehr." Die Begleitfahrzeuge warnten Autos und Lkw und blockten sie, bis der Frachtzug vorbeigefahren war. Am Ende des Tiefladers mit dem Turmstück riegelte ein weiteres Begleitfahrzeug den auffahrenden Verkehr ab.

"Polizei und Industrie sind uns sehr dankbar", sagte Klattig. In der Vergangenheit sei es immer wieder zu Verzögerungen gekommen. Eine Erklärung lieferte Polizeisprecher Frank Belz: "Bei einem Notfall mussten begleitende Streifen abgezogen werden." Im ungünstigen Fall blieb der Schwertransport dann bis zur nächsten Nacht stehen.

 


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