Theodor Heuss war ein Heilbronner Weltbürger

Stuttgart/Heilbronn  Vor 70 Jahren wurde Theodor Heuss erster Bundespräsident. Seiner Heimatregion blieb er immer verbunden. Über Heilbronn sagte Heuss einmal, sie habe ihm "Demokratie als Lebensform" gegeben. Frank-Walter Steinmeier würdigte die Verdienste bei einer Feier in Stuttgart.

Von Kilian Krauth und dpa

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht Theodor-Heuss-Ha
Zum 70. Jahrestag der Wahl von Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten würdigte Frank-Walter Steinmeier dessen Verdienste bei einer Feier in Stuttgart. Fotos: dpa

Er gilt bis heute als einer der populärsten Bundespräsidenten. Fast schon liebevoll wurde er wegen seiner volkstümlichen Art "Papa Heuss" genannt. Vor 70 Jahren wurde Theodor Heuss (1884-1963) zum ersten deutschen Bundespräsidenten gewählt.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Verdienste des ersten Staatsoberhaupts in den Aufbaujahren Deutschlands gewürdigt. Heuss habe seine ganze Kraft eingesetzt, um die Deutschen an die neuen demokratischen Zustände zu gewöhnen, ihnen eine zivile Liberalität vorzuleben und ihnen in Reden zu erklären, welche Aufgaben und Möglichkeiten ihnen dieses neue und freie, demokratische und soziale Gemeinwesen biete, sagte Steinmeier am Donnerstag in Stuttgart bei einer Feierstunde.

Der Heilbronner Theodor Heuss war bekannt für seine Menschlichkeit und seinen Humor

Steinmeier sprach beim Festakt im Stuttgarter Rathaus. "Nach dem Krieg und nach dem Holocaust an die besten kulturellen und geistigen Traditionen Deutschlands wieder anzuknöpfen, das sah er als eine seine wichtigsten Aufgaben an."

Heuss war von 1949 bis 1959 Staatsoberhaupt. Der FDP-Politiker verlieh dem Amt Profil und dem neuen Staat Ansehen im Ausland. Bekannt war er für seine Menschlichkeit und seinen Humor. Bei seiner Wiederwahl 1954 errang er 88,2 Prozent der Stimmen. Es ist das bisher beste Ergebnis in einer Bundesversammlung.

Dass er es so weit brachte, schreibt Heuss auch der Sozialisation in seiner Heimatstadt zu. "Was Heilbronn mir gegeben hat? Demokratie als Lebensform. Das ist das Erbe dieser Stadt." Als Familie Heuss 1890 mit dem Sechsjährigen von Brackenheim in die aufstrebende Handels- und Industriestadt zieht, herrscht dort ein Geist des Aufbruchs und der Liberalität.

Den Wahlkreis Heilbronn eroberte Heuss nicht zurück

Heuss ist ein Multitalent, wissbegierig, selbstbewusst, lebenslustig. Das Studium der Nationalökonomie führt ihn über München nach Berlin, wo er im Kreis seines Mentors Friedrich Naumann Elly Knapp kennenlernt, seine spätere Frau. 1912 beauftragt ihn Naumann, mit dem ihn liberales und soziales Gedankengut verbindet, den Wahlkreis Heilbronn zurückzuerobern − erfolglos. Heuss wird Chefredakteur der "Neckar-Zeitung" und bezieht mit Ehefrau Elly und Sohn Ernst Ludwig (2) eine Wohnung in der Lerchenstraße.

"Er nannte die halbe Stadt du", klagt die emanzipierte Gattin, die sich in der Provinz weniger wohl fühlt. Patriot Heuss ist zunächst vom Ersten Weltkrieg überzeugt, den Ausbruch verkündet er am Redaktionsfenster am Wollhaus. Bald sieht er den Krieg kritisch. 1918 zieht der Heilbronner Weltbürger zurück nach Berlin, dort avanciert er zum Geschäftsführer des von Peter Bruckmann mitbegründeten Werkbundes, dem Vorläufer der Bauhaus-Schule.


Der Wein hat ihm womöglich das Leben gerettet

 

Mehr als eine Randnotiz aus dem Leben von Theodor Heuss: Beim Abi-Ausflug nach Gundelsheim bringt ihn der Wein ins Straucheln. Er renkt sich die Schulter aus, eine Schwachstelle, die ihn "untauglich" für den Ersten Weltkrieg macht und womöglich sein Leben rettet. Lemberger-Fan Heuss dankt es dem Wein und widmet dem Weingärtnerstand seiner Heimatstadt 1905 die Doktorarbeit.

 

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