Theatersanierungen kosten über 500 Millionen Euro

Stutgart/Karlsruhe  Das grün-schwarze Kabinett beschäftigt sich am kommenden Dienstag mit der Sanierung des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe und der Württembergischen Staatstheater in Stuttgart. Klar ist: Es wird richtig teuer.

Von Michael Schwarz

Große Projekte, hohe Kosten

Die zuständigen Ministerinnen Edith Sitzmann (Grüne, Finanzen) und Theresia Bauer (Grüne, Wissenschaft) wollen über die Situation bei den beiden Mammutprojekten informieren, bei denen mehrere hundert Millionen Euro vom Land und von den betreffenden Städten investiert werden.

"Beide Staatstheater gehören zu den wichtigsten Kultureinrichtungen im Land, die bundesweit und international die hohe künstlerische Qualität des Kulturlebens in Baden-Württemberg repräsentieren", schreiben Sitzmann und Bauer in der Kabinettsvorlage. Das Papier liegt der Heilbronner Stimme vor.

Kostenexplosion in Karlsruhe

Große Projekte, hohe Kosten

Alleine für das Badische Staatstheater, das 1975 als Dreispartenhaus für Oper, Schauspiel und Ballett im Zentrum Karlsruhes eröffnete, sind "Vollkosten in Höhe von 270 bis 325 Millionen Euro vorgesehen", heißt es in der Vorlage. Gebaut werden soll von 2019 bis 2030. Die Kosten werden von der Stadt Karlsruhe und vom Land hälftig übernommen.

Der Gemeinderat in Karlsruhe hat schon im Herbst vergangenen Jahres grünes Licht für den Umbau gegeben. Allerdings kam es zu einer regelrechten Kostenexplosion. Bei den ersten Planungen ging man noch von 125 Millionen Euro aus. Hintergrund für die Kostensteigerungen sind laut der Kabinettsvorlage unter anderem die Neugestaltung des Theatervorplatzes, eine Risikovorsorge für Baupreissteigerungen, zusätzliche Personal- und Ausstattungskosten sowie die Finanzierung der Ausweichquartiere während der Bauphase.

Das Württembergische Staatstheater in Stuttgart ist das größte Dreispartenhaus in Deutschland. Alleine die Oper- und Ballettaufführungen zählen in der Saison mehr als 300.000 Besucher. Wegen Mängeln beim Arbeits- und Brandschutz ist eine "umfassende Sanierung, Modernisierung und Erweiterung unabweislich", heißt es in der Vorlage. Während der Bauphase soll das Paketpostamt in der Ehmannstraße als Interimsspielstätte dienen. Frühestens 2021 soll mit dem Bau des Ausweisquartiers begonnen werden, der sich bis zu drei Jahre ziehen kann. Von daher rechnen Sitzmann und Bauer damit, dass mit der Sanierung der Württembergischen Staatstheater erst "frühestens Ende des Jahres 2023" begonnen wird.

Noch hat das Land keinen Finanzierungsrahmen

Für Kritik sorgte zuletzt, dass das Land noch keinen Finanzierungsrahmen nennen kann. "Belastbare Kosten für die Interimsspielstätte und die Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater können erst auf Grundlage konkreter Ergebnisse der Wettbewerbe und der daran anschließenden Planungen ermittelt werden", schreiben Sitzmann und Bauer. In Stuttgart stammt die letzte Kostenschätzung aus dem Jahr 2015 − und lag damals bei rund 340 Millionen Euro. Auch hier sind Land und Stadt hälftig bei der Finanzierung beteiligt. Bis Mai dieses Jahres soll ein genaueres Finanzierungskonzept präsentiert werden.

Sitzmann und Bauer erklären, dass das Land Rücklagen gebildet habe, die insbesondere auch zur Finanzierung der Staatstheater vorgesehen seien. In der Vorlage erklären die beiden Ministerinnen: "Aus der Rücklage stehen in den Haushaltsjahren 2018 und 2019 annähernd 143,6 Millionen Euro für die Sanierung von Kulturliegenschaften zur Verfügung."