Surfen in der Stadt: Pforzheim baut eine künstliche Welle

Pforzheim  Pforzheim schlägt Wogen in der Surferszene: Eine Anlage in einem Kanal nahe der Nagold wird es Bretterfans ermöglichen, sich in die perfekte Welle zu stürzen. Im Frühjahr soll es losgehen.

Von Alexander Hettich
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Im kommenden Frühjahr wird Pforzheim zum Revier für Wellenreiter. Nach jahrelanger Vorarbeit baut ein Verein in einem Kanal nahe der Innenstadt eine Anlage, die künstliche Wogen für Surfer wirft. Ähnliche Pläne gibt es für den Neckar in Stuttgart, dort sind sie aber deutlich größer dimensioniert und ungleich teurer.

Verein brachte Projekt in Gang

Die jungen Pforzheimer Wellenmacher können ihr Glück kaum fassen. "Zwickt mich mal", sagte Steffen Rose kürzlich beim offiziellen Baustart. Er ist einer der Surfbegeisterten aus dem mittlerweile 70 Mitglieder zählenden Verein Blackforestwave, der vor bald fünf Jahren die Welle ins Rollen brachte. "Das hat eine wahnsinnige Dynamik entwickelt", erzählt Kristin Bechtold, die im Verein fürs Marketing zuständig ist. Die Initiatoren, damals noch Studenten, heute mitten im Berufsleben, verfassten Machbarkeitsstudien, gingen bei Sponsoren Klinken putzen, holten sich fachlichen Rat beim Karlsruher Institut für Technologie (KIT), und sie überzeugten die Pforzheimer Stadtwerke. Die Welle rollt.

Ehrenamtliche halfen kräftig mit

Die Goldstadt, die zuletzt durch das für Panoramaausstellungen sanierte Gasometer überregional Schlagzeilen machte, ist bald um eine weitere Attraktion reicher. Am sogenannten Metzelgraben südlich der Innenstadt standen vergangene Woche noch Ehrenamtliche tief im eiskalten Wasser.

Sie sperrten den Kanal mit Sandsäcken ab und bereiteten alles für das Betonfundament vor, das ein Sponsor für 30.000 Euro im Bett des Gewässers einbaute. Darauf werden später hölzerne Elemente befestigt. Sie brechen das Wasser nach einem ausgeklügelten System und erzeugen die etwa vier Meter breite, sogenannte stehende Welle, wie sie Surfer für ihren Sport brauchen. Allerdings werden die Bretterfans eher im Neoprenanzug als im Hawaii-Style in die Pforzheimer Wogen stechen. Die Nagold, die den Kanal speist, muss ausreichend Wasser führen, damit die Wellen hochschlagen. "Das ist eher im Frühjahr der Fall", erklärt Kristin Bechtold, "im Sommer wird es vielleicht einzelne Surftage geben." Die Einweihung ist im März und April geplant.

Welle braucht keinen elektrischen Strom

Anfangs habe man alles für eine "verspinnerte Idee" gehalten, erinnert sich Matthias Entrop von den Pforzheimer Stadtwerken. Die Wellenmacher hätten ihr Projekt aber professionell vorangetrieben. Ein halbes Dutzend Standorte waren im Gespräch. Ursprünglich hatten die Surfer den zentralen Enzauenpark im Blick. Das hätte Eingriffe in den Flusslauf nötig gemacht "und Probleme mit der Gewässerökologie gegeben", so Entrop. Die jetzige Lösung im ehemaligen Industriekanal benötige keine elektrische Energie und sei mit Fischereivereinen abgestimmt. Mit einem Wehr können die Stadtwerke das Wasser der Nagold in den Kanal leiten. Surfer können sich kostenlos in die Fluten stürzen.

Wenn kein Betrieb ist, bauen Vereinsmitglieder die mobilen Elemente aus, und still ruht der Kanal. "Viele Vereine in Deutschland verfolgen ähnliche Projekte", weiß die Marketingbeauftragte Kristin Bechtold. Die Pforzheimer sind früh dran und haben zumindest mit dem Zeitplan die Landeshauptstadt nass gemacht. In Stuttgart gibt es seit kurzem eine Machbarkeitsstudie für die Neckarwelle bei Untertürkheim (siehe Hintergrund). Die geschätzten Kosten sind mit 4,2 Millionen Euro um den Faktor 100 höher als in Pforzheim.

Die Goldstadt hofft auf einen Schub für den Tourismus, so Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler bei der Feierstunde: "Bessere Botschafter für die Stadt kann man sich nicht wünschen."

 


Neckarwelle soll ab 2020 in Stuttgart rollen

Die Eisbachwelle in München gilt als Mutter aller künstlichen Wogen in Deutschland. In vielen deutschen Städten gibt es ähnliche Projekte. Die Pforzheimer Blackforestwave ist im Bau. Pläne für die Leinewelle in Hannover und die Dauerwelle in Nürnberg sind weit gediehen.

In Stuttgart will der Verein Neckarwelle mit einer Anlage in Untertürkheim Surfer an den Fluss bringen. Die Fraktionen im Gemeinderat sollen demnächst Stellung nehmen. Eine Machbarkeitsstudie fiel positiv aus, ergab aber Kosten von 4,2 Millionen Euro. Der Bau wäre weit komplexer als in Pforzheim, wo der Kanal die Begrenzung mit sich bringt. Das Gelände müsste erschlossen, ein Wasserkraftwerk aufgerüstet werden. Bis zu 18 Meter soll die Stuttgarter Welle breit werden. „Wenn alles optimal läuft“, sagt der Vereinsvorsitzende Volker Sellmeier, „dann könnte 2020 ein realistisches Ziel sein.“ 


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