Streit um Millionenprojekt in Heidelberg

Heidelberg - Der Neckarufer-Tunnel entzweit den Heidelberger Gemeinderat: Zu teuer sagen die einen, dringend notwendig die anderen. Umstritten ist auch, ob die Bürger über das Millionenprojekt entscheiden sollen.

Von Panja Schollbach
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Heidelberg (dpa/lsw) - Seit Jahren gibt Streit in Heidelberg um den Bau eines Verkehrstunnels am Neckarufer. Mittlerweile liegen vier verschiedene Vorschläge auf dem Tisch. Oberbürgermeister Eckart Würzner (parteilos) will nun die Bürger über das Projekt entscheiden lassen. Doch auch darüber sind sich die Fraktionen im Gemeinderat nicht einig. Der 180 Millionen Euro teure Tunnel war 2008 vom Stadtparlament mit großer Mehrheit beschlossen worden. Seitdem haben sich die Mehrheiten in dem Gremium aber verändert.

Tunnel soll B 37 entlasten

Nach den Plänen für das Projekt „Stadt an den Fluss“ soll die stark befahrene Bundesstraße 37 durch den Tunnel entlang des Neckarufers entlastet werden. „Hier zwängen sich täglich 20.000 Fahrzeuge aus dem gesamten Neckartal und Odenwald in die Rheinebene“, argumentiert Würzner. „Das belastet das Heidelberger Zentrum und die Bewohner enorm.“

Die Pläne sehen vor, den Durchgangsverkehr durch den Tunnel zu führen und oberirdisch Stadt und Fluss mit einem Fußgängerbereich zu verbinden. Das werte die Stadt auf, die allein 2010 rund eine Million Touristen aus aller Welt besuchten, sagt Würzner. So sehen das auch die Fraktionen von CDU und FDP, die eine Bürgerbefragung über die verschiedenen Varianten befürworten.

„Das ist eine riesige städtebauliche Maßnahme, da müssen die Bürger mitentscheiden“, meint FDP-Stadträtin Annette Trabold. „Wir unterstützen das in jeder Variante, die möglich wäre“, sagt CDU-Fraktionschef Jan Gradel. „Wir wollen Heidelberg attraktiver machen“. Die SPD-Fraktion befürwortet den Bürgerentscheid, sobald „alle Fakten auf dem Tisch liegen“. Dann sollen die Heidelberger über den Tunnelbau entscheiden - aber nicht über die einzelnen Varianten.

Hoffen auf Fördergelder

Ein weiteres Modell, das sogenannte Mobilitätsnetz, sieht einen verkürzten Neckarufertunnel und den gleichzeitigen Ausbau des Nahverkehrs vor. Auf die Tunneltrasse soll eine Straßenbahnlinie gebaut werden. Laut Regierungspräsidium Karlsruhe, das den Vorschlag aus Kostengründen angestoßen hatte, kann die Stadt in diesem Fall auf Förderung durch den Bund von 80 Prozent hoffen.

Das Mobilitätsnetz lehnen Heidelbergs Grün-Alternative Liste (GAL) und Grüne allerdings ab: „Die angestrebte Bürgerwahl mit Mobilitätsnetz ist ein durchsichtiger Versuch, jetzt mit Bundesmitteln den Tunnel retten zu wollen“, kritisiert der Grünen-Verkehrsexperte Christoph Rothfuß. „Wir fordern den Förderbescheid des Landes jetzt ein und wollen die Bürger dann, wenn die Kosten feststehen über den Tunnel abstimmen lassen.“

Grüne für „Stadt an den Fluss light“

Bei der dritten Variante „Stadt an den Fluss light“, mit der die Grünen liebäugeln, soll die Höchstgeschwindigkeit auf der B 37 deutlich gesenkt werden. Zudem soll es eine Promenade für Fußgänger geben - etwa durch Pontons auf den Neckar. Das sei deutlich billiger als der 180 Millionen Euro teure Tunnel. Das vierte Modell, „Stadt Raum Fluss“ genannt, sieht ebenfalls einen Verzicht auf den Tunnel vor. Die B 37 soll komplett für den Verkehr gesperrt, der Durchgangsverkehr in die Innenstadt umgeleitet werden.

Von der neuen grün-roten Landesregierung erhofft sich Würzner eine „faire und offene Unterstützung“. „Wir erwarten vom Land noch im Sommer klare Aussagen zur finanziellen Förderung, damit wir damit in die Bürgerschaft gehen können“.

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