Städtetag: Land bei Schulsozialarbeit in der Pflicht

Stuttgart (dpa/lsw)  Viele Kinder bringen einen Rucksack voller Probleme mit in die Schule. Lehrer haben oft nicht die Zeit und die Ausbildung, um für Entlastung zu sorgen. An immer mehr Schulen übernehmen Sozialarbeiter diese Aufgabe. Doch woher soll das Geld für sie kommen?

Manfred "Manne" Lucha (Grüne)
Manfred "Manne" Lucha (Grüne), Sozialminister von Baden-Württemberg. Foto: Sebastian Gollnow/Archivbild

Der Städtetag fordert vom Land deutlich mehr Geld für den Ausbau der Schulsozialarbeit. Schwerpunkt müsse die Grundschule sein, sagte der Bildungsexperte des Kommunalverbandes, Norbert Brugger, am Mittwoch in Stuttgart. «An den Grundschulen können wir viel bewirken - unter anderem auch für die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund und Flüchtlingskindern.»

Sozialarbeit sei nicht nur ein Instrument für Schulen an sozialen Brennpunkten. «Ihre präventive, unterstützende und menschlich stärkende Arbeit ist auch an anderen Schulen gewünscht.» Das Land müsste nach Vorstellung des Verbandes seine Förderung auf jährlich 50 Millionen Euro fast verdoppeln.

Hintergrund der Forderung der Städte ist das Auslaufen der Landesförderung für die Schulsozialarbeit Ende des Jahres. Eine Nachfolgeregelung stehe noch aus, sagte Brugger.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sagte: «Ich möchte den Städtetag daran erinnern, dass es sich bei der Schulsozialarbeit um eine freiwillige Leistung des Landes handelt.» Seit dem Wiedereinstieg des Landes in die Förderung 2012 sei die Sozialarbeit zu einem flächendeckenden Angebot an den Schulen geworden. Das Land werde mit seinem finanziellen Beitrag seiner Verantwortung gerecht - und es werde die Schulsozialarbeit «bedarfsgerecht» weiterentwickeln.

Fast 40 Prozent der knapp 2400 öffentlichen Grundschulen haben derzeit ein Schulsozialarbeitsangebot. Bei den allgemeinbildenden weiterführenden Schulen liegt die Quote deutlich über 60 Prozent, bei den beruflichen Schulen über 70 Prozent.

Schulsozialarbeiter bieten Hilfe bei zahlreichen Probleme an - etwa bei Mobbing, Scheidungskonflikten oder Drogen. Die Fachkräfte entlasten damit die Lehrer und haben einen anderen Zugang zu den Kindern und Jugendlichen, weil sie nichts mit Unterricht und Notengebung zu tun haben.

Bislang war vereinbart, dass das Land ein Drittel der Personalkosten abdeckt und die Kommunen als Schulträger den Rest beisteuern. Mittlerweile sei der Satz von 16 700 Euro pro Vollzeitstelle im Jahr aber nicht mehr ausreichend, erläuterte Brugger. Heute entsprächen 22 000 Euro einem Drittel.

Nach Berechnung des Verbandes müsse deshalb der bisherige Landesbeitrag von derzeit 27,5 Millionen zum kommenden Jahr dringend erhöht werden - auch weil immer mehr Schulen diese Unterstützung für ihre Schüler einrichten wollen. Bis 2023 müsse das Land seinen Beitrag fast verdoppeln. Nach Angaben des Städtetages dürfte sich bis dahin die Stellenzahl von derzeit 2600 auf 3500 und der Geldbedarf auf 50 Millionen Euro im Jahr erhöhen. Auch dieser Betrag müsse stets angepasst werden, um die Anteile von Land und Kommunen zu erhalten.


Kommentar hinzufügen