Sport oder kein Sport?

Ludwigsburg/Obersulm  Beim E-Sport treten Videospieler in Wettbewerben gegeneinander an. Erstmals befasst sich ein Symposium an der Pädagogischen Hochschule in Ludwigsburg mit dem Thema wissenschaftlich. Initiiert hat das Ganze ein 25-Jähriger aus Obersulm.

Von Tobias Wieland

Ein Banner weist auf die Veranstaltung an der PH Ludwigsburg hin. Foto: eSports Ludwigsburg

Für manche ist es ein Widerspruch in sich: E-Sport. Denn was hat es schon mit Sport zu tun, wenn man auf einen Bildschirm starrt, sich kaum bewegt und in Videospielen gegen andere antritt? Tobias Benz kennt diese Sichtweise natürlich und kann sie nicht komplett von der Hand weisen. Doch der 25-Jährige sagt: "Für mich ist es Sport - wegen des kompetitiven Charakters."  

Wer hat nun Recht? An der Pädagogischen Hochschule (PH) findet am Wochenende ein eBarock genanntes Symposium statt. In einer Podiumsdiskussion wird es genau darum gehen, ob E-Sport nun Sport ist oder nicht. Tobias Benz hat die Veranstaltung initiiert. 

Manager eines professionellen Teams von Videospielern

Der Obersulmer ist ein vielbeschäftigter 25-Jähriger. An der PH in Ludwigsburg studiert er auf Lehramt, sein Hauptaugenmerk liegt aber beim E-Sport. Benz arbeitet bei der Agentur Hitpoint, die die Szene in Deutschland fördern will - und zum Beispiel mit Euronics Gaming ein Team von professionellen Videospielern unterstützt. Benz ist deren Manager. 

Am Mannschaftsnamen merkt man schon: E-Sport ist längst keine Nischenveranstaltung mehr. Unternehmen wie die Elektromarktkette Euronics investieren. Bei Turnieren wie im April in Hamburg, als die besten Mannschaften des Kontinents in "League of Legends" (LoL) gegeneinander antraten, gab es ein Preisgeld von 100.000 Euro für die siegreiche Mannschaft. Bei anderen Wettbewerben gibt es noch mehr zu holen. Das Finale der Weltmeisterschaft 2016 in "LoL" verfolgten weltweit 43 Millionen im Netz. Auch die (realen) Bundesligisten Schalke 04 und VfL Wolfsburg leisten sich Teams. Dennoch, und das betont Benz häufiger: "Beim E-Sport in Deutschland fehlt es an Struktur." 

Gerade deshalb hält er das erste Symposium zum Thema für so wichtig. Benz sieht darin eine Plattform für professionelle und Amateurspieler, wissenschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven sollen aufgezeigt werden. Und auch sportpolitisch sind Auswirkungen vorstellbar. Denn: Wenn E-Sport eine Sportart wäre, müsste es dann nicht auch eine Sportförderung geben? Die Piratenfraktion im Berliner Abgeordnetenhaus hatte diesbezüglich ein Gutachten in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: E-Sport sei "als Sportart nicht anerkennungsfähig". 

Gemeinsamer Tagesablauf für professionelle Spieler

Das zeigt: Die Politik ist oft skeptisch, wohl auch wegen der Risiken beim Zocken. Benz ist sich bewusst, dass das Videospielen auch Gefahren mit sich bringt. Der Obersulmer merkt das in seiner täglichen Arbeit. "Die E-Sportler sind sehr jung. Einige kamen nach der Schule nach Hause und waren dann in ihrer digitalen Welt gefangen. In der realen Welt hatten sie ihre Schwierigkeiten."

Das ist einer der Gründe, warum es zum Teil Manager für die professionellen Zocker gibt. Bei Euronics Gaming ist es so, dass die Spieler in einem gemeinsamen Haus bei Würzburg leben und trainieren. Benz hat ihnen einen festen Tagesablauf verpasst - mit Aufsteh-, Frühstücks- und Trainingszeiten. Ganz so, wie er es einst selbst kennengelernt hat - in der realen Sportwelt, als er für drei Monate im Jugendinternat des VfB Stuttgart lebte. "Die Spieler sollten sich wie Vorbilder für die nachfolgende Generation verhalten." Professionalisierung nennt Benz das Ganze. Noch so ein Wort, das ihm im Hinblick auf die Zukunft des E-Sport wichtig ist. 

Wenn der 25-Jährige über die weitere Entwicklung nachdenkt, dann schwebt ihm zum Beispiel vor, dass es ein klares Ligensystem gibt - "vom Profisport bis zur Kreisliga, wie im analogen Sport auch". Beim Symposium könnte es erste Schritte in diese Richtung geben. Für 550 Teilnehmer ist die Veranstaltung ausgerichtet, ein Drittel der Plätze war in der vergangenen Woche schon weg.

 

Programm beim Symposium

Am Samstag beginnt das Symposium mit Spielen in "League of Legends", ein Online-Spiel, in dem Dreier- oder Fünferteams gegeneinander antreten. Über den Tag verteilt stehen Vorträge an, gegen Abend findet die Podiumsdiskussion zur Frage, ob E-Sport Sport ist, statt.