Schöne bunte Fahrradwelt - Radmesse in Friedrichshafen

Friedrichshafen/Region  Der Drahtesel ist heute eine Hightech-Maschine: Am Mittwoch beginnt in Friedrichshafen die Leitmesse Eurobike. Vertreten sind auch Unternehmen aus der Region.

Schöne bunte Fahrradwelt

Ob Rahmen, Licht oder Zubehör: Farbenfrohe Details erfreuen das Radfahrerherz.

Fotos: Eurobike

Die Umwelt, permanent verstopfte Straßen und nicht zuletzt die Elektrifizierung: Radfahren ist mehr denn je ein Massenthema. Das spiegelt sich auch auf der Messe Eurobike wider, die nächste Woche in Friedrichshafen stattfindet. "Die Fahrradbranche ist im stetigen Wandel und die Eurobike der Brennpunkt dieser Entwicklung", sagt Projektleiter Dirk Heidrich. "Durch die Trendthemen E-Bike, urbane Mobilität und Digitalisierung gibt es viele neue Firmen und Produkte mit einer großen Innovationskraft zu entdecken."

Das Fahrrad wird zum städtischen Trendmobil

Mehr als 1400 Aussteller präsentieren ab Mittwoch ihre Neuheiten. Lastenräder sind genauso darunter wie Rikscha-Fahrräder - ähnlich denen, die zur Buga in Heilbronn unterwegs sind. Ebenso E-Scooter, minimalistische E-Bikes für die Kurzstrecke oder individuell auf den Fahrer zugeschnittene Holzrahmen. Selbstverständlich auch Zubehör in allen Farben und Formen.

Die Hersteller kommen aus 60 Ländern, es sind aber auch Unternehmen aus der erweiterten Region dabei, die auf diesen Wachstumsmarkt setzen: Laut Zweirad-Industrie-Verband betrug der Umsatz der deutschen Fahrradindustrie im vergangenen Jahr 3,16 Milliarden Euro - 16,3 Prozent mehr als 2017. Haupttreiber sind die Elektrofahrräder, von denen im vergangenen Jahr in Deutschland eine knappe Million verkauft wurden.

Bosch bekommt bei den E-Bike-Antrieben Konkurrenz

Eine Branchengröße ist Bosch: Die E-Bike-Sparte des Automobilzulieferers wurde bereits vor zehn Jahren gegründet. Auf der Eurobike zeigt der E-Antriebshersteller ein neues Farbdisplay, das den Fahrer über eine Smartphone-App mit der digitalen Welt vernetzt. Unter anderem enthält das System eine digitale Wegfahrsperre als Ergänzung zum mechanischen Schloss.

Andere Autozulieferer wollen von diesem Kuchen ebenfalls etwas abhaben - nicht zuletzt Kolbenschmidt. Unter dem Rheinmetall-Dach zeigen die Neckarsulmer unter der Marke Amprio ein 48-Volt-System, das Bosch ab 2021 bei E-Mountainbikes im High-End-Segment sowie bei elektrisch unterstützten Trekkingbikes Marktanteile abjagen soll.

Helmhersteller aus Freiberg zeigt Neuheiten

Nicht nur E-Bike-Fahrer tragen mittlerweile mehrheitlich Helme, auch diejenigen Radler, die ausschließlich mit Muskelkraft unterwegs sind. Steigende Geschwindigkeiten sorgen hier wie da für zusätzliche Anforderungen - und bei der D-H-G Knauer GmbH aus Freiberg am Neckar für Umsatz. Die Adresse täuscht über die Bedeutung der Firma hinweg: Im "Kleinen Wegle" fertigen mittlerweile 120 Mitarbeiter Helme für Radler und Reiter - allesamt Made in Germany, wie das Unternehmen betont. Auf der Eurobike 1995 zeigte die von Doreen Knauer-Steinbrück geführte Firma die ersten KED-Helme, dieses Mal aktuelle Weiterentwicklungen des Produkts.

Wer in der Natur unterwegs war und sein Fahrrad dabei ordentlich dreckig gemacht hat, für den präsentiert Kärcher aus Winnenden eine mobile Waschanlage mit Akku und Wassertank. Für die erste Reinigung reicht das. Falls nicht, hat das Unternehmen einen batteriebetriebenen Mitteldruckreiniger für den Anschluss an den Wasserschlauch im Sortiment.

Startups als Innovationstreiber der Branche

Nicht nur für etabliere Firmen ist der Fahrradmarkt interessant. "Ein guter Kontakt zwischen Start-Ups und etablierter Fahrradbranche ist wichtig, um den gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden", sagt Projektleiter Heidrich. Der erste Messetag steht es deswegen im Zeichen der Gründerszene und ihrer Innovationen.

Info: Von Mittwoch bis Freitag ist die Eurobike nur für Fachbesucher geöffnet. Der Festival Day am Samstag, 7. September, richtet sich an alle Fahrrad-Fans. Weitere Informationen unter eurobike.com.


Manfred Stockburger

Manfred Stockburger

Chefkorrespondent Wirtschaft

Manfred Stockburger beschäftigt sich seit 1997 intensiv mit der Wirtschaft in Heilbronn-Franken und darüber hinaus. Die rasante Veränderung der Autobranche und des Lebensmittelhandels interessiert ihn besonders, außerdem die Entwicklung der Firmen in Hohenlohe.

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