Rätselraten um Pläne für Breuningerland

Ludwigsburg/Region  Die Breuningerland-Einkaufszentren in Ludwigsburg und Sindelfingen sollen für einen dreistelligen Millionenbetrag ausgebaut werden. Alle Nachfragen zu Details blockt Breuninger ab. Auch im Heilbronner Handel werden die Pläne aufmerksam verfolgt.

Rätselraten um Pläne für Breuningerland

Das Breuningerland in Ludwigsburg wird erweitert. Der Gemeinderat hat dem Ausbau aber enge Grenzen gesetzt.

Foto: Alexander Hettich

Man wolle "in die Innovationskraft und die Servicequalität" der Breuningerländer investieren, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens E. Breuninger GmbH & Co mit Sitz in Stuttgart.

Der Umbau soll 2021 beginnen, die Einkaufszentren böten danach "ein erweitertes Service-, Shopping- und Gastronomieangebot". Breuninger gibt auf Nachfrage keine Informationen dazu, was konkret geplant ist, wie hoch die Investitionen sind oder wie sie sich auf die Standorte Sindelfingen und Ludwigsburg verteilen.

Gemeinderat Ludwigsburg setzt enge Grenzen

In Ludwigsburg sind dem Breuningerland enge Grenzen gesetzt, nachdem der Gemeinderat nach langer Debatte einem Ausbau zugestimmt hat. So darf das Einkaufszentrum laut Beschluss von 2017 um 2500 Quadratmeter Fläche zulegen, aber nur für Gastronomie und Dienstleistungen. Die Ladenflächen dürfen nicht ausgeweitet werden, offiziell nennt der Noch-Betreiber ECE hier 36.000 Quadratmeter. Angesichts dieser Fesseln mutet die Investition enorm an - sofern sie zu einem nennenswerten Teil auf Ludwigsburg entfällt.

Handelsvertreter in Heilbronn gelassen

In der Region Heilbronn wünscht man sich, dass das Geld eher nach Sindelfingen wandert. "Das sind schon unglaubliche Summen", sagt Steffen Schoch von der Heilbronn Marketing GmbH. Man sei "in Hab-Acht-Stellung" und beobachte genau, was an den Grenzen der Region im großflächigen Handel passiert. Andererseits ist Schoch nicht bang. Der Heilbronner Handel und seine Aktionen würden ernst genommen. "Heilbronn muss an seinem wiederentdeckten Selbstbewusstsein weiterarbeiten."

Thomas Gauß, der Vorsitzende der Heilbronner Stadtinitiative bleibt gelassen. "Das ist alles sehr vage", sagt er zu den Breuninger-Plänen. "Aber natürlich beobachten wir das", erklärt Gauß. "Das ist ein Wettbewerber." Heftiger ist die Konkurrenz zwischen der Mall und dem Ludwigsburger City-Handel. Deshalb war der Widerstand gegen jegliche Erweiterung in der Barockstadt auch groß. Dass sich die Kommunalpolitik doch bewegte, hat dem Vernehmen nach mit einer Vereinbarung zu tun. Die Hamburger ECE, die im Auftrag von Breuninger das Breuningerland betreibt, investierte kräftig in das Ludwigsburger Marstallcenter. Dafür gab es Zugeständnisse für das Breuningerland.

Breuninger wechselt Management aus

Überraschend in diesem Zusammenhang: Breuninger wechselt das Management seiner beiden Einkaufszentren aus. Ab 2020 wird nicht mehr ECE die Breuningerländer betreiben, sondern das französische Immobilien-Unternehmen Unibail-Rodamco-Westfield. ECE managt nach eigenen Angaben 195 Shopping-Center, darunter die Stadtgalerie Heilbronn. Der Betreiber sei über 20 Jahre "ein verlässlicher Partner" gewesen, teilt Breuninger mit. Die Frage, warum man dann auf einen Wechsel setzt, bleibt unbeantwortet.

Marstallcenter "Bereicherung" für Barockstadt

Der hoch aufragende Marstall aus den 70er-Jahren bleibt ein architektonischer Fremdkörper in der Ludwigsburger City. Das runderneuerte Marstallcenter sei aber "eine große Bereicherung für die Innenstadt", sagt Frank Steinert, städtischer Wirtschaftsförderer und zugleich Vorsitzender des Vereins Ludwigsburger Innenstadt.

Die Lage des City-Handels in der Barockstadt sei "nicht Besorgnis erregend", so Steinert. Trotzdem hätten es die Geschäfte schwer, die Konkurrenzsituation zum Breuningerland könnte sich wieder zuspitzen, erwartet der Wirtschaftsförderer.

Handelsverband sorgt sich um Innenstädte

Nach Einschätzung von Sabine Hagmann haben die Shopping-Center ihre große Zeit eigentlich hinter sich. "Wir haben eine Sättigung der Märkte", so die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg.

Der Trend könnte sich aber zulasten der Innenstädte umkehren, sagt Hagmann mit Blick auf Fahrverbote und die Diskussion um Einschränkungen für SUVs. "Die Innenstädte werden immer schwerer erreichbar."

Einkaufszentren: Milaneo Nummer eins im Land  

Als größtes Shopping-Center Deutschlands gilt das Centro in Oberhausen mit einer Verkaufsfläche von 125.000 Quadratmetern. Demgegenüber nehmen sich baden-württembergische Malls fast bescheiden aus. Für das Stuttgarter Milaneo nennt Betreiber ECE 43.000 Quadratmeter Verkaufsfläche , für das Breuningerland Ludwigsburg 36.000 und für die Stadtgalerie Heilbronn 13.000 Quadratmeter. Eigentümer der Breuningerland-Malls ist die E. Breuninger GmbH & Co., verwaltet werden sie bislang von der ECE-Projektmanagement, von 2020 an übernimmt Unibail-Rodamco-Westfield das Management der beiden Häuser.

 


Alexander Hettich

Alexander Hettich

Autor

Alexander Hettich ist seit 2003 bei der Heilbronner Stimme. Er berichtet über den Kraichgau, Verkehr, Pendler und Themen aus benachbarten Landkreisen. 

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