Pfingstspektakel auf Burg Guttenberg

Haßmersheim  Zwischen 3000 und 5000 Besucher schauen an den beiden Pfingstfeiertagen auf Burg Guttenberg vorbei: Das schätzt Burgherr Bernolph von Gemmingen-Guttenberg, der zusammen mit seiner Frau Silke das Spektakel zum nunmehr 21. Mal ausrichtet.

Von Ulrike Plapp-Schirmer

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Die Künstler nehmen die Besucher auf Burg Guttenberg in die Welt des Mittelalters mit. Fotos: Marcel Tschamke

Pfingstsonntag, kurz nach 10 Uhr. Die Parkplätze im Tal sind fast alle belegt. Viel mittelalterliches Volk ist unterwegs. Dazwischen Väter in kurzen Hosen und Mütter in sommerlichen Kleidern mit kleinen Rittern und Prinzessinnen an der Hand. Zum 21. Mal hat die Burg Guttenberg zum Pfingstfest eingeladen und bietet nun eine Mischung aus Markt und Unterhaltung.

Authentischer Hintergrund

Burgherr Bernolph von Gemmingen-Guttenberg hat seine „wehrhafte Rüstung“ angezogen und strahlt vielleicht auch, weil es schön, aber nicht ganz so heiß ist. Auf seinem Kopf sitzt ein blaues Barrett aus Filz, das seine Cousine Friederike von Dewitz für ihn genäht hat. Ein schwerer Umhang bedeckt seinen silberfarbenen Brustpanzer.

Familienmitglieder, Angestellte, Freunde und Bekannte helfen mit, das zweitägige Mittelalterspektakel auszurichten. Die Burg Guttenberg liefert den authentischen Hintergrund: Um 1180 erbaut, ist sie eine der letzten unzerstörten Staufer-Burgen in Deutschland. Für ihr Alter ist sie ziemlich gut in Schuss. Wäre sie eine Ruine, sinniert der Burgherr, wäre dort vielleicht auch Platz für Ritterspiele.

Eine Mischung aus Staunen und Mitmachen

Bernolph von Gemmingen-Guttenberg und seine Frau Silke müssen in keine Rolle schlüpfen: Sie gehören zum Adel. Die Ritter von Balestra, die dem Publikum mit ihrem Schwertkampf fast den Atem rauben, sind dagegen tschechische Stuntmen. Die Mitglieder der Schlosswache Kirchhausen gehen wochentags alle einem Brotberuf nach.

Gleiches gilt natürlich für den Wilden Haufen aus der Kurpfalz, der seit Tagen zusammen mit der Schlosswache im Burghof lagert. Ralf Becker beantwortet kleinen und großen Besuchern geduldig die Fragen zu der Zeit um 1500. Ein Teil seiner Truppe mischt sich unters Volk. An der Esse der Kurpfälzer können Kinder Nägel und Hufeisen schmieden.

Burg Guttenberg
Spaß für Groß und Klein. Viele Leute helfen mit, das zweitägige Mittelalterspektakel auszurichten.

Das Pfingstfest auf Burg Guttenberg lebt von dieser Mischung aus Staunen und Mitmachen. Wer dann noch ein paar Kreuzer übrig hat, kauft sich eine handgesiedete Seife, einen schönen Gürtel aus Leder oder selbstgemachtes Olivenöl. „Es macht sehr viel Spaß, sich aus unserer nicht ganz einfachen Zeit rauszunehmen“, sagt Nicolai Knauer, der Hauptmann der Kirchhausener Schlosswache.

Lego-Freunde bilden einen Kontrast

Abzutauchen in eine Zeit, in der die Grundlagen für die Moderne gelegt wurden, gefällt auch den Besuchern: Zwischen 3000 und 5000 schauen an Pfingsten auf der Burg, die auch Sitz der Deutschen Greifenwarte ist, vorbei.

Sichtbar werden dort die Ursprünge des modernen Handwerks oder die Art, wie sich die Menschen vor 500 Jahren ernährt haben. Da stellen die Lego-Freunde aus Stuttgart, die offiziell unter dem Namen „Schwabenstein 2 x 4 e.V.“ firmieren, einen ziemlichen Kontrast dar.

Der Kreis schließt sich, wenn man die vielen Stufen zum Obergeschoss des Burgmuseums erklimmt. Eine neue Ausstellung zeigt dort noch bis voraussichtlich November, dass das Mittelalter auch einen Platz in der Lego-Welt hat.

 

 

 


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