Nach Kippa-Vorfall fordert Angegriffener Zivilcourage

Freiburg (dpa/lsw)  Einem Kippa-Träger wird die religiöse Kopfbedeckung vom Kopf genommen. Der wohl antisemitische Vorfall in Freiburg findet überregional Beachtung. Der Mann macht den Fall publik - und will damit wachrütteln, wie er sagt.

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Samuel K. steht auf dem Platz der Alten Synagoge in Freiburg
Samuel K. steht auf dem Platz der Alten Synagoge und hält eine Kippa in der Hand.

Nach einem mutmaßlich antisemitischen Vorfall in einem Fitnessstudio in Freiburg hat der von dem Angriff betroffene Student zur Zivilcourage aufgerufen. Es brauche in Deutschland eine Debatte über Judenfeindlichkeit und eine größere Sensibilität für das Thema, sagte der 19-Jährige am Freitag in Freiburg der Deutschen Presse-Agentur. Antisemitismus gehöre zum Alltag von in Deutschland lebenden Juden, sie würden immer häufiger zum Ziel von Bedrohungen und Anfeindungen. Er habe sich bewusst entschieden, den Angriff auf ihn öffentlich zu machen. Er wolle anderen Betroffenen Mut machen.

Die Polizei nimmt seine Angaben ernst. Sie ermittelt laut einer Sprecherin wegen des Verdachts der Beleidigung und sucht den noch unbekannten Angreifer. Auch der Staatsschutz ermittelt.

Der 19 Jahre alte Samuel K. war eigenen Angaben zufolge am Dienstagabend von einem Mann in einem Freiburger Fitnessstudio angegangen und beleidigt worden. Der Angreifer habe ihm die Kippa vom Kopf genommen und sie in den Müll geworfen. Die Kippa ist die traditionelle jüdische Kopfbedeckung.

Der Fall fand überregional Beachtung. Die Frage nach dem Motiv lasse sich vermutlich erst klären, sobald der Angreifer gefunden wurde, sagte die Polizeisprecherin. Die Beamten seien aber zuversichtlich, den Fall aufklären zu können. Gesucht würden zudem Zeugen.

«Antisemitismus gibt es nicht nur in Berlin und im Fernsehen, sondern überall. Das, was mir passiert ist, ist kein Einzelfall», sagte Samuel K. Sein Fall solle dazu beitragen, wachzurütteln. Judenfeindlichkeit müsse gesellschaftlich und politisch stärker geächtet werden. Sonst bestehe die Gefahr, dass sie sich weiter ausbreite. Juden müsse es möglich sein, ihrer Religion in Deutschland nachzugehen, ohne Angriffe fürchten zu müssen. Vorfälle öffentlich zu machen, helfe, mögliche Täter abzuschrecken und Taten zu verhindern. Zudem helfe es Opfern, die sich so nicht alleingelassen fühlten.

Er habe seit dem Vorfall Solidaritätsbekundungen aus der ganzen Welt erhalten. Zudem hätten sich Betroffene gemeldet, die Ähnliches erlebt hätten. «Aus Scham haben sie jedoch nicht öffentlich das Wort ergriffen», sagte der Student. Er ist den Angaben zufolge Stipendiat des in Berlin ansässigen Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerks (Eles). Dessen Geschäftsführer sowie Vertreter der Stadt Freiburg hatten die Tat öffentlich verurteilt.


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