NSU-Gegner bekennen sich zu Tortenwurf auf Gall

Ludwigsburg/Heilbronn  Im Internet hat sich offenbar eine Gruppe aus Heilbronn zu dem Tortenwurf auf Innenminister Gall bekannt. Angeblich sollte das Attentat ein Protest gegen die schleppende Aufklärung der Morde des Terrortrios Nationalsozialistischer Untergrund sein.

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Gall kurz nach der Attacke mit verschmiertem Sakko. Foto: Screenshot/SWR.de

War der Tortenwurf auf Innenminister Reinhold Gall am Freitag in Ludwigsburg eine Aktion von linken NSU-Gegnern? Das legt ein Statement nahe, das auf dem linken Portal Indymedia veröffentlicht wurde. Dort steht, man habe Galls Teilnahme an einer Podiumsdiskussion verhindert, „indem wir eine Torte im Gesicht des SPD-Politikers platzierten“.

Die Autoren des Statements nennen sich „Heilbronner Konditorei für konsequente Aufklärung“ und fordern einen NSU-Untersuchungsausschuss in Baden-Württemberg. Ob das Bekennerschreiben tatsächlich vom Tortenwerfer stammt, ist derzeit noch unklar. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn wollte dazu noch nichts sagen.

Kritik an Gall wegen NSU-Aufklärung

In dem bereits am späten Freitagabend veröffentlichten Bekennertext heißt es: „Reinhold Gall hat sich im Zusammenhang mit den Morden des ‚Nationalsozialistischen Untergrunds‘ (NSU) dadurch hervor getan, dass er die Aufklärung über das weitreichende Unterstützer-Netzwerk der Nazis be- und verhindert, wo es nur geht.“ Die Autoren kritisieren, dass vielen Spuren aus dem Umfeld des NSU in Baden-Württemberg nicht konsequent nachgegangen werde.

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn ermittelt zum Tortenwurf auf den Innenminister. Ein Sprecher wollte sich aber am Samstag noch nicht zu dem angeblichen Bekennerschreiben äußern. Man müsse weitere Ermittlungen abwarten, sagte er auf Anfrage der Heilbronner Stimme. Noch am Samstagmittag hatte ein Sprecher des Landeskriminalamts in Stuttgart gegenüber der Nachrichtenagentur dpa gesagt, es gebe keine neuen Erkenntnisse über den Tortenwurf.

Tortenwerfer war laut Polizei 19-Jähriger aus Hohenlohe

Wie berichtet, war der baden-württembergische Innenminister am Freitag bei einer Veranstaltung an der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg von einem 19-jährigen Mann aus dem Hohenlohekreis mit einer Buttercremetorte beworfen worden. Gall sollte auf einem Podium zum Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit von Buchenwald bis zu den NSU-Morden“ diskutieren. Als er die erste Frage zu den NSU-Morden beantworten wollte, sei die Torte geflogen, sagte Ulrike Faulhaber, Pressesprecherin der Evangelischen Hochschule Ludwigsburg.

Personenschützer der Polizei überwältigten den Tortenwerfer und nahmen ihn fest. Der junge Mann wurde noch am Freitag wieder auf freien Fuß gesetzt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Heilbronn und des Landeskriminalamts Stuttgart war der 19-Jährige bislang nicht polizeilich in Erscheinung getreten.

Innenminister wurde kurz im Krankenhaus behandelt

Gall wurde nach dem Vorfall in einem Krankenhaus in Ludwigsburg untersucht. „Ihm wurde das Ohr gereinigt“, sagt Rüdiger Felber, Sprecher des Innenministeriums. Bereits am Nachmittag konnte der Innenminister wieder seinen Amtsgeschäften nachgehen. Die Podiumsdiskussion in Ludwigsburg wurde ohne Gall fortgesetzt.

Gall selbst nahm den Zwischenfall mit Humor: „Ich wüsste gerne, wer die Torte gebacken hat. Leider konnte ich nicht probieren, ob sie mir geschmeckt hätte. Vielleicht kann sich der Bäcker bei mir melden“, sagte er nach der überraschenden Attacke. das/jükü/lsw

 

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