Mord an türkischem Blumenhändler: Ausschuss hinterfragt Bezüge zum NSU

Stuttgart  Eine unaufgeklärte Tat bei Ulm weist Parallelen, aber auch klare Unterschiede zur Gewaltserie der Rechtsterroristen Mundlos und Böhnhardt auf.

Von Carsten Friese

Ein unaufgeklärter Mord an einem türkischen Blumenhändler in Laichingen bei Ulm weist einige überraschende Bezüge zur Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf.

Dass es im Oktober 2011 bei der Funkzellenauswertung von Telefondaten in direkter Tatortnähe Verbindungen zu einer Frau im Bereich der Zwickauer Frühlingstraße - dem Wohnort des NSU-Trios - gab, wurde am Montag im NSU-Ausschuss des Landtags deutlich.

Spur nochmal nachgehen

Die angerufene Person soll wenige Tage vor der Tat in Laichingen Gastgeber eines Familientreffens gewesen sein. "Es wäre gut, wenn man dieser Spur nochmals nachgeht", regte Ausschussmitgled Jürgen Filius (Grüne) an. Der frühere Ulmer Soko-Leiter konnte als Zeuge nicht mehr genau erklären, wieso man diesem Treffer damals nicht mehr weiter nachgegangen sei. Die Soko habe alle relevanten Telefondaten ans Bundeskriminalamt übermittelt.

Es gibt Parallelen und klare Unterschiede zu der Mordserie des NSU: Ihren mutmaßlich ersten Mord der Serie begingen sie ebenfalls an einem türkischen Blumenhändler, im Herbst 2000 in Nürnberg. Die Tatwaffe bei der Mordserie des NSU war in neun von zehn Fällen eine Ceska - im Laichinger Fall ebenfalls eine Ceska, allerdings ein anderes Kaliber.

Dass die damalige Sonderkommission nach Auffliegen des NSU Bezüge intensiv abgeglichen habe, erklärte der Soko-Leiter im Ausschuss. Man könne einen Zusammenhang nicht ausschließen, sagte er. "Die Wahrscheinlichkeit ist aber nicht sehr hoch."

15 Schüsse auf das Opfer

Der 44-jährige Blumenhändler sei morgens um 4 Uhr nach einer Blumen-Einkaufsfahrt nach Holland vor seiner erst kurz zuvor angemieteten Garage erschossen worden. Dies setze Insiderwissen voraus. Während der NSU seine Opfer überwiegend mit Kopfschüssen tötete, sei das Opfer in Laichingen mit 15 Schüssen vom Rumpf bis zum Genitalbereich ermordet worden. Für den Zeugen ein klarer Beleg, dass bei der Tat sehr viele Emotionen im Spiel waren, es keine kühl ausgeführte Tat wie beim NSU war.

Und während der NSU seine Geschosshülsen am Ende immer mitnahm, seien am Tatort in Laichingen alle 15 Hülsen am Tatort verblieben. Die Ermittler fanden keine Hinweise auf rechtsradikale Hintergründe, aber Verdachtsmomente im Bereich der Familie des Opfers. Nach Angaben des Zeugen soll der verheiratete Blumenhändler Beziehungen zu anderen Frauen eingegangen sein. Eine Frau kam sogar zwischenzeitlich in U-Haft, musste aber wiederfreigelassen werden, da sich der Tatverdacht nicht erhärtete.

Da Zeugen zur Tatzeit Stimmen hörten, gehen die Ermittler davon aus, dass es zwei Täter waren. Das wiederum würde wieder zur Mordserie des NSU passen.

Vorgehensweise passe nicht zum NSU-Vorgehen

Für den Ausschussvorsitzenden Wolfgang Drexler (SPD) ist ein Bezug der Ulmer Tat zum NSU nicht sehr plausibel. Die gesamte Vorgehensweise passe nicht zu deren Taten. In der Frage des Telefontreffers mit Bezug zur Zwickauer Frühlingstraße ist er aber auch dafür, den Hintergründen dieser Spur noch einmal nachzugehen.

 


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