Mehr ausländische Ärzte und Pfleger

Stuttgart/Region  2018 gab es in Baden-Württemberg knapp 4500 Bewerbungen von Ärzten und Pflegekräften aus dem Ausland. Vor allem bei den Ärzten war die Anerkennungsquote sehr hoch.

Email
In Baden-Württemberg werden immer mehr ausländische Ärzte zugelassen. Foto: dpa

In Baden-Württemberg haben 2018 insgesamt 4489 Ärzte und Pflegekräfte aus dem Ausland einen Antrag auf die Anerkennung ihrer Berufsqualifikation gestellt. Dies ist ein neuer Höchststand der vergangenen Jahre. So gab es 2015 rund 1000 Anträge weniger. 2017 lag die Zahl mit 4224 noch rund sechs Prozent unter dem Wert von 2018.

Dies erklärte das Regierungspräsidium Stuttgart, das landesweit für die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen von Ärzten und Pflegekräften zuständig ist, gegenüber der Heilbronner Stimme.

Große Nachfrage ausländischer Pflegekräfte

Grund des Anstiegs ist vor allem die immer größer werdende Nachfrage ausländischer Pflegekräfte. Von ihnen gingen 2018 insgesamt 3209 Anträge ein. Dies ist eine Steigerung um mehr als 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, als es noch 2836 Pflegekräfte waren. Bei den Ärzten war die Zahl der ausländischen Anträge leicht rückläufig und reduzierte sich von 1388 im Jahr 2017 auf zuletzt 1280.

Lucha setzt auf Qualität

Aktuelle Situation

Laut der Landesärztekammer übten zum 31. Dezember 2018 insgesamt 50.173Ärzte in Baden-Württemberg ihren Beruf aus. In der ambulanten Versorgung arbeiteten zum Jahresende 2018 etwas mehr als 20.000 Ärzte, im stationären Bereich rund 25.000. Der Rest wird Behörden und sonstigen Bereichen zugeordnet. Rund 6300 Mediziner sind aus dem Ausland. Von diesen kommt wiederum mehr als die Hälfte aus den EU-Mitgliedsstaaten. Rund 1100 Mediziner sind aus Asien. 

Für Baden-Württembergs Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) steht die Qualität der ausländischen Bewerber im Vordergrund. "Dort, wo es Hürden gibt, bauen wir sie ab und verbessern die Verfahren, das zeigen auch die enormen Steigerungen bei der Erteilung von Approbationen und Erlaubnissen für die ausländischen Fachkräfte", erklärt Lucha.

Selbst bei den Ärzten gibt es immer mehr Zulassungen. Dies war 2018 bei 956 ausländischen Medizinern der Fall - also bei rund 75 Prozent der Bewerber. 2017 lag die Quote bei knapp 68 Prozent (907 Approbationen), 2016 noch bei rund 40 Prozent (676 Approbationen).

Jede zweite Pflegekraft wird zugelassen

"Unsere Aufgabe als Land ist es, unkomplizierte und fachlich hochwertige Verwaltungs- und Prüfungsverfahren bereitzustellen, damit wir gute Fachkräfte für die Gesundheitsversorgung unserer Bevölkerung gewinnen können", so Lucha. Bei den ausländischen Pflegekräften lag die Anerkennungsquote 2018 und 2017 bei 55 Prozent. Es wurden pro Jahr mehr als 1500 Bewerber zugelassen.

Kritik von Krankenhausgesellschaft

"Die ausländischen Ärzte lösen unsere Probleme nicht", erklärt Annette Baumer, Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG). Sie beklagt, dass die Anerkennungsverfahren zu viel Zeit benötigten. So würden sich ausländische Ärzte und Pflegekräfte zunehmend in anderen Bundesländern anerkennen lassen, wo es schneller gehe.

Laut einer aktuellen BWKG-Umfrage fällt es im Südwesten 75 Prozent der Krankenhäuser schwer, alle Arzt-Stellen zu besetzen. Bei den Pflegekräften liegt die Quote sogar bei 85 Prozent.


Kommentar: Heikles Thema

Um den Mangel an Ärzten und Pflegepersonal zu bekämpfen, werben Politik und Träger von Krankenhäusern sowie Pflegeeinrichtungen im Ausland schon länger massiv um Fachkräfte. Zuletzt war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) in dieser Mission in Mexiko unterwegs. Auch in Baden-Württemberg sind zumindest zahlenmäßig erste Erfolge sichtbar. Allerdings bleiben Fragen offen.

So liegt der Verdacht nahe, dass das Land − trotz anderslautender Beteuerungen − die Qualitätsanforderungen eher abgesenkt hat. Schließlich wurden in den vergangenen Jahren prozentual vom für ganz Baden-Württemberg zuständigen Regierungspräsidium Stuttgart immer weniger ausländische Ärzte abgelehnt. Umgekehrt heißt das: Immer mehr Bewerber erfüllen nicht nur die medizinischen Anforderungen, sondern haben auch die nötigen Deutschkenntnisse. Aus der Landesärztekammer ist jedoch die Kritik zu hören, vor allem das Erlernen der medizinischen Fachsprache sei für viele ausländische Ärzte ein großes Problem. Bei den Pflegekräften, wo die Kriterien im Vergleich zu Ärzten eher niedrigschwellig sind, wird hingegen jeder zweite Bewerber aus dem Ausland abgelehnt. Da hier die Bewerberzahlen deutlich höher sind, gehen die Verantwortlichen hier offenbar restriktiver vor.



Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Kommentar hinzufügen