Mehr als eine Milliarde Euro fürs Schienennetz im Südwesten

Stuttgart/Heilbronn  Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) präsentiert ein langfristiges Elektrifizierungskonzept für das Südwest-Schienennetz. Die Hohenlohebahn profitiert auch vom Ausbau.

Von Michael Schwarz

Regionalexpress
Noch sind auf vielen Strecken Dieseloks unterwegs. Foto: Archiv/dpa

Das Land will in den nächsten zwei Jahrzehnten nahezu das komplette Südwest-Schienennetz elektrifizieren. Die Kosten belaufen sich insgesamt auf weit mehr als eine Milliarde Euro. Den größten Teil übernimmt der Bund. Das Land wird sich mit mehreren Hundert Millionen Euro beteiligen.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) will den Ausbau in drei großen Stufen vorantreiben. Dies geht aus der Kabinettsvorlage zur Elektrifizierung des baden-württembergischen Schienennetzes hervor. Das Papier liegt der Heilbronner Stimme vor. Das Konzept soll am kommenden Dienstag im Kabinett verabschiedet und am Freitag danach von Hermann offiziell in Stuttgart vorgestellt werden.

95 Prozent des gesamten Schienennetzes nach Abschluss elektrifiziert

Sind die drei Ausbaustufen umgesetzt, wären "fast 3900 Kilometer und 95 Prozent des gesamten Schienennetzes in Baden-Württemberg elektrifiziert", schreibt Hermann in der Vorlage.

In einem ersten Abschnitt sollen größtenteils bis zum Jahr 2023 sechs Elektrifizierungsprojekte umgesetzt werden. Diese sind bereits in Bau oder in Planung. Dazu gehören die Schönbuchbahn (Böblingen nach Dettenhausen), die Breisgau S-Bahn im Raum Freiburg, die Südbahn (Ulm nach Lindau), die Allgäubahn (Memmingen nach Lindau), die Regionalstadtbahn Neckar-Alb und die Hochrheinbahn (Basel nach Singen). Hier werden insgesamt 514 Kilometer elektrifiziert. Das sind zwölf Prozent des gesamten Schienennetzes.

Hohenlohebahn soll bis zum Jahr 2025 elektrifiziert sein

Die zweite Tranche soll bis zum Jahr 2025 komplett elektrifiziert sein. Dazu zählen die Hohenlohebahn zwischen Öhringen und Schwäbisch Hall, die Zollernbahn (Albstadt nach Sigmaringen), der Ringzug Schwarzwald-Baar-Heuberg, die Nagoldtalbahn (Horb nach Nagold), die Hermann-Hesse-Bahn (Calw nach Weil der Stadt) und die Bodenseegürtelbahn (Radolfzell nach Friedrichshafen). Hier soll die Quote um weitere fünf Prozent gesteigert werden.

Die dritte Gruppe umfasst die langfristigen Projekte, mit denen weitere 687 Kilometer dazukommen. Zu dieser Gruppe zählen die Donautalbahn (Ulm nach Tuttlingen), die Taubertalbahn (Crailsheim nach Wertheim) und die Brenzbahn (Aalen nach Ulm). Eine Realisierung der dritten Gruppe kann allerdings erst nach 2030 umgesetzt werden, heißt es in der Kabinettsvorlage Hermanns.

Hintergrund des Konzeptes ist, dass sich Grün-Schwarz im Koalitionsvertrag auf eine Elektrifizierungsoffensive geeinigt hat. Baden-Württemberg besitzt aktuell ein Schienennetz von rund 4100 Streckenkilometern. Knapp 2500 Streckenkilometer oder rund 60 Prozent des Netzes sind elektrifiziert.