Mehr Asylanträge von Türken in Deutschland

Stuttgart  Immer mehr türkische Flüchtlinge suchen Asyl in Baden-Württemberg. 392 Türken suchten alleine in den letzten sechs Monaten im Südwesten Zuflucht. Die Türkische Gemeinde vermutet, dass viele Türken wegen der veränderten politischen Lage ihr Land verlassen.

Von Michael Schwarz

Immer mehr Flüchtlinge aus der Türkei kommen nach Baden-Württemberg. Im ersten Halbjahr 2017 haben 392 türkische Staatsbürger einen Asylantrag im Südwesten gestellt. Dies erklärte das Stuttgarter Innenministerium auf Anfrage der „Heilbronner Stimme“. Damit hat die Zahl türkischer Flüchtlinge im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2016 – während dieses Zeitraums stellten 354 Personen einen Asylantrag – um mehr als zehn Prozent zugenommen. Laut einer Sprecherin des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) wird jedoch nur etwa jeder vierte Asylantrag genehmigt. „Die Gesamtschutzquote für Menschen aus der Türkei beträgt zurzeit 23,2 Prozent“, sagte die Sprecherin.

Für Gökay Sofuoglu, Landesvorsitzender der Türkischen Gemeinde, liegen die Fluchtursachen vor allem an der veränderten politischen Situation in der Türkei. „Nach dem Referendum in der Türkei haben sich viele dafür entschieden, die Türkei zu verlassen. Gerade Akademiker, die in der Türkei für ihre Arbeit keine Basis mehr finden, gehen ins Ausland“, sagte Sofuoglu im Gespräch mit der „Heilbronner Stimme“. In der Türkei droht auch Wissenschaftlern und Intellektuellen nach den jüngsten Reformen von Präsident Recep Tayyip Erdogan Verfolgung und Haft.

Deutschlandweit haben in der ersten Jahreshälfte 2017 mehr als 3000 Türken Asyl beantragt.

 


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