Marion Schick ist gerne die Nummer eins

Stuttgart - Als Frau unter Männern ein Spitzenamt zu bekleiden, ist für Marion Schick nichts Ungewöhnliches. Der Mutter eines 18-jährigen Sohnes und einer Tochter im Teenager-Alter ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Anliegen, allerdings nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer.


Stuttgart - Als Frau unter Männern ein Spitzenamt zu bekleiden, ist für Marion Schick nichts Ungewöhnliches. Die studierte Diplom-Handelslehrerin und promovierte Wissenschaftlerin wurde im Jahr 2000 als erste Frau in den Chefsessel einer bayerischen Hochschule berufen; im Alter von 42 Jahren wurde sie Präsidentin der Fachhochschule München, mit fast 1300 Studenten eine der größten ihrer Art. Im Oktober 2008 dann der nächste Karriereschritt: Sie wurde als erste Frau in den Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft in München aufgenommen. Sie zeichnete dort verantwortlich für den Bereich Personal, Recht sowie Patente und Lizenzen. Künftig soll die 51-jährige als Kultusministerin in der Regierung von Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) für neuen Schwung sorgen.

Der Mutter eines 18-jährigen Sohnes und einer Tochter im Teenager-Alter ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein Anliegen, allerdings nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer. Die dunkelhaarige Frau mit Kurzhaarschnitt ist Vorsitzende der Sachkommission für den Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Wie sie eigentlich den Spagat zwischen Karriere und Familienleben schafft, ist angesichts der Vielfalt ihres Engagements ein Rätsel. Neben ihrer Vorstandsposition bei Fraunhofer hat die gebürtige Oberbayerin eine Reihe von Verpflichtungen, so unter anderem als Mitglied des Kuratoriums des Deutschen Museums in München und der Technischen Universität München sowie als Vizechefin des Kuratoriums der Münchner Volkshochschule.

Direkte Berührungspunkte mit der Politik ergaben sich für sie als Mitglied des Wissenschaftlich-Technischen Beirats der Bayerischen Staatsregierung und der Zukunftskommission Bayern 2020. Sie wirkte auch wesentlich an einem Papier für eine umfassende Schulreform in Bayern mit.

Obwohl Schick aus einem Bundesland kommt, das noch strikter das dreigliedrige Schulsystem vertritt als Baden-Württemberg, könnte sie offen sein für unkonventionelle Schritte. So sagte die mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnete Frau in einem Interview auf die Frage, welche Arbeitnehmer bei Fraunhofer richtig aufgehoben sind: Solche, die Lust an gesellschaftlichem Fortschritt haben, die Freiraum schätzen, der zum Denken einlädt. Sie riet: „Kommen Sie nicht, wenn sie klare Vorhaben haben wollen (...) und Dienst nach Vorschrift tun möchten.“ Dies könnte Lehrer, Schüler und Eltern auf neue Wege in der Bildungspolitik hoffen lassen. dpa