Ludwigshafen schickt Oldtimer auf die Schiene

Ludwigshafen  Wegen Bauarbeiten sind in Ludwigshafen uralte Straßenbahnen aus den 60ern unterwegs. Wie man sie fährt, mussten einige jüngere Fahrer erst lernen. Und auch äußerlich bekamen die Bahnen eine komplette Erneuerung.

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Geräuschvoll faltet sich die Straßenbahntür zur Seite, Menschen steigen über eine kleine Treppe aus und verschwinden Richtung Hauptbahnhof. Was an diesem Morgen an der Haltestelle steht, ist keine gewöhnliche Straßenbahn, sondern ein eigentlich längst ausgemustertes Modell vom Typ Duewag GT6. Ein Zug, der in jedem Eisenbahnmuseum gut aufgehoben wäre. Die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH (RNV) hat den Oldtimern neues Leben eingehaucht und setzt sie seit Jahresbeginn auf einer Linie in Ludwigshafen ein.

Frischer Lack, ansonsten ist alles wie früher: Durch Mannheim und Ludwigshafen fahren wieder alte Duewag-Züge. Foto: rnv GmbH

Der Nahverkehr in der Stadt und in Mannheim wurde in den vergangenen Monaten komplett umgekrempelt. Der Grund ist die Hochstraße Süd in Ludwigshafen, eine von zwei Verbindungen, die als Zubringer auf eine Brücke über den Rhein nach Mannheim führt. Weil die Hochstraße marode und einsturzgefährdet ist, dürfen Straßenbahnen seit kurzem nicht mehr drunter durchfahren. Der Fahrplan musste neu geordnet werden, jetzt fahren alle Bahnen über die zweite Brücke im Norden der Stadt. Ein paar Linien mussten aufgeteilt werden, weshalb ein paar Züge mehr gebraucht wurden.

Uralt-Bahnen dienten nur noch als Ersatzteillager

Dabei fiel der Blick auf die drei Oldtimer, die in einer Halle im Betriebshof der RNV ihr Dasein als Ersatzteillager fristeten. Gebaut wurden sie 1962 von Duewag, der Düsseldorfer Waggonfabrik AG. Die sechsachsigen Gelenktriebwagen (GT6) verkauften sich gut und fuhren eine Zeitlang durch ganz Westdeutschland. In Mannheim und Ludwigshafen waren sie etwa ab den 65er-Jahren unterwegs.

Um die Jahrtausendwende mussten die Duewag-Wagen modernen Bahnen weichen und waren nur noch zu den Hauptverkehrszeiten im Einsatz. Einige wurden nach Osteuropa verkauft oder verschrottet. Die drei verbliebenen Exemplare stehen seit 2010 im Betriebshof, geschützt vor Wind und Wetter. Auch sie wären irgendwann verschrottet worden. "Sie sollten jedenfalls ursprünglich nicht mehr in Betrieb genommen werden", erklärt RNV-Sprecher Florian Benz.

Der Rost kam weg und neuer Lack drauf

Doch es kam anders. Die drei Wagen wurden von innen und außen aufgemotzt. Neue Elektrik und Kabel wurden verbaut, die Funkanlage erneuert. An einem Zug wurde der Antrieb repariert. Außerdem entfernten die Mechaniker einigen Rost. Zu guter letzt bekamen alle drei Züge einen neuen Lack. Jetzt erstrahlen sie in weiß mit blau-orangen Streifen, den Farben des Verkehrsunternehmens. "Es war schon viel Arbeit", sagt Benz. "Aber die Bahnen waren nicht in einem Zustand, in dem es sich nicht mehr gelohnt hätte."

Hier wird gekurbelt: Während heute ein Hebel die Geschwindigkeit elektrisch regelt, funktioniert das bei den Duewag-Zügen noch mechanisch. Foto: rnv GmbH

Mit der Renovierung der Technik war es aber nicht getan. Mehrere Fahrer mussten geschult werden, um die alten Wagen zu fahren. Denn die Beschleunigung der Duewags funktioniert noch mechanisch. Per Kurbel wird eingestellt, wie schnell das Fahrzeug fahren soll oder wann es bremsen muss. Bei modernen Bahnen wird die Geschwindigkeit mit einem Hebel (Sollwertgeber) elektronisch geregelt.

Klimaanlage? Gibt es nicht!

Eine Woche haben Straßenbahnfahrer mit den Zügen trainiert. "Einige ältere Fahrer kannten die Bahnen sogar noch", sagt Benz. Überhaupt sei der Nostalgie-Faktor hoch. "Es gibt sehr viele Bahnfreunde da draußen, die sich über die alten Wagen freuen." Einer von ihnen ist Moritz Krähe. "Die Altwagen bringen mehr Kapazität auf das Netz." Als Kind hat er es nie geschafft, mit den Duewag-Zügen zu fahren. "Ist schon schön, das jetzt nachholen zu können."

Wie lange die Oldtimer-Bahnen noch im Einsatz sind, ist offen. "Das Alter sorgt dafür, dass alles ein bisschen mehr verschleißt", sagt Benz. Auch eine Klimaanlage ist nicht verbaut. Komplett neue Züge bekommt die RNV erst Ende 2021.


Hintergrund

Die drei alten Duewag-Züge fahren auf der Linie 7 durch Ludwigshafen, von Friesenheim nach Oppau. Sie sollen dort den Zehn-Minuten-Takt verstärken. Eigentlich würde die Linie über den Rhein nach Mannheim führen. Das war aufgrund der Sperrung der Hochstraße Süd jedoch nicht mehr möglich. Die Hochstraße führt über den Rhein nach Mannheim und ist eine zentrale Verbindung zwischen beiden Metropolen. Weil sie einsturzgefährdet ist, können Bahnen seit Ende November 2019 nicht mehr drunter durchfahren und müssen einen Umweg über die nördliche Brücke nehmen. Auch sie ist marode und sollte eigentlich abgerissen werden.

 


Christoph Donauer

Christoph Donauer

Autor

Christoph Donauer kümmert sich bei der Stimme um alles, was in Heilbronn, Deutschland und der Welt los ist. Seit 2019 ist er Redakteur für Politik und Wirtschaft. Davor war er als Journalist in Berlin, Brüssel, Dänemark und Stuttgart unterwegs.

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