Lotto sucht neue Wege zu den Spielern

Stuttgart  Die Zahl der Annahmestellen für Lottoscheine sinkt seit Jahren. Nun braucht Lotto einen Strategiewechsel und rückt seine Onlineangebote stärker in den Fokus. Den Spielern werden mehr Millionengewinne versprochen.

Von Peter Reinhardt
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Lotto sucht neue Wege zu den Spielern

Foto: dpa

Die staatlichen Lottogesellschaften wollen über Angebote im Internet neue Kunden gewinnen. "Das Wachstum im Glücksspiel geht an den staatlichen Anbietern vorbei", erklärte der baden-württembergische Toto-Lotto-Chef Georg Wacker am Mittwoch in Stuttgart. Neue Wege zu den Tippern sind auch notwendig, weil die Zahl der Annahmestellen seit Jahren sinkt. Zugleich wollen die Lottoanbieter die Zahl der Millionengewinne steigern, um den Spielern die für September geplante Preiserhöhung bei 6 aus 49 um 20 Prozent schmackhaft zu machen. Wacker: "Ob das akzeptiert wird, hängt von den Vorteilen für die Kunden ab."

Wacker zog für das zu Ende gegangene Jahr eine gemischte Bilanz. Der Umsatz im Südwesten ist um ein Prozent auf 978 Millionen Euro gefallen, vor allem durch Rückgänge beim Eurojackpot. Gleichzeitig wurden in Baden-Württemberg 23 Millionengewinne ausgelost, so viele wie seit 2011 nicht mehr.

Damit wohnt fast jeder fünfte neue deutsche Lotto-Millionär im Land. Obwohl er nach eigenen Worten "alles in allem mit der Geschäftslage zufrieden ist", sprach Wacker von einem "sehr schwierigen Markt". Dazu verweist er auf die wachsende Konkurrenz durch die illegalen privaten Onlineanbieter. Nur die würden aktuell vom wachsenden Glücksspielmarkt profitieren.

Lotto setzt auf die Onlinevermarktung der Produkte

"Onlineangebote sind attraktiv für Jüngere", sagte Wacker. Diesen Vertriebsweg wollen die staatlichen Anbieter deshalb ausbauen. Derzeit läuft ein Antrag, dass Rubbellose über das Internet verkauft werden dürfen. Ein knappes Zehntel der Umsätze machte Lotto Baden-Württemberg dort im vergangenen Jahr. Das Plus von 13,5 Prozent reicht dem Geschäftsführer nicht: "Wir wollen unsere Produkte stärker online vermarkten."

Ein weiterer Grund für diese Strategie ist die schrumpfende Zahl von Annahmestellen für die Lottoscheine. Von den 3700 Läden Anfang des Jahrtausends sind 3138 übrig. Um die Stammkunden zu halten, wurden Lotto-Quick-Annahmestellen mit einem reduzierten Angebot an acht Orten getestet. Dort sollen die Spieler "im Vorbeigehen" ihre Tippscheine abgeben können. "Wir werten gerade die Ergebnisse aus und schauen, ob sich das Modell eignet."

Eine Million Euro für sechs Richtige

Im Blick auf die laufende Überarbeitung des Glücksspielstaatsvertrags forderte Wacker von der Politik, härter gegen illegale Anbieter vorzugehen. Deren Umsätze seien in Deutschland im Jahr 2018 auf 2,6 Milliarden Euro gestiegen, knapp ein Fünftel des gesamten Glücksspielmarktes. Dabei seien Onlinecasinos in Deutschland illegal. "Es kann nicht sein, dass die Politik nichts tut", sagte der Lotto-Manager. Die Aufsicht brauche auch in Baden-Württemberg zusätzliches Personal, zur effektiveren Kontrolle sei eine länderübergreifende Behörde notwendig.

Bundesweit wollen die Lottogesellschaften in diesem Jahr ihren Klassiker 6 aus 49 attraktiver machen. "Mit einem neuen Gewinnplan wollen wir mehr Millionäre bekommen und höhere Ausschüttungen in den oberen Gewinnklassen", sagte Georg Wacker. Wer sechs Richtige hat, soll in der Regel eine Million gewinnen. Dafür sei geplant, die Ausschüttungen bei vier oder weniger Richtigen zu schrumpfen.

Das Konzept werde demnächst beim Regierungspräsidium Karlsruhe zur Genehmigung eingereicht. Mitte September soll die Umstellung zusammen mit der Preiserhöhung von 1 auf 1,20 Euro pro Tipp realisiert werden.


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