Lotto-Chef sieht Lotteriemonopol in Gefahr

Heilbronn  Millionen Menschen in Baden-Württemberg spielen jede Woche Lotto. Doch Georg Wacker, Baden-Württembergs Lotto-Geschäftsführer, sieht das lukrative Geschäft in Gefahr.

Von Christoph Donauer

Lotto-Chef will alleine spielen

Private Online-Lotterien sieht Baden-Württembergs Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker kritisch. Im Gegensatz zur staatlichen Lotto-Gesellschaft würden diese ihre Gewinne nicht in gemeinnützige Zwecke investieren.

Foto: Andreas Veigel

 

Mit einer Million Euro würde sich Baden-Württembergs Lotto-Geschäftsführer Georg Wacker einen Steinway-Flügel kaufen. Vor zwei Wochen hat er dafür zuletzt einen Spielschein ausgefüllt. "Ich spiele gelegentlich, aber regelmäßig."

Millionen Menschen in Baden-Württemberg tun es ihm jede Woche gleich. 494,7 Millionen Euro haben die Lottospieler im ersten Halbjahr auf den Jackpot gesetzt. 2017 waren es am Jahresende 933,2 Millionen Euro. 40 Prozent davon fließen direkt in den Jackpot, aus dem die Gewinne ausgeschüttet werden. Der überwiegende Rest wird in den Wettmittelfonds eingezahlt.

Aus diesem fließen Millionengelder in Sport, Kultur und Denkmalschutz. "Im Schnitt reichen wir jeden Tag eine Million Euro an das Land Baden-Württemberg weiter", sagt Wacker.

Die Spieler gewinnen, Lotto verdient und das Land profitiert

Doch Georg Wacker sieht das lukrative Geschäft in Gefahr: "Wir haben es mit einem hart umkämpften Markt in Deutschland zu tun." Eigentlich dürfen per Gesetz nur die staatlichen Lotto-Gesellschaften die Tippspiele anbieten dürfen. Das sogenannte Lotteriemonopol ist im Glücksspielstaatsvertrag festgehalten und macht strenge Vorgaben, etwa um Spielsucht vorzubeugen und Jugendliche zu schützen.

Anbieter mit Sitz im Ausland würden sich jedoch nicht an diese Vorgaben halten, kritisiert Wacker: "Diese Unternehmen würden vermutlich nie auf den Gedanken kommen, ihre Gewinne für gemeinnützige Zwecke in Baden-Württemberg oder Deutschland einzusetzen." Dass die Spieler dort zudem jederzeit im Netz und per App spielen können, bedeute ein hohes Suchtpotenzial.

Deshalb fordert der Lotto-Chef, dass die Glücksspiel-Aufsicht, die die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert, mit mehr Personal ausgestattet wird, etwa um mehr Kontrollen im Internet durchzuführen. Für ganz Baden-Württemberg sind derzeit sieben Mitarbeiter zuständig.

Im Oktober könnte der 56-Jährige seine Vorschläge umsetzen. Dann wollen die Bundesländer den Glücksspielstaatsvertrag erneuern. Wacker fordert, dass die Lottogesellschaften dann bundesweit stärker zusammenarbeiten: "Wir brauchen eine zentrale Glücksspielaufsicht, die eine Bündelung im Online-Bereich vornimmt." Bisher würden die Behörden vor allem abseits des Internets kontrollieren, etwa in Lotto-Annahmestellen.

"Wir sind mit Oddset nicht im Plus."

Am liebsten wäre es Georg Wacker, wenn die neue Aufsicht in Baden-Württemberg sitzt: "Das hätte den Vorteil, dass wir hier kein ansässiges privates Unternehmen haben, das den Glücksspielmarkt dominieren könnte. Ein Standort in Baden-Württemberg wäre daher gut vorstellbar als neutraler Standort, um die zentrale Online-Aufsicht vorzunehmen."

Allerdings sieht Wacker die Gefahr, dass das Monopol der Lottogesellschaften aufgeweicht werden könnte. Bei Sportwetten sind private Anbieter bereits erlaubt, testweise bis nächstes Jahr. Sie dürfen Tippspiele auch online anbieten, im Gegensatz zu Oddset, der Lotto-Sportwette, die nur am Kiosk gespielt werden darf. Eine harte Konkurrenz, so Wacker: "Wir sind mit Oddset nicht im Plus."

Schleswig-Holstein wolle Online-Kasinos nun nach diesem Vorbild erlauben. Wacker befürchtet dabei einen Domino-Effekt: "Wenn dieses Verbot fallen sollte, bliebe am Ende nur noch das Lotterie-Monopol. Dann ist es irgendwann nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das fällt." Wenn künftig auch bei privaten Anbietern getippt wird, würde das ein Loch in die Landeskasse reißen, warnt der Lotto-Chef: "Dadurch müsste man mit drastischen Einnahme-Einbußen für das Land Baden-Württemberg rechnen."


In Zahlen

85 Euro gibt jeder Lottospieler in Baden-Württemberg im Jahr für Spielscheine aus. In Heilbronn sind es ebenfalls 85, im Landkreis 74 und in Hohenlohe 71 Euro. 2017 flossen 41,9 Millionen Euro aus der Region. Den letzten Millionengewinn gab es 2016 in Heilbronn mit 13,5 Millionen Euro. Aus dem Wettmittelfonds unterstützt Lotto etwa das Württembergische Kammerorchester Heilbronn (565.700 Euro), den Blauen Turm in Bad Wimpfen (vier Mal 200.000 Euro), die Red Devils oder die Neckarsulmer Sport-Union.

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