Landtag beschließt neue Altersversorgung für Abgeordnete

Stuttgart  Jetzt ist es beschlossene Sache: Landtagsabgeordnete können im Alter wieder in den Genuss einer lukrativen Staatspension kommen. Daran ändert auch die große Kritik von Verbänden nichts.

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Landtag Baden-Württemberg
Trotz massiver Kritik will der Landtag eine Neuregelungen für die Altersversorgung. Foto: M. Murat

Ungeachtet massiver Kritik hat der Landtag die umstrittenen finanziellen Neuregelungen für Abgeordnete beschlossen. Die Politiker haben nach dem Votum vom Freitag wieder die Möglichkeit, im Alter staatliche Pensionen zu bekommen. Für die Neuregelung zur Altersversorgung stimmten Grüne, CDU und SPD. Dagegen votierten die FDP und die Alternative für Deutschland (AfD). Der SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler enthielt sich.

Junge Abgeordnete sahen sich benachteiligt

Nach einer 2008 beschlossenen und 2011 in Kraft getretenen Regelung mussten sich Abgeordnete selbst um ihre Altersvorsorge kümmern. Dafür können sie eine Pauschale in Anspruch nehmen. Vor allem junge Abgeordnete sehen sich damit aber deutlich benachteiligt im Vergleich zu ihren älteren Kollegen, die staatliche Pensionen bekommen werden. Die nun beschlossene Neuregelung gibt den Abgeordneten eine Wahlfreiheit zwischen privater Vorsorge und den lukrativeren staatlichen Pensionen.

Daran übt unter anderem der Steuerzahlerbund scharfe Kritik. Er spricht von einer „Luxus-Altersversorgung“. Zudem stieß das Gesetzgebungsverfahren auf großes Missfallen: Die Pläne waren durch Berichte in den Medien bekanntgeworden und erst am Dienstag öffentlich vorgestellt worden. Am Donnerstag wurden sie in den Landtag eingebracht und knapp diskutiert, am selben Tag im Ausschuss beraten und am Freitag ohne erneute Aussprache beschlossen.

Kritiker fordern Kürzung der Diäten

Befürworter der Neuregelung argumentieren, dass die Anforderungen an die Arbeit der Abgeordneten gestiegen seien und die Arbeit im Parlament für alle Bevölkerungsschichten attraktiv bleiben müsse. Kritiker führen an, dass auch den Bürgern zugemutet werde, in Zeiten niedriger Zinsen selbst privat vorzusorgen. Abgeordnete dürften davon nicht ausgenommen werden. Zudem beinhaltete das vom Landtag im Jahr 2008 beschlossene Paket auch eine Anhebung der Diäten um ein Drittel, um den Abgeordneten eine private Vorsorge zu ermöglichen. Wenn es nun ein Zurück zur staatlichen Altersvorsorge gebe, müssten eigentlich auch die Diäten wieder nach unten korrigiert werden, meinen Kritiker.

Ebenfalls beschlossen wurde am Freitag, das Budget der Abgeordneten für eigene Mitarbeiter von 5409 auf 10 438 Euro im Monat anzuheben. Auch wird die steuerfreie Kostenpauschale von 1548 Euro auf 2160 Euro im Monat erhöht. Für diese Punkte stimmten Grüne, CDU, SPD und auch die FDP. Die AfD votierte dagegen. Unverändert bleiben die Diäten der Abgeordneten, die derzeit 7616 Euro im Monat betragen.


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