Land will 20 Millionen Euro in Wasserstoffbusse investieren

Stuttgart  In der Rhein-Neckar-Region startet ein Leuchtturmprojekt: 40 Brennstoffzellenbusse sollen in Heidelberg und Mannheim angeschafft werden. Die baden-württembergische Landesregierung will das Vorhaben mit 20 Millionen Euro unterstützen.

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20 Millionen Euro für Wasserstoffbusse

Die grün-schwarze Landesregierung will in ein Wasserstoffmodellprojekt in der Rhein-Neckar-Region investieren. Dabei sollen für rund 100 Millionen Euro mit Wasserstoff betriebene Busse sowie Wasserstofftankstellen angeschafft werden.

Foto: dpa

Die grün-schwarze Landesregierung will in der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie vorangehen und plant die Förderung eines großen Projektes in der Region Rhein-Neckar. Dort sollen 20 Millionen Euro Landesmittel zur Anschaffung von Wasserstoffbussen und zur Einrichtung von Wasserstofftankstellen investiert werden. Dies geht aus einer Kabinettsvorlage von Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) hervor.

"Mit Landesmitteln in Höhe von 20 Millionen Euro soll insbesondere die Umstellung des ÖPNV in den Städten Mannheim und Heidelberg auf emissionsfreie Fahrzeuge gefördert werden", schreibt Untersteller in dem Konzept, das der Heilbronner Stimme vorliegt.

Investitionsvolumen in Höhe von rund 100 Millionen Euro

Die Landesregierung unterstützt damit ein Modellprojekt der Metropolregion Rhein-Neckar, das mit einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 100 Millionen Euro angelegt ist. Zuvor hatte bereits der Bund seine Unterstützung mit ebenfalls 20 Millionen Euro zugesagt. Hintergrund ist, dass das Vorhaben mit dem Namen "H2Rivers" in einem Wettbewerb als eines von bundesweit drei Leuchtturmprojekten ausgewählt wurde - und sich dadurch auch die finanzielle Unterstützung aus Berlin sicherte.

Der Bund wollte mit dem Wettbewerb dazu beitragen, Wasserstoff als Energieträger im Verkehrssektor durch die Nutzung regionaler Synergien wettbewerbsfähig zu machen. Die restlichen 60 Millionen Euro müssen die Projektträger - zu denen in der Modellregion neben ÖPNV- auch Abfallwirtschaftsbetriebe gehören - selbst beisteuern.

Bedeutung von Wasserstoff

Untersteller schreibt in der Kabinettsvorlage, das stark wachsende Interesse an Wasserstoff zeige, "welche Bedeutung ihm als emissionsfreier Energieträger der Zukunft zugesprochen wird". Mit dem Projekt "H2Rivers", das Teil des Strategiedialogs Automobilwirtschaft der grün-schwarzen Landesregierung ist, sollen laut dem Grünen-Politiker "die Potenziale der Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie zwischen Rhein und Neckar dargestellt werden".

Vorgesehen ist, dass die Rhein-Neckar-Verkehr GmbH als Betreiber des öffentlichen Nahverkehrs in den Städten Mannheim, Heidelberg und Ludwigshafen insgesamt 40 Brennstoffzellenbusse anschafft. Dazu sollen die Betriebsstellen in Mannheim und Heidelberg jeweils eine Wasserstofftankstelle erhalten.

Forschung in Ulm

Nachdem die Batterieforschungsfabrik des Bundes nicht nach Ulm gekommen ist, investiert das Land dort in die Entstehung einer Forschungsfabrik für Brennstoffzellen. Ziel ist es, Brennstoffzellenprodukte serientauglich und günstiger zu machen. Zur Realisierung ist ein Investitionsvolumen von etwa 74 Millionen Euro nötig. Im Rahmen des Strategiedialogs Automobilwirtschaft wird die Landesregierung bis zu 18,5 Millionen bereitstellen. Außerdem soll die Industrie mit etwa 20 Millionen Euro einsteigen. Auch der Bund will sich beteiligen.

Reinhart: Nicht jeder kann sich ein Elektroauto leisten

Baden-Württembergs CDU-Landtagsfraktionschef Wolfgang Reinhart erklärt auf Anfrage, Elektrofahrzeuge alleine seien nicht das Allheilmittel. "Nicht jeder kann sich ein teures Elektroauto mit eigener Ladestation zuhause leisten. Wir wollen, dass die aktuell zu einseitige Fokussierung auf die Batterie erweitert wird", so der CDU-Politiker. Gerade synthetische Kraftstoffe oder auch Wasserstoff würden enorme Chancen bieten.

"Nur, wenn wir technologieoffen sind, können wir den technischen und innovativen Vorsprung halten, den wir noch haben. Gerade China ist dabei, uns hier der Rang abzulaufen", so Reinhart weiter. Das Wasserstoffprojekt in der Rhein-Neckar-Region hat eine Laufzeit von 2020 bis 2023. Starten mit der Umsetzung wollen die Projektpartner vor Ort in der zweiten Hälfte dieses Jahres.

Beschluss am 10. März geplant

Der grün-schwarze Ministerrat will dem Vernehmen nach in seiner Sitzung am 10. März grünes Licht für den Landeszuschuss geben. Das Projekt soll zudem wissenschaftlich begleitet werden, um neue Erkenntnisse bei der Wasserstoffforschung zu erhalten.


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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