Land sucht Parkplätze für Lkw

Stuttgart  Das Land will an den Autobahnen mehr Lkw-Stellplätze schaffen. Dazu sucht das Stuttgarter Verkehrsministerium per öffentlicher Ausschreibung Firmen, Kommunen oder Privatpersonen, die bereit sind, ihre Flächen für Lkw-Stellplätze zur Verfügung zu stellen.

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An Autobahnen gibt es oft nicht genügend Parkplätze für LKWs. Foto: dpa

Die Stellplätze sollen in der Regel vom Land angemietet werden. Die Höhe der Investitionen hängt von der Zahl der Angebote ab. In dem Konzept ist vorgesehen, dass die Straßenbauverwaltung die Flächen zu Lkw-Stellplätzen umbaut − und hierfür alle Kosten übernimmt.

"Wir arbeiten mit Hochdruck daran, neue, zusätzliche Lkw-Stellplätze zu schaffen", erklärt Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne).

Bis 2025 fehlen 2300 Stellflächen

Momentan gibt es in Baden-Württemberg rund 6650 Lkw-Stellplätze. Laut einer Erhebung des Bundes fehlen im Südwesten bis zum Jahr 2025 jedoch mehr als 2300 Stellflächen. "Die Not der Lkw-Fahrer bei der Parkplatzsuche ist groß", sagt Hermann. Mit der Ausschreibung wolle das Land das Parkplatzangebot ohne weitere Flächenversiegelungen ausweiten und zugleich "eine soziale Tat für Lkw-Fahrer umsetzen", so der Grünen-Politiker. Laut Verkehrsministerium habe das Land in jüngster Vergangenheit pro Jahr mehr als 120 Stellplätze neu geschaffen, unter anderem durch Erweiterungen bei Rastanlagen.

Lenkzeiten

Nach Schätzung des Bundesverbands Güterkraftverkehr und Logistik (BGL) sind auf Deutschlands Straßen rund 500.000 einheimische Lastwagen und mindestens 300.000 ausländische Lkw unterwegs − Tendenz steigend. Die rund 51.000 Lkw-Parkmöglichkeiten an den Autobahnen reichen laut BGL bei weitem nicht aus. Zehntausende zusätzliche Stellplätze seien nötig, damit Fahrer die gesetzlichen Ruhezeiten einhalten können.
dpa

In jüngster Vergangenheit kam es immer wieder zu Unfällen mit Lkw an Rastplätzen. Im Juni dieses Jahres raste ein Reisebus auf der A5 nahe Karlsruhe in einen Lkw, der wegen einer blockierten Parkplatzeinfahrt warten musste. Auf der A6 bei Bad Rappenau fuhr im Januar 2018 ein Auto in ein Begleitfahrzeug eines Schwertransporters, das vor einem dichten Rastplatz stehen blieb.

Der Verband Spedition und Logistik Baden-Württemberg sieht das Vorhaben skeptisch. "Der Bund hätte genug Geld für Parkplätze, aber die Kommunen weigern sich, Flächen zu verkaufen", sagt Vize-Präsident Roland Rüdinger aus Krautheim. Auch beim Engagement von Privaten oder Unternehmen sei er skeptisch. Ihn ärgere es, dass die Speditionen gut 18 Cent Maut pro Kilometer zahlen müssen, der Staat aber nicht für ausreichend Parkplätze sorge.

Klare Kriterien

Kritik übt auch Brigitte Dahlbender, Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). "Das Vorgehen des Verkehrsministeriums ist völlig unkoordiniert", so Dahlbender. Bei der Vergabe vermisse sie klare Kriterien. So sollten neue Lkw-Stellflächen nicht am Rand von Naturschutzgebieten sein. Zudem solle vermieden werden, dass Laster auf dem Weg zum Stellplatz durch Ortschaften fahren müssten.


Kommentar: Klarheit gefragt

Verkehrsminister Hermann will mehr Lkw-Parkplätze an Autobahnen schaffen. Das Vorhaben ist sinnvoll, wirkt aber noch undurchdacht. Zunächst setzt Hermann den Hebel an der richtigen Stelle an, denn die Situation ist für die Lkw-Fahrer nicht mehr tragbar. Volle Straßen, knappe Lieferzeiten und die Einhaltung der gesetzliche Ruhezeiten führen dazu, dass für sie jede Minute zählt. Gerade die Ruhezeiten sind nicht nur für den Fahrer selbst wichtig, sondern auch für die Sicherheit der Allgemeinheit. Doch wegen des zunehmenden Lieferverkehrs in den vergangenen Jahren sind die Stellplätze immer knapper geworden. Ohne Stellplatz keine Ruhezeit. So einfach geht die Gleichung der Trucker. Wenn diese dann auf nicht ausgewiesenen Plätzen am Rande von Rasthöfen parken, ist dies ein weiteres Sicherheitsrisiko.

Doch beim Vorhaben Hermanns sind noch viele Fragen offen. Gibt es genügend Interessenten, die entsprechende Flächen ans Land verpachten wollen? Wie soll die Schaffung neuer Parkplätze für Mehrtonner ohne weitere Flächenversiegelungen − was Hermann will − möglich sein? Oder sollen gar Wiesenflächen von Privatpersonen in Stellplätze umgewandelt werden? Da die Bewerbungsfrist nur bis Ende 2019 geht, sollte Hermann hier zeitnah für Klarheit sorgen.


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

Jürgen Paul

Jürgen Paul

Stv. Leiter Politikredaktion

Jürgen Paul arbeitet seit 1998 bei der Heilbronner Stimme. Der gebürtige Pfälzer widmet sich der regionalen und überregionalen Wirtschaft, Schwerpunkte sind das Handwerk, die Bankenbranche, der Arbeitsmarkt und die Konjunktur.

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