Kommentar: Große Defizite in Sachen Betreuungsplätze

Kommentar  Bei der Kinderbetreuung kann die Politik mit der Entwicklung in der Gesellschaft nicht Schritt halten. Die von politischen Akteuren gerne ins Schaufenster gestellte Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt oft nur ein Wunschdenken.

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Steigende Geburtenraten, stärkerer Zuzug − dies sind die zentralen Gründe dafür, dass die Zahl der Kinder deutlich höher ist als noch vor einigen Jahren prognostiziert. Zudem wollen Eltern den Anschluss im Berufsleben nicht verpassen oder müssen beide aus finanziellen Gründen schnell wieder arbeiten. Dies alles führt zur aktuellen Situation: Die Zahl der Betreuungsplätze − sei es für Drei- bis Sechsjährige oder auch bei Kleinkindern bis zu drei Jahren − reicht vor allem in urbanen Regionen bei Weitem nicht aus.

Zudem finden die Kommunen aufgrund des überhitzten Immobilienmarkts oft keine Bauunternehmen mehr, die in kurzer Zeit neue Einrichtungen hochziehen können. Außerdem verschärft der Personalmangel die Situation. Gerade in den Städten wirken hohe Lebenshaltungskosten und Mieten auf Erzieherinnen eher abschreckend. Als Folge müssen Eltern auch im Südwesten vielerorts für einen Kita-Platz längere Anfahrtswege in Kauf nehmen − oder den Berufseinstieg nach hinten schieben, weil man nur auf der städtischen Warteliste landet.

Dass die Südwest-Kommunen für einen gewissen Zeitraum die Gruppengröße in Kitas leicht erhöhen wollen, ist sinnvoll. Der verstärkte Personalbedarf könnte durch den Einsatz von externen und geschulten Kräften wie Tagesmüttern aufgefangen werden. Doch leider ist die Politik nicht flexibel genug.

 


Michael Schwarz

Chefkorrespondent Landespolitik

Michael Schwarz ist seit 2005 bei der Heilbronner Stimme. Landesregierung, Landtag, Parteien, Fraktionen, Politiker - Schwarz beobachtet rund um die Uhr die landespolitischen Akteure in Stuttgart und geht der Frage nach, ob diese einen guten Job machen.

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