100 Freiburger Priester unterstützen Reformappell

Freiburg (dpa/lsw)   Mehr als 100 Geistliche der Freiburger Diözese unterstützen den Reformappell katholischer Professoren für ihre Kirche. Das Papier, in dem unter anderem die Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester und mehr Demokratie in der Kirche gefordert werden,

Reformappell
Zollitsch rief bereits zur Reform auf, jetzt folgen 100 Geistliche aus Freiburg. (Archiv)

sei zugespitzt und berge viel Diskussionsstoff, sagte der Freiburger Dompfarrer und Dekan Claudius Stoffel der Nachrichtenagentur dpa. «Aber die Kritik kommt aus der Mitte der Kirche, und die Menschen erwarten, dass wir uns damit auseinandersetzen.» Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, werde diesen Dialog mittragen, ist Stoffel überzeugt.

Zu den Unterstützern zählt auch Tübinger Kirchenkritiker Hans Küng. Der Text sei zwar «relativ harmlos», sagte Küng in der «Frankfurter Rundschau». Er sei aber froh, «dass sich überhaupt mal wieder Theologen zu Wort gemeldet haben, die mit dem Kurs des gegenwärtigen Papstes nicht einverstanden sind». Küng gehörte nicht zu den Erstunterzeichnern des Anfang Februar veröffentlichten Theologen-Aufrufs, weil er nach seinen Angaben nicht gefragt wurde. Unter den Initiatoren habe es «offenbar Diskussionen darüber gegeben, ob ich katholisch genug sei, um unterschreiben zu dürfen».

Zollitsch habe im vergangenen Jahr zum offenen Dialog über die Zukunft der Kirche aufgerufen, begründete Stoffel den Vorstoß der Priester. «Da fühlten wir uns geradezu aufgerufen, uns dem Reformappell anzuschließen und dafür zu werben.» Es gebe sicherlich gute Gründe, den Forderungen kritisch zu begegnen. «Ich habe auch nicht bei jedem Satz gejubelt, aber nur so kommt die Initiative ins Laufen.»

Bei einigen Fragen, etwa dem Verbot der Frauenordination, schade es nicht, noch einmal genau hinzusehen. «Wieso gibt es diese Regelung, und ist sie noch vermittelbar? Das muss auf den Tisch.» Stoffel hofft, dass die Auseinandersetzung sachlich und ernsthaft ausgetragen wird. «Die Menschen erwarten, dass wir nicht nur so tun als ob, und dass wir eine anständige Kultur des Streitens pflegen.» Was am Ende dabei herauskomme, sei ungewiss. «Da haben die Bischöfe das entscheidende Wort.»

Zollitsch ist zurzeit in Urlaub. Sein Sprecher wertete den Vorstoß der Priester nicht als Angriff. Zollitsch habe zum Dialog aufgerufen und suche auch das Gespräch.