Kein Geld für Glücksspielforschung? Land weist Kritik zurück

Stuttgart/Region  Der Wissenschaftler Tilman Becker wirft dem Staat mangelndes Interesse der Forschung zur Glücksspielbranche vor. Spielhallen, Sportwetten und Online-Casinos hätten ein hohes Suchtpotenzial. Kommt das Land seiner Verpflichtung nicht nach? Ministerien widersprechen.

Von Alexander Hettich

Glücksspiel

Die Suchtgefahren des Glücksspiels sind ein Thema der Forscher.

Foto: dpa

Der Staat versage bei der Regulierung der Glücksspielbranche: Das beklagte der Hohenheimer Wissenschaftler Professor Tilman Becker diese Woche im Interview mit der Heilbronner Stimme. Er kritisierte zudem, Baden-Württemberg lasse die renommierte Forschungsstelle Glücksspiel finanziell im Regen stehen. Zuständige Ministerien widersprechen. Endlich müsse eine bundeseinheitliche Glücksspielkommission her, forderten in der Forschungsstelle engagierte Wissenschaftler kürzlich beim Festakt zum 15-jährigen Bestehen der Einrichtung.

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Ihr Leiter, Tilman Becker, kritisiert auch das Land. Die Forschungsstelle sei ein durch Spenden finanzierter Verein. Becker, ihr ehrenamtlich tätiger, gewählter Leiter, hat eine Professur für Agrarmarketing. "Wir bekommen weder von der Universität noch vom Land einen einzigen Cent", so der Wissenschaftler. "Das Land kommt seiner Verpflichtung nicht nach."

So reagiert das Ministerium auf die Kritik

Süchtig nach Glück: Forscher fordert Regulierung

Tilman Becker im Hohenheimer Hörsaal: Der Wissenschaftler leitet die bundesweit einmalige Forschungsstelle Glücksspiel.

Foto: Christiana Kunz

Dem widersprechen Wissenschafts- und Sozialministerium auf Anfrage. Die Hochschulen entschieden selbst über die finanzielle Ausstattung ihrer Einrichtungen, heißt es mit Hinweis auf die Freiheit von Forschung und Lehre. "Die Forschungsstelle Glückspiel partizipiert als wissenschaftliche Einrichtung der staatlichen Universität Hohenheim aber selbstverständlich, nämlich mittelbar an den Zuwendungen des Landes gemäß dem Staatshaushaltsplan."

Es stehe der Stelle frei, sich für Forschungsprojekte um Mittel aus dem Toto-Lotto-Topf zu bewerben. Das Land setze Geld aus den Glücksspieleinnahmen zur Vorbeugung von Sucht ein, unterstütze etwa psychosoziale Beratungs- und ambulante Behandlungsstellen. Das Sozialministerium fördere zudem länderübergreifende Studien. Sie sollen eine Entscheidungsgrundlage liefern bei der anstehenden Novelle des Glücksspielstaatsvertrags.

"Die Forschungsstelle Glücksspiel hat in den letzten Jahren einige Änträge an das Sozialministerium gestellt, zuletzt über die Ausgestaltung einer landesweiten Spielersperre", hält Becker den Aussagen von Seiten des Landes entgegen. "Das Sozialministerium sieht hier keinen Forschungsbedarf."

 


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