Freispruch für Psychologin

Mosbach  Das Landgericht Mosbach hat am Donnerstag eine Gefängnis-Psychologin des sexuellen Missbrauchs freigesprochen.

Von Jürgen Kümmerle
Freispruch für Psychologin

In der JVA Adelsheim sitzen junge Strafgefangene ein.

Foto: dpa

Im Verhandlungssaal sechs im ersten Stock des Landgerichts Mosbach ist die Erleichterung förmlich mit Händen zu spüren. Als der Vorsitzende Richter eine Gefängnis-Psychologin gestern Mittag vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freispricht, fällt der angeklagten Frau ein Stein vom Herzen.

Die 33-Jährige stand seit Mitte März vor Gericht. Laut Anklageschrift soll es während einer Sozialtherapie eines damals 17-jährigen Inhaftierten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Adelsheim mehrfach zu Geschlechtsverkehr gekommen sein.

Das alles soll zwischen Mai und Juni 2016 geschehen sein. Der Strafgefangene gab damals an, dass es einvernehmlich passiert sei. Die Psychologin wiederum sprach von Vergewaltigungen.

Keine Aussage

An drei Prozesstagen, die bis zum Urteilsspruch allesamt unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden, konnte die Kammer den sexuellen Missbrauch nicht nachweisen. Auch deshalb nicht, weil sich der heute 19-Jährige zu keinem Zeitpunkt gegenüber Ermittlungsbehörden zu den Vorfällen äußerte.

Der Mann hat "von seinem Auskunftsverweigerungsrecht" Gebrauch gemacht, sagt der Vorsitzende Richter Michael Haas. Einzig die Schilderung eines JVA-Beamten und ein Brief des jungen Mannes führten zur Anklage und zum Prozess vor dem Landgericht Mosbach.

Die Sache war bekannt geworden, weil der junge Mann die Psychologin aufgefordert haben soll, acht Mobiltelefone in die JVA zu schmuggeln. Als sie sich weigerte, soll es zum Streit gekommen sein. In einem Gespräch mit einem JVA-Beamten soll der Inhaftierte über die sexuellen Handlungen gesprochen haben. Daraufhin begann die Staatsanwaltschaft Mosbach mit den Ermittlungen.

Anzeige wegen Vergewaltigung

Die 33-Jährige wiederum hat den jungen Mann wegen Vergewaltigung angezeigt. Laut Anklageschrift habe sie dies mit dem Ziel getan, ein Ermittlungsverfahren gegen den inhaftierten Jugendlichen in die Wege zu leiten. Laut Richter Haas gab die Psychologin an, ihr sei durch den Inhaftierten Gewalt in Form von "festhalten und niederdrücken" widerfahren. Auch diese Vorwürfe konnte die Kammer nicht bestätigen.

"Unsere Mandantin wird die Anzeige wegen Vergewaltigung nicht mehr verfolgen", sagt Alexander Betz, Rechtsanwalt der Freigesprochenen. "Sie will ihre Ruhe." Im Gespräch mit unserer Zeitung gab die Frau an, dass sie während der zweijährigen Verfahrenszeit nicht mehr gearbeitet habe. Sichtlich erleichtert nach dem Richterspruch sagt sie: "Ich habe das noch gar nicht so richtig erfasst. Das muss erst noch bei mir ankommen."

Der Anwalt der Frau bemängelt gegenüber der Heilbronner Stimme die Gesprächssituation zwischen der Psychologin und dem Inhaftierten während der Therapie, bei der die Frau mit dem verurteilten Straftäter allein in einem Raum saß.

Geschützte Sphären

Katja Fritsche, Leiterin der JVA Adelsheim, äußerst sich nicht zum konkreten Fall. Allgemein sagt sie, dass gewisse Dinge in einer Vertrauensatmosphäre zwischen Psychologen und Patienten stattfinden müssen. "Das sind geschützte Sphären. Wenn da eine dritte, unabhängige Person sitzt, ist es schwierig." Ihr zufolge gibt es Behandlungsgründe, die manchmal Einzelsitzungen notwendig machen. "Man muss aber sehen, dass die Sicherheit gewährleistet ist. Es ist ein Spannungsfeld", sagt Fritsche, die in Stein am Kocher aufgewachsen ist.

Ob die Psychologin wieder in der JVA arbeiten wird, ist noch offen.


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