Freiburger Theologie-Professoren kritisieren Papst

Freiburg/Tübingen - Nach der päpstlichen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson wächst auch innerkirchlich die Welle des Protests. Die katholischen Theologie-Professoren der Universitäten Freiburg und Tübingen verurteilten die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. Sie befürchten einen „Wendepunkt der Kirchengeschichte“.

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Die Freiburger Theologie-Professoren kritisieren die Entscheidung von Papst Benedikt XVI.

Freiburg/Tübingen - Nach der päpstlichen Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson wächst auch innerkirchlich die Welle des Protests. Die katholischen Theologie-Professoren der Universitäten Freiburg und Tübingen verurteilten die Aufhebung der Exkommunikation von vier Bischöfen der erzkonservativen Priesterbruderschaft St. Pius X. Sie befürchten einen „Wendepunkt der Kirchengeschichte“.

Die Entscheidung von Papst Benedikt XVI. vertiefe die „Gräben zu den Kirchen der Reformation“ und laufe dem Einsatz von Christen für freiheitliche Grundrechte zuwider, heißt es in der Erklärung von zwölf Freiburger Professoren. „Es ist uns unverständlich, dass die Exkommunikation der schismatischen Bischöfe aufgehoben wurde, bevor sie grundlegende Lehraussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils akzeptiert haben.“ Die Traditionalisten ignorierten oder verneinten zentrale Konzilsaussagen zur Religionsfreiheit, zur Würde des individuellen Gewissens, zum universalen Heilswillen Gottes, zum gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen und zur besonderen heilsgeschichtlichen Rolle der Juden.

Die 15 Tübinger Theologen kritisierten den Beschluss des Papstes als „Ärgernis und schwere Belastung unserer Arbeit“: „Wer sich auf dem Boden des II. Vatikanischen Konzils um eine Kirche und eine Theologie bemüht, die im offenen Dialog mit der Welt und den Religionen, insbesondere dem Judentum, stehen, fühlt sich vor den Kopf gestoßen. (...) Wir befürchten, dass die Aufhebung der Exkommunikation dieser Bischöfe einen Wendepunkt in der nachkonziliaren Kirchengeschichte markiert.“

Auch nahezu die gesamte Professorenschaft der Katholisch- Theologischen Fakultät in Münster hat ihre Betroffenheit über die Rücknahme der Exkommunikation von vier traditionalistischen Bischöfen erklärt. Der Dekan der Freiburger Fakultät, Magnus Striet, erwartet nicht, dass die offenen Worte den Professoren schaden könnten: „Es gibt den offenen Dialog“, betonte Striet am Freitag auf Anfrage.

Die Erzdiözese Freiburg veröffentlichte die Erklärung der Freiburger Theologen auf ihrer Homepage. Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hatte am Donnerstag Verständnis für die scharfe Kritik jüdischer Organisationen geäußert. Williamson müsse seine „absolut inakzeptablen“ Äußerungen zurücknehmen, sagte Zollitsch. lsw


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